Dieses Foto ging um die Welt: Andrew Mountbatten-Windsor auf der Rückbank eines Autos. Der ehemalige britische Prinz schaut ängstlich auf dem Foto, angespannt, ungläubig. Es scheint so, als rutsche er weg, tiefer in den Sitz hinein – fast so, als wolle er sich verstecken.
Reuters-Fotograf Phil Noble gelang es, Mountbatten-Windsor auf dem Autorücksitz zu fotografieren. Die Aufnahme machte er, nachdem der frühere Prinz die Polizeidienststelle Aylsham in Norfolk Donnerstagabend verlassen hatte.
Die Polizei hatte Andrew Mountbatten-Windsor gegen acht Uhr am Morgen auf seinem Anwesen in Sandringham festgenommen. Ermittler werfen dem 66-Jährigen Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt vor. Andrew soll in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen US-Unternehmer und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergeleitet haben. Mutmaßliche Sexualdelikte wurden in den Angaben zur Festnahme nicht erwähnt.
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In einem Video, das Reuters auf Instagram postete, erzählt Noble, wie ihm das Kunststück gelang. Nachdem der Fotograf von der Festnahme erfahren hatte, sei er zu vier oder fünf verschiedenen Polizeiwachen gefahren. Er hatte gehofft, zu sehen, wie Mountbatten-Windsor eine der Wachen verlassen würde. Doch Noble habe nichts Ungewöhnliches erkennen können. Er sei dann wieder ins Hotel gefahren. Seine Kollegin habe ihm kurz darauf geschrieben: »Zwei Autos sind gerade angekommen – ich glaube, du solltest zurückkommen.«
Noble sagt, er sei zurückgefahren und schon eine Minute später seien zwei Autos aus der Polizeigarage gekommen. In einem Auto saß Andrew Mountbatten-Windsor.
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Der Fotograf berichtet, er habe vieles beachten müssen. Er habe nicht gewusst, woher das Auto mit dem ehemaligen Prinzen kommen würde, wo Mountbatten-Windsor sitzen würde. Sitzt er vorn? Sitzt er hinten? Es sei natürlich schon dunkel gewesen und Noble habe mit Blitz arbeiten müssen.
Er habe früher am Tag schon ein paar andere Autos fotografiert, die aus der Polizeiwache gekommen seien: »Ich hatte also eine ungefähre Vorstellung von den Kameraeinstellungen.« Doch Noble sagt auch, am Ende sei es eher Glück als Können gewesen. »Die Fotogötter waren auf meiner Seite.«
Andrew Mountbatten-Windsor, der wegen seiner Verbindung zu Epstein bereits seine Titel und Ehren verloren hatte, äußerte sich bislang nicht zu der Entwicklung, die in Großbritannien für Aufruhr sorgte. Die Festnahme folgte auf die Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Ermittlungsakten zu Epstein durch das US-Justizministerium.
Das Bild macht weltweit die Runde: Der frühere Prinz Andrew zeigt sich panikgefrostet. Woran denkt er nach seiner Festnahme? Man darf sich an die in Schock erstarrten Sünder auf alten Höllenbildern erinnert fühlen. Lesen Sie hier eine Bildbetrachtung: Dorthin, wo es lodert und Jeffrey Epstein wartet
