SpOn 16.12.2025
03:42 Uhr

Anschlag in Sydney: Opernhaus erstrahlt mit Bild von Chanukka-Leuchter


Sydney trägt Trauer, auch am Wahrzeichen der Metropole wird der Opfer des Terrorangriffs am Bondi Beach gedacht. Eine gewaltige Projektion zeigt einen neunarmigen Leuchter, der das jüdische Lichterfest symbolisiert.

Anschlag in Sydney: Opernhaus erstrahlt mit Bild von Chanukka-Leuchter

Am Tatort an Sydneys berühmtem Bondi Beach liegt mittlerweile ein Blumenmeer. Bürgerinnen und Bürger wollen damit den Opfern des Terrorangriffs auf ein jüdisches Fest  gedenken. Doch auch anderswo in der australischen Metropole werden Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinde gesetzt. So ist das berühmte Opernhaus mit dem Bild eines Chanukka-Leuchters angestrahlt worden. Ein neunarmiger Leuchter war am Montagabend (Ortszeit) auf den Segeln des Wahrzeichens zu sehen.

Blumen in Bondi (am 16. Dezember)

Blumen in Bondi (am 16. Dezember)

Foto: Mark Baker / AP

Beim jüdischen Lichterfest Chanukka wird an acht Tagen jeweils eine weitere Kerze entzündet. Dies soll die Vertreibung der Dunkelheit symbolisieren.

Zwei Angreifer hatten am Sonntag am Bondi Beach in Sydney auf die Teilnehmer einer jüdischen Chanukka-Feier geschossen und 15 Menschen getötet. Mehrere Dutzend Verletzte wurden noch in Krankenhäusern behandelt. (Hier  finden Sie eine Rekonstruktion des Angriffs.)

»Nach diesem fürchterlichen Angriff ist es wichtiger denn je, dass die jüdische Gemeinde in New South Wales weiß, dass sie nicht allein ist«, sagte der Regierungschef des Bundesstaates, Chris Minns, laut australischen Medienberichten.

Ermittler haben die beiden Angreifer als Vater und Sohn identifiziert. Der 50-jährige Vater war von Einsatzkräften am Tatort erschossen worden. Der 24-jährige Sohn wurde gefasst und liegt mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Das Motiv ist noch unklar. (Lesen Sie hier , wie ein mutiger Obsthändler zum australischen Helden wurde.)

Inzwischen gibt es immer mehr Fragen, ob die Regierung des Landes im Vorfeld der Tat genug gegen wachsenden Antisemitismus getan hat.

Jüdische Gemeinde beklagt wachsenden Antisemitismus

Die Zahl der Juden in Australien wird auf mehr als 100.000 geschätzt, die israelische Jewish Agency nannte zuletzt eine Zahl von mehr als 117.000 jüdischen Menschen in dem Land. Damit ist es eine der größten jüdischen Gemeinden weltweit. Allein in Sydney wird die Zahl der jüdischen Einwohner auf rund 50.000 geschätzt. Nach Informationen des Jüdischen Museums in Sydney sind nach dem Zweiten Weltkrieg rund 27.000 Holocaustüberlebende nach Australien ausgewandert.

Als Anfangspunkt der antisemitischen Welle in Australien gilt der beispiellose Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023. Es folgte ein militärisches Vorgehen Israels im Gazastreifen mit Zehntausenden Toten, darunter viele Zivilisten.

Laut einem Bericht des Exekutivrats australischer Juden kam es in den beiden Jahren seit dem 7. Oktober zu durchschnittlich 1858 antisemitischen Vorfällen im Jahr. In den zehn Jahren davor seien es jeweils durchschnittlich 342 im Jahr gewesen.

Alex Ryvchin, Führungsmitglied des Exekutivrats, nannte die Zahlen aber nur »die Spitze des Eisbergs«. Viele Vorfälle würden gar nicht gemeldet, sagte er zuletzt in einem Radiointerview. »Die Leute denken, ihre persönliche Geschichte sei unwichtig oder sie schämen sich«, sagte Ryvchin.

jok/dpa