Wichtige Updates
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📌Das Wichtigste in Kürze – der Überblick
- Abdul B. ist tot. Der mutmaßliche CSD-Attentäter wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenkolonie in Berlin-Spandau von den Einsatzkräften erschossen. Der 21-Jährige soll laut Polizei mit einer Stichwaffe auf die Beamten zugelaufen sein.
- Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen. Es geht auch um mögliche Mittäter.
- Bei dem Anschlag am Samstagabend starb eine Frau. 29 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Mittlerweile sind laut Polizei alle Verletzten außer Lebensgefahr.
- Ein zweiter Verdächtiger wurde aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Der Verdacht, der Mann sei im Tatauto gewesen, erhärtete sich nicht.
Mehr Hintergründe lesen Sie hier:
- »Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen«: Das sagt Abdul B.s Vater über seinen Sohn
- Der Einsatz, bei dem Abdul B. getötet wurde: So lief der Zugriff in Parzelle 46
- Der Kampf um die Deutung: Wem nützt die Angst nach dem Anschlag vor den Landtagswahlen im September?
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Videoempfehlung: »Und dann sind zweimal hintereinander mehrere Schüsse gefallen«
Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin ist der Tatverdächtige von der Polizei erschossen worden. Er hatte sich in einer Kleingartenanlage in Spandau versteckt. Zwei Augenzeuginnen berichten, was sie erlebt haben. Sehen Sie das Video hier.
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Vater des Tatverdächtigen wohnt nahe der Kleingartenkolonie
Nach Informationen des SPIEGEL ist der Vater des Tatverdächtigen in Berlin-Spandau gemeldet, ganz in der Nähe der Kleingartenkolonie, in der sich Abdul B. versteckt hatte. Der CSD-Attentäter wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenkolonie in Spandau von den Einsatzkräften erschossen.
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Neuköllns Integrationsbeauftragte fordert härteres Vorgehen gegen Islamismus und Homophobie
Die Berlin-Neuköllner Integrationsbeauftragte Güner Yasemin Balci (parteilos) fordert ein entschlosseneres Vorgehen gegen Islamismus und Homophobie. Im Deutschlandfunk sagte Balci, in ihrem Bezirk gebe es seit Jahren ein massives Problem mit homophoben Übergriffen. Bereits Kinder und Jugendliche aus streng religiös geprägten muslimischen Milieus verbreiteten die Anfeindungen. Auch werde in einigen reaktionären Gemeinden Homophobie offen gepredigt. Dagegen müsse der Staat konsequenter vorgehen.
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Berlins Justizsenatorin: Jugendstrafrecht im Fokus
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg sieht das Jugendstrafrecht nach dem CSD-Anschlag auf dem Prüfstand. »Nach diesem Anschlag ziehe ich die Konsequenz, dass genau in solchen Fällen in der Tat die Täter härter zu bestrafen sind«, sagte die CDU-Politikerin im ARD-»Morgenmagazin«. Ob es eine falsche Entscheidung gewesen sei, bei dem Tatverdächtigen das Jugendstrafrecht anzuwenden, könne man so nicht sagen, sagte Badenberg. »Das Gericht entscheidet nach der Auswertung der vorliegenden Erkenntnisse, ob bei einem Heranwachsenden das Jugendstrafrecht oder das Erwachsenenstrafrecht anwendbar ist.« Die Justizsenatorin betont: »Wir müssen grundsätzlich schauen, ob die gesetzlichen Maßstäbe, die wir aktuell haben zur Anwendung des Jugendstrafrechts, ob diese Maßstäbe noch zeitgemäß sind.«
Laut Generalstaatsanwaltschaft war der Tatverdächtige nach vergeblichen Versuchen, sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen, im November 2025 bei seiner Rückkehr am Hauptstadtflughafen BER festgenommen worden. Nach längerer Untersuchungshaft wurde der Tatverdächtige im Mai von einem Jugendschöffengericht zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Entscheidung über eine Aussetzung dieser Jugendstrafe zur Bewährung wurde für die Dauer von sechs Monaten zurückgestellt.
