Sie machen in dieser Ausgabe eine Glückswanderung. Zumindest mental. Den aktiven Part hat mein Kollege Günter Kast übernommen. Er war in Bhutan, dem »Land des Glücks«. Hier steht das Konzept des Bruttonationalglücks über dem Bruttonationalprodukt, Glück ist als zentrales Staatsziel und als Grundrecht in der Verfassung verankert.
Es hätte also ein mit Glücks-Kalendersprüchen gespickter Text über eine Tour durch das kleine Königreich im Osthimalaya werden könnten. Kast hat sich dagegen entschieden. Er wollte einfach nur wandern. Sein Guide Jigme Wangchuck war ihm dafür dankbar. Es sei eine Illusion, ein Land und seine Menschen in zwei Wochen begreifen zu wollen, sagte er Kast.
Immer wieder fragten ihn Gäste in Buthan nach seiner Idee vom Glück, sagt Wangchuck. Er antwortet dann mit den Worten des Guru Rinpoche: »Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg.« Es ist der einzige Kalenderspruch dieser Reisereportage.
Auf ihrer Wanderung wurden Kast und sein Guide von einem für die Jahreszeit untypischen Unwetter überrascht, mussten auf einmal durch einen Schneesturm stapfen. Dabei erkannte Kast, dass es auf die innere Einstellung ankommt: »Man kann auch im Land des Bruttonationalglücks individuelles Wetterpech haben. Hat man das einmal akzeptiert, fängt man an, die neue Herausforderung anzunehmen. Dann ist der Schnee nicht länger ein Leichentuch, das sich über die Berge legt, sondern es sind ›50 Shades of White‹, die Kindheitserinnerungen wach werden lassen an kalte Winter.«
Jigme Wangchuck und Günter Kast im Schneesturm
Acht Tage und rund hundert Kilometer lang wanderten er und Wangchuck. Sie passierten zwei knapp 5000 Meter hohe Pässe. Auf dem Weg wurden ihre Anforderungen ans Glück bescheidener, schreibt er: »Glück ist jetzt schon, dass uns Pferdetreiber entgegenkommen, was heißt, dass der Pass (noch) passierