SpOn 05.01.2026
04:55 Uhr

Angriff auf Venezuela: Donald Trump droht Kolumbien, Kuba beklagt 32 Tote in Caracas


An Bord der »Air Force One« teilt Donald Trump aus: Venezuela müsse mit einem Zweitschlag rechnen. Kolumbien solle sich hüten – und dann sei da ja noch Grönland. Zudem: Kuba meldet tote Staatsbürger. Das geschah in der Nacht.

Angriff auf Venezuela: Donald Trump droht Kolumbien, Kuba beklagt 32 Tote in Caracas

Auch in dieser deutschen Nacht hat sich Donald Trump noch einmal ausgiebig zur Lage in Venezuela nach den Militärschlägen seines Landes und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro geäußert. An Bord der Präsidentenmaschine »Air Force One« sprach er auf dem Weg in die US-Hauptstadt mit Journalisten – es wurde eine Mischung aus Drohung und Eigenlob.

Die ersten Fragen drehten sich, wenig überraschend, um die Pläne für die unmittelbare Zukunft Venezuelas. Dort haben laut Trump die USA die Führung übernommen. »Wir verhandeln mit den Leuten, die gerade vereidigt wurden«, sagte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) bezogen auf die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez.

»Fragen Sie mich nicht, wer die Verantwortung trägt, denn ich werde eine Antwort geben, die sehr kontrovers ist«, fügte Trump hinzu und konkretisierte auf Nachfrage: »Es bedeutet, dass wir die Verantwortung tragen«.

Sollten die verbliebenen Mitglieder der Regierung in Caracas seine Bemühungen nicht unterstützen, das Land zu stabilisieren, sei auch ein zweiter Militärschlag eine Option, so Trump weiter.

Von dort kamen versöhnlichere Töne. »Wir laden die Regierung der Vereinigten Staaten ein, gemeinsam an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist und im Rahmen des Völkerrechts ein dauerhaftes Zusammenleben in der Gemeinschaft stärkt«, hieß es in einer von der geschäftsführenden Präsidentin Rodríguez auf Instagram veröffentlichten Mitteilung. (Mehr zu Delcy Rodríguez und ihrer Rolle lesen Sie hier .)

Rodríguez hatte sich unmittelbar nach dem US-Angriff zunächst noch unbeugsam gezeigt. Nun forderte sie eine von Respekt geprägte Beziehung zwischen den USA und Venezuela, die auf souveräner Gleichheit und Nichteinmischung basiert. Das dürfte (nicht nur) nach den jüngsten Aussagen Trumps ein frommer Wunsch bleiben.

Maduro befindet sich in einem US-Gefängnis in New York und soll am Montag wegen Drogenhandels vor Gericht erscheinen. Die Gefangennahme hat große Unsicherheit über die Zukunft des ölreichen südamerikanischen Landes ausgelöst.

Maduro mit US-Sicherheitskräften nach der Landung in den USA (am 3. Januar)

Maduro mit US-Sicherheitskräften nach der Landung in den USA (am 3. Januar)

Foto: REUTERS

Im selben Atemzug schickte Trump auch gleich noch eine Drohung an ein Nachbarland Venezuelas mit. »Kolumbien ist auch sehr krank, regiert von einem kranken Mann«, sagte Trump an Bord der »Air Force One«. Damit spielte er offensichtlich auf den kolumbianischen Präsidenten Gustavo ⁠Petro ‍an und fügte hinzu, dieser stelle Kokain her und verkaufe es an die USA. »Er wird das ​nicht mehr lange tun.« ‌Auf ⁠die direkte Frage, ob die USA eine Militäroperation gegen das Land anstreben würden, antwortete Trump: »Das klingt gut für mich.«

Sowohl der Vorwurf gegen Maduro als auch gegen Petro überzeugt kaum, wenn man bedenkt, dass die US-Regierung erst Anfang Dezember den Ex-Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, vorzeitig aus der Haft entlassen hatte. Der konservative Politiker wurde verurteilt, weil er Drogenschmugglern geholfen hatte, Hunderttausende Kilogramm Kokain in Richtung USA zu schleusen. Zu den Schmugglern soll auch der in den USA in Haft sitzende mexikanische Ex-Kartellchef Joaquín »El Chapo« Guzmán gehören. (Mehr zu dem Fall hier  in der Analyse aus Rio de Janeiro.)

Viele tote Sicherheitskräfte aus Kuba

Derweil wird bekannt, dass bei dem Angriff des US-Militärs auf Venezuela auch 32 kubanische Sicherheitskräfte ums Leben gekommen sind. Sie waren auf Bitten der venezolanischen Behörden in das südamerikanische Land entsandt gewesen, wie die regierende Kommunistische Partei Kubas mitteilte.

»Getreu ihrer Verantwortung für Sicherheit und Verteidigung erfüllten unsere Landsleute würdig und heldenhaft ihre Pflicht und fielen nach hartem Widerstand im direkten Kampf gegen die Angreifer oder infolge der Bombardierung der Einrichtungen«, hieß es in der Mitteilung.

Sicherheitskräfte aus dem verbündeten Kuba sind nach Einschätzung von Experten seit Jahren in Venezuela im Einsatz. Unter anderem sollen kubanische Geheimdienstagenten beispielsweise dabei helfen, Soldaten der Streitkräfte auf Linie zu halten. (Reaktionen aus Kuba und dem Rest der Welt lesen Sie hier.)

Die Regierung in Havanna wurde gestern von US-Außenminister Marco Rubio als »riesiges Problem« bezeichnet. Das hatte er beim US-Sender NBC News auf die Frage erklärt, ob nach dem US-Angriff auf Venezuela nun Kuba folge. Zwar wolle er nicht über zukünftige Schritte der US-Regierung mit Blick auf Kuba sprechen. »Aber ich denke, es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind.«

Trump betont Ambitionen auf Grönland

Doch nicht nur in Lateinamerika wächst die Sorge vor einem weiteren Übergriff der Trump-Regierung. Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben einen erneut vom US-Präsidenten geäußerten Gebietsanspruch auf Grönland deutlich zurückgewiesen. Kritiker werfen den USA zunehmend imperialistische Tendenzen vor. Ziele wie der Panamakanal und eben Grönland werden von Trump und seinem Zirkel immer wieder namentlich erwähnt. (Lesen Sie hier, wie ein Tweet aus Trumps engstem Dunstkreis für Aufregung in Dänemark sorgt.)

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen

Foto: Emil Nicolai Helms / Ritzau Scanpix Foto / dpa

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, die Vereinigten Staaten hätten »überhaupt kein Recht« einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren. Sie rief die USA dazu auf, »mit den Drohungen aufzuhören gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk, das deutlich gesagt hat, dass es nicht zum Verkauf steht«.

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Trump ließ sich davon nicht beirren. Während seines Flugs nach Washington sagte er: »Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit«. Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. »Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen«, sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland »haben« sollten, behauptete Trump. Diese Einschätzung darf getrost bezweifelt werden.

jok/Reuters