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Kriminalbeamten-Gewerkschaft fordert bessere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden
Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Dirk Peglow, kritisiert Versäumnisse im Umgang mit islamistischen Gefährdern. »Bei einer Person mit einem derart hohen Gefährdungspotenzial darf die Entlassung aus der Haft nicht das Ende staatlicher Aufmerksamkeit bedeuten«, sagte Peglow dem »Handelsblatt«.
Bereits vor einer Entlassung müsse verbindlich festgelegt werden, »welche Behörde den Fall koordiniert, welche rechtlichen Maßnahmen möglich sind und wie die weitere Entwicklung bewertet wird«, sagte Peglow. Polizei, Justiz, Verfassungsschutz und weitere beteiligte Stellen müssten »eng und verbindlich zusammenarbeiten«. Deradikalisierungs- und Ausstiegsangebote müssten bereits während der Haft beginnen und anschließend fortgesetzt werden.
Als entscheidend bezeichnete Peglow klare Zuständigkeiten zwischen den Sicherheitsbehörden. Er verwies aber zugleich auf personelle Grenzen der Sicherheitsbehörden. So binde eine längerfristige und engmaschige Observation erhebliche personelle Ressourcen. Wenn von den Behörden erwartet werde, besonders gefährliche Menschen über längere Zeit zu überwachen, müssten Staatsschutz und Observationsdienststellen »personell, technisch und organisatorisch entsprechend ausgestattet sein«.
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SPD-Innenexperte hinterfragt juristischen Umgang mit Tatverdächtigem
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, nimmt die Rolle der Justiz in den Fokus der Aufarbeitung. »Das Strafrecht war hier nicht das Problem, sondern eher möglicherweise eben die Anwendung«, sagte er im Deutschlandfunk. Bei Abdul B. müsse man sich »genauer anschauen, warum er wieder auf freiem Fuß gewesen ist. Warum die Staatsanwaltschaft gesagt hat, sie war da anderer Auffassung als das Gericht.«
Fiedler mahnte jedoch auch, einfach nur, weil eine Straftat passiert sei, höhere Strafen zu fordern, sei etwas zu simpel. »Wir müssen uns angucken: Warum ist es hier zu einer Bewährungs- oder Vorbewährungsentscheidung gekommen?« Eine große Frage sei auch: »Was ist eigentlich nach der Haftentlassung passiert? Zu wem hatte er noch Kontakte?« Obwohl Abdul B. überwacht worden sei, habe es hier offenkundig eine Lücke gegeben.
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CSD Nürnberg hält an Programm fest
Die Veranstalter des Nürnberger CSD halten an ihren diesjährigen Pride-Veranstaltungen fest. Die Sicherheit aller Teilnehmenden habe höchste Priorität. »Deshalb werden wir in den kommenden Tagen gemeinsam mit der Stadt Nürnberg und der Polizei die aktuelle Lage erörtern und die bestehenden Sicherheitskonzepte überprüfen«, teilte der Förderverein Christopher-Street-Day Nürnberg mit. Das diesjährige Motto lautet »Nürnberg liebt«.
Das CSD-Programm läuft in Nürnberg seit dem 22. Juli und noch bis zum 9. August. Am 8. August soll es eine Demonstration in Nürnberg geben. Am selben Tag und am Tag darauf ist das große Finale mit Bühnenprogramm angesetzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Wochenende angekündigt, die Sicherheitskonzepte für die bevorstehenden Veranstaltungen im Freistaat überprüfen zu lassen.
Das CSD-Programm läuft in Nürnberg seit dem 22. Juli und noch bis zum 9. August. Am 8. August soll es eine Demonstration in Nürnberg geben. Am selben Tag und am Tag darauf ist das große Finale mit Bühnenprogramm angesetzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Wochenende angekündigt, die Sicherheitskonzepte für die bevorstehenden Veranstaltungen im Freistaat überprüfen zu lassen.
