Der Nächste, bitte!
Andy Burnham ist neuer Vorsitzender der Labour-Partei im Vereinigten Königreich. Am Montag soll er dann auch Premierminister werden.
Andy Burnham, designierter Premierminister:
»Wir stehen zusammen, und wir stellen die Kraft, die aus dieser Einheit entsteht, in den Dienst der Menschen und Orte, die schon viel zu lange darauf gewartet haben, dass die Politik ihnen wieder Hoffnung schenkt.«
Große Ziele – wo doch völlig offen scheint, wie viel Zeit Burnham überhaupt bekommt. Die Briten haben ihre Regierungschefs in den vergangenen zehn Jahren so häufig gewechselt, dass manch eine Burnham schon anzählen will, bevor er überhaupt Premier ist.
Liz Truss, fürhere Premierministerin:
»Meine Voraussage ist, dass es den nächsten Premierminister noch vor [den Parlamentswahlen] 2029 geben wird.«
2029? Das wären ja auch drei Jahre! Die hat schon lange kein britischer Premier mehr geschafft. Und dass gerade Liz Truss sich spöttisch über eine verkürzte Zeit in der Downing Street äußert – mutig. Aber der Reihe nach.
Der letzte Premier, der eine gesamte fünfjährige Amtszeit überstanden hat, war David Cameron. Doch der war seinen Job im Juli 2016 los – und seitdem sollte nie wieder so richtig Ruhe einkehren in London.
Theresa May scheiterte daran, einen Brexit-Deal durchzubringen. Wir erinnern uns: Immer und immer wieder hieß die Antwort im Parlament: No.
»Die Jas auf der rechten Seite: 202. Die Neins auf der linken Seite: 432.«
Nach 1107 bemerkenswerten Tagen im Amt machte sie den Weg frei für ihren bemerkenswerten Nachfolger.
Boris Johnson:
»Danke, Theresa. Danke.«
Boris Johnson brachte dann zwar einen Brexit-Deal über die Bühne. Er stolperte aber – unter anderem – über eine verbotenen Party während des Corona-Lockdowns. Dafür verhängte die Londoner Polizei sogar eine Geldstrafe.
Boris Johnson, damaliger Premierminister:
»Ich habe die Strafe bezahlt. Und ich möchte mich nochmal vollumfänglich entschuldigen.«
Kein halbes Jahr später trat er vollumfänglich zurück, nach immerhin 1141 Tagen im Amt!
Dann kam Liz Truss. Die Frau, die Burnham keine ganz so lange Zeit im Amt vorhersagt. Und wer sollte es besser wissen.
Zwischen dieser Aussage…
Liz Truss, damalige Premierministerin:
»Ich fühle mich geehrt, diese Verantwortung zu übernehmen.«
…und dieser…
Liz Truss, damalige Premierministerin:
»Es war eine große Ehre, Premierministerin dieses Landes zu sein.«
…lagen ganze 50 Tage. Vielleicht ist ihre kürzliche Aussage also…
Liz Truss, frühere Premierministerin:
»...der nächste Premierminister noch vor 2029.«
…am Ende ein Ausspruch größten Vertrauens?
Nach Truss kam Rishi Sunak. Er war 620 Tage im Amt, immerhin fast zwei Jahre. Bevor er dann die Wahl verlor - gegen Keir Starmer.
Rishi Sunak:
»Das ist ein schwieriger Tag am Ende einer Reihe von schwierigen Tagen.«
Am Ende? Das war’s noch nicht. Sunaks Nachfolger Keir Starmer machte zwar die zwei Jahre voll, er schlitterte nach katastrophalen Regional- und Kommunalwahlen für Labour aber in eine Regierungskrise – und schaffte am Ende auch nicht mal die Hälfte seiner geplanten Amtszeit.Jetzt also: Andy Burnham.
Andy Burnham, designierter Premierminister:
»Ich bin bereit.«
Die Frage ist nur: Ist er nur bereit – oder bald schon wieder fertig?