Der frühere britische Prinz Andrew ist im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein am Donnerstag mehrere Stunden lang von der Polizei festgehalten worden. Der Skandal sorgt international für Aufsehen. Viele Medien kommentieren das Thema am Tag nach der vorübergehenden Festnahme – und urteilen nahezu einstimmig: Der Fall fügt dem Ansehen der britischen Monarchie großen Schaden zu.
Die australische Zeitung »Sydney Morning Herald« schreibt: »Mit seiner Festnahme beginnt für Andrew Mountbatten-Windsor eine Phase, die den bereits angerichteten enormen Schaden weiter verschlimmern dürfte.« Die grundlegende Frage sei, ob Andrew das Vertrauen der Öffentlichkeit missbraucht habe, indem er sein fürstliches Privileg zum persönlichen Vorteil nutzte.
Auch die australische Zeitung »The Age« warnt davor, voreilige Schlüsse über den Niedergang der Monarchie zu ziehen. Die Öffentlichkeit habe sich von Andrew abgewandt, heißt es dort. Doch Charles erfreue sich weiterhin »immenser Beliebtheit«. Und weiter: »Die britische Öffentlichkeit kann den Mann, den sie einst als Prinz Andrew kannte, verurteilen und gleichzeitig den König und die Monarchie unterstützen.« Für Andrew gebe es kein Mitgefühl, so das Urteil der Zeitung. »Kann sich eine moderne Demokratie wie Großbritannien weiterhin eine Monarchie leisten, die einer reichen und privilegierten Minderheit eine Sonderbehandlung garantiert«, fragen etwa die »Badischen Neusten Nachrichten« – und bilanziert: »Die Zeiten, in denen Queen Elizabeth II. als eine identitätsstiftende Kraft für das Inselkönigreich gefeiert wurde, sind vorbei. Charles III. ist nicht so populär wie seine Mutter, und bei den jüngeren Briten geht der Rückhalt für die Krone zurück.«
Auch in Deutschland kommentieren viele Medien Andrews Absturz.
So sieht die »Frankfurter Rundschau« einen entscheidenden Unterschied im Vergleich zu früheren Skandalen um die britische Monarchie. Das Königshaus habe lange für Distanz, Diskretion und einen stillschweigenden Sonderstatus gestanden, heißt es dort. Wer im inneren Zirkel stand, sei bei Fehltritten weich gefallen. »Diese Zeiten sind jetzt eindeutig vorbei«, heißt es dort weiter. Das habe auch mit einem Wandel in der britischen Gesellschaft zu tun: »Sie ist misstrauischer geworden gegenüber Eliten und sensibler für Machtmissbrauch. Privilegien werden nicht mehr akzeptiert.«
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Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« blickt im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal auf mögliche politische Konsequenzen für Großbritannien. Der Monarchie habe die vorübergehende Festnahme von Ex-Prinz Andrew einen schweren Schaden zugefügt, heißt es dort. »Existenzbedrohend aber ist sie für Keir Starmer«, schreibt das Blatt weiter. Denn der gleiche Tatvorwurf treffe Peter Mandelson, der ausweislich der Epstein-Akten noch viel gravierendere Interna über den Atlantik sandte. Der ohnehin angeschlagene Premierminister werde dessen mögliche Verurteilung kaum überleben, so die Prognose der Zeitung.