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Wolf Wiedmann-Schmidt
Investigativ-Koordinator

Zweiter Verdächtiger aus Polizeigewahrsam entlassen
Ein zweiter Verdächtiger, der wegen einer möglichen Beteiligung am Anschlag auf den CSD in Berlin vorläufig festgenommen worden war, ist nach SPIEGEL-Informationen am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen habe sich der Verdacht gegen den Iraner nicht erhärtet.
Zeugen wollten wahrgenommen haben, wie er sich vom Tatauto, einem weißen Citroën-Transporter, entfernt habe. Deshalb war zwischenzeitlich der Verdacht aufgekommen, dass der Mann womöglich Beifahrer des mutmaßlichen Attentäters Abdul B. war. Doch bei den weiteren Ermittlungen hat sich der Verdacht nicht bestätigt. Die Untersuchung des Fahrzeugs habe keine Hinweise darauf ergeben, dass der Iraner in dem Transporter gewesen sei, heißt es.
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Polizei richtet Betreuungsangebot nahe Tatort ein
Mit einer mobilen Wache wird die Berliner Polizei heute rund um den Tatort im Einsatz sein und Betreuungsangebote machen. Wer Unterstützung brauche oder reden möchte, könne sich jederzeit an die Beamtinnen und Beamten wenden, sagte ein Polizeisprecher. Der genaue Ort der Wache sei noch in der Abstimmung. Von dort, wo derzeit die Blumen abgelegt würden, soll er aber schnell aufzufinden sein.
Blumen in der Nähe des Tatorts. Foto: Markus Lenhardt / dpa
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Leseempfehlung: Meinung – Der Hass wird nicht gewinnen
Autor, Moderator und Newsfluencer Fabian Grischkat informiert auf Social Media über Medien, Klimaschutz und LGBTQ+-Rechte. In einem Gastbeitrag für den SPIEGEL schreibt er, dass Angst zum Alltag für queere Menschen gehört. »Deshalb darf im Umgang mit dem Anschlag das Motiv nicht geleugnet werden. Denn religiöser Fanatismus ist für Menschen wie mich lebensgefährlich«, schreibt er. Den ganzen Meinungsbeitrag lesen Sie hier.
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Merz: »Gewalt beginnt mit Intoleranz, mit Ausgrenzung, mit Diskriminierung, dummen Redensarten und schlechten Witzen«
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Sonntagnachmittag eine Gedenkveranstaltung in der Berliner Marienkirche besucht und am Anschlagsort Blumen niedergelegt. Anschließend ging es für ihn nach Paderborn zum traditionellen Libori-Mahl. Dort hielt Merz eine Rede zu Europa, ging zu Beginn aber auch auf die Tat von Berlin ein.
»Gewalt beginnt nicht erst mit einem Anschlag. Gewalt beginnt mit Intoleranz, mit Ausgrenzung, mit Diskriminierung, dummen Redensarten und schlechten Witzen«, sagte Merz vor der Libori-Gilde im Historischen Rathaus.
Die Gilde ist eine Gruppe aus Unternehmern und engagierten Bürgern der Stadt. Merz hielt bei der Veranstaltung eine Rede zum Thema Europa, ging aber zu Beginn auf den Anschlag in Berlin ein.
Foto: John MacDougall / AFP
Erstmals kam die Libori-Gilde im Jahr 1449 zu dem gemeinsamen Essen mit einfachen westfälischen Speisen zusammen. Das Mahl ist Teil der neuntägigen Libori-Feierlichkeiten.
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Pressestimmen: Anschlag hat »bereits eine Debatte befeuert, die die Landtagswahlen im September prägen dürfte«
Das »Handelsblatt« blickt auf die Folgen des Anschlags für die Wahlen im September:
»Obwohl die Ermittlungen zum Attentat auf den Christopher Street Day (CSD) andauern, hat der Anschlag bereits eine Debatte befeuert, die die Landtagswahlen im September prägen dürfte. (...) Schon jetzt macht die Berliner AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker die deutsche Migrationspolitik verantwortlich und zieht eine Linie bis zum Breitscheidplatz-Attentat von 2016. (...) Es scheint, als müsse sich die AfD gerade gar nicht anstrengen. Sie muss kein ›Über-Performer‹ sein, der sich den maximalen Jahresbonus verdienen will. Die Steilvorlagen kommen frei Haus: erst die unpopulären Debatten über Rente und Gesundheit, dann der Rücktritt von Jens Spahn und der holprige Kabinettsumbau, nun der Anschlag beim CSD.«
»Obwohl die Ermittlungen zum Attentat auf den Christopher Street Day (CSD) andauern, hat der Anschlag bereits eine Debatte befeuert, die die Landtagswahlen im September prägen dürfte. (...) Schon jetzt macht die Berliner AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker die deutsche Migrationspolitik verantwortlich und zieht eine Linie bis zum Breitscheidplatz-Attentat von 2016. (...) Es scheint, als müsse sich die AfD gerade gar nicht anstrengen. Sie muss kein ›Über-Performer‹ sein, der sich den maximalen Jahresbonus verdienen will. Die Steilvorlagen kommen frei Haus: erst die unpopulären Debatten über Rente und Gesundheit, dann der Rücktritt von Jens Spahn und der holprige Kabinettsumbau, nun der Anschlag beim CSD.«
Die »taz« kritisiert, in der Debatte über die politischen Konsequenzen aus der Tat werde queeres Leid instrumentalisiert:
»Aufseiten der ›Law and Order‹-Fraktion in gleich mehreren Parteien sind wenige Stunden nach dem Attentat schon die Rufe nach mehr und neuen Sicherheitsreformen laut geworden. Sie fordern härtere Maßnahmen in der Migrationspolitik, noch mehr Befugnisse und Geld für die Sicherheitsbehörden. Jetzt soll alles nach der Sommerpause im Bundestag schnell gehen, heißt es.
»Aufseiten der ›Law and Order‹-Fraktion in gleich mehreren Parteien sind wenige Stunden nach dem Attentat schon die Rufe nach mehr und neuen Sicherheitsreformen laut geworden. Sie fordern härtere Maßnahmen in der Migrationspolitik, noch mehr Befugnisse und Geld für die Sicherheitsbehörden. Jetzt soll alles nach der Sommerpause im Bundestag schnell gehen, heißt es.
Es sind Politiker*innen, die nun das Leid der queeren Community schamlos für ihre Agenda ausnutzen, während sie die Fördergelder für queere Vereine, Hilfsprojekte und Kulturangebote kürzen oder dazu zumindest nichts sagen. Queere Orte in Berlin und darüber hinaus sind schon seit langer Zeit von homo- und transfeindlicher Gewalt betroffen, sie müssen schließen, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können oder Förderprogramme eingestellt werden, AfDler attackieren diese Orte mit queerfeindlicher Rhetorik von der MAGA-Bewegung inspiriert. Rechtsextreme und Islamisten nehmen Bars, Clubs, Buchhandlungen und andere LGBTQ+-Institutionen ins Visier.«
Die »Zeit« schreibt, mit diesem Anschlag sei eine Grenze erreicht:
»In ihrer Verachtung von queeren Lebensformen ähneln sich Islamisten und Rechtsextremisten auf eine ebenso frappierende wie fatale Weise. (…) Die Appelle, sich von einer aufgeheizten Minderheit nicht die Freiheit nehmen zu lassen, mögen abstrakt richtig sein – und doch klingen sie merkwürdig routiniert, ja dumpf angesichts der Opfer von Berlin und des Schmerzes ihrer Angehörigen. Zur Offenheit, das ist die Lehre aus den vergangenen Jahren, muss dringend eine zweite Kategorie hinzukommen: die der Resilienz, nicht nur bei den Sicherheitsbehörden, sondern in der ganzen Gesellschaft. Die Bereitschaft, den Feinden der Freiheit nicht mit endlosem Langmut entgegenzutreten, sondern sich zu wehren, sei es gegen Islamisten oder gegen Rechtsextremisten. Was genau das im Einzelnen bedeutet, wo die Balance im Verhältnis von Freiheit und Sicherheit verläuft, muss immer wieder neu verhandelt werden.
»In ihrer Verachtung von queeren Lebensformen ähneln sich Islamisten und Rechtsextremisten auf eine ebenso frappierende wie fatale Weise. (…) Die Appelle, sich von einer aufgeheizten Minderheit nicht die Freiheit nehmen zu lassen, mögen abstrakt richtig sein – und doch klingen sie merkwürdig routiniert, ja dumpf angesichts der Opfer von Berlin und des Schmerzes ihrer Angehörigen. Zur Offenheit, das ist die Lehre aus den vergangenen Jahren, muss dringend eine zweite Kategorie hinzukommen: die der Resilienz, nicht nur bei den Sicherheitsbehörden, sondern in der ganzen Gesellschaft. Die Bereitschaft, den Feinden der Freiheit nicht mit endlosem Langmut entgegenzutreten, sondern sich zu wehren, sei es gegen Islamisten oder gegen Rechtsextremisten. Was genau das im Einzelnen bedeutet, wo die Balance im Verhältnis von Freiheit und Sicherheit verläuft, muss immer wieder neu verhandelt werden.
Diese Resilienz, das stimmt, ist in den vergangenen Jahren bereits gewachsen. Polizei und Verfassungsschutz haben Dutzende Anschlagspläne durchkreuzt, die Justiz schaut genauer hin, Sozialarbeiter haben ihre Ansprechhaltung verändert. Aber es gibt auch eine Grenze dessen, was eine Gesellschaft zu ertragen und zu verarbeiten in der Lage ist. Nach den Morden des NSU und denen in Hanau und Halle, nach dem Anschlag auf die Weihnachtsmärkte am Berliner Breitscheidtplatz und in Magdeburg, nach den islamistischen Anschlägen von Solingen und Mannheim und nun beim CSD in Berlin ist diese Grenze erreicht. Vielleicht ist sie bereits überschritten.«
Das Portal »t-online« warnt davor, einfach zur Tagesordnung überzugehen:
»Die politischen Verantwortungsträger sagen derweil routiniert eingeübte Stanzen von Empörung, Abscheu und Entschlossenheit auf. Pflichtschuldig ist man entsetzt, verspricht ›die ganze Härte des Gesetzes‹ und warnt den politischen Gegner davor, das Geschehen zu instrumentalisieren.
»Die politischen Verantwortungsträger sagen derweil routiniert eingeübte Stanzen von Empörung, Abscheu und Entschlossenheit auf. Pflichtschuldig ist man entsetzt, verspricht ›die ganze Härte des Gesetzes‹ und warnt den politischen Gegner davor, das Geschehen zu instrumentalisieren.
Das aber passiert längst, und die Erfahrung zeigt: oft ist das alles, was passiert. ›Performative verbale Kranzniederlegungen‹ nennt das der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann. Es gibt keine gelungenere Beschreibung. Immer dieselben Rituale, immer dieselben Denkschablonen, bis der nächste Anschlag kommt und das ganze Spiel von vorn beginnt.«
Auch die Presse im Ausland beschäftigt sich mit dem Anschlag in Berlin. Die niederländische Zeitung »De Telegraaf« warnt vor der Radikalisierung Jugendlicher:
Auch die Presse im Ausland beschäftigt sich mit dem Anschlag in Berlin. Die niederländische Zeitung »De Telegraaf« warnt vor der Radikalisierung Jugendlicher:
Der Anschlag in Berlin zeige, dass die größte Gefahr für Europa aus dem dschihadistischen Lager komme, heißt es. »Die Sicherheitsdienste warnen schon seit Längerem davor, dass immer mehr Jugendliche durch das in den sozialen Medien weitverbreitete dschihadistische Gedankengut beeinflusst werden. Nach Angaben des (niederländischen Geheimdienstes) AIVD ist inzwischen ein Drittel der Dschihadisten unter 24 Jahren alt.«
Auch kritisiert die niederländische Zeitung, dass Abdul B. zuvor nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde.
Auch kritisiert die niederländische Zeitung, dass Abdul B. zuvor nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde.
»Abdul B. stand offenbar als mögliche Bedrohung auf dem Radar der Sicherheitsdienste. Dennoch durfte er nach einer Verurteilung die Jugendstrafanstalt relativ schnell verlassen – unter der Bedingung, dass er an einem Deradikalisierungsprogramm teilnimmt. Dieser therapeutische Ansatz, ihn von Extremisten loszulösen, erwies sich als Farce. Das Aufkommen immer jüngerer Dschihadisten wird viele europäische Länder vor die Frage stellen, ob das Jugendstrafrecht noch zeitgemäß ist. Milde Strafen können potenzielle Attentäter von solchen Taten ebenso wenig abhalten wie Therapien.«
Der Schweizer »Tages-Anzeiger« kritisiert die Forderung nach Abschiebungen:
Der Schweizer »Tages-Anzeiger« kritisiert die Forderung nach Abschiebungen:
»Nach islamistischen Anschlägen fordern viele rasche Abschiebungen – vor allem die AfD, die auch an die Landtagswahlen in sechs Wochen denkt. Doch im Fall von Abdul B. greift diese Forderung ins Leere: Er ist in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger. Was also gilt es zu tun? Eine Prüfung verdienen gesetzliche Verschärfungen, die im deutschen Innenministerium bereits in der Schublade liegen. Verfassungsschutz und Bundespolizei sollen demnach künftig bei akuten Bedrohungslagen heimlich Wohnungen durchsuchen sowie KI-gestützte Gesichtserkennung im öffentlichen Raum nutzen dürfen.«
Auch geht die Schweizer Zeitung auf die Überwachung sozialer Netzwerke ein. »Spielten zuvor bei der Radikalisierung junger Männer Moscheen eine zentrale Rolle, findet diese heute vor allem im digitalen Raum statt. Islamisten verbreiten dort auf Jugendliche zugeschnittene Propaganda. Derzeit durchforstet die Polizei diese Plattformen unsystematisch und von Hand. Das ist nicht ausreichend angesichts der Vielzahl von radikalen Imamen und IS-Sympathisanten, die dort Hass verbreiten. Künstliche Intelligenz könnte helfen, Verdachtsfälle systematisch auszuwerten. Der politische Widerstand dagegen ist groß. Der Anschlag in Berlin könnte dies ändern.«
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JU-Chef Winkel fordert Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder
Aus der Union mehren sich Stimmen, die ein schärferes Vorgehen gegen Gefährder und Islamisten verlangen. Ein zentraler Punkt ist die Frage, warum Abdul B. noch frei war, obwohl er längst im Fokus der Behörden war. Der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, sprach sich dafür aus, alle Gefährder nach Erwachsenenstrafrecht zu behandeln. Gefährder dürften künftig nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden können, sagte Winkel dem »stern«. »Die dafür notwendige ›Reifeverzögerung‹ darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.« Abdul B. war im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Berliner Gericht wandte Jugendstrafrecht an.
Winkel. Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann, sagte dem »Handelsblatt«, die »Kriegserklärung an unsere freiheitliche Demokratie« dürfe nicht »mit Samthandschuhen« beantwortet werden. »Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind«, sagte der CDU-Abgeordnete.
Es stellt sich die Frage, warum die Union das Thema nicht früher anging. Seit 2005 haben CDU und CSU fast durchgängig den Innenminister gestellt, Ausnahme war lediglich Nancy Faeser (SPD), die von Ende 2021 bis Mai 2025 Innenministerin war.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Der mutmaßliche Attentäter vom Berliner CSD ist tot. Abdul B. wurde von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei erschossen. Die gesellschaftliche Aufarbeitung des Anschlags beim CSD und die politische Debatte über Konsequenzen haben erst begonnen. Wir halten Sie hier über die Entwicklungen auf dem Laufenden.
Die Ereignisse von Samstagabend bis Sonntagnacht können Sie hier nachlesen.
Die Ereignisse von Samstagabend bis Sonntagnacht können Sie hier nachlesen.
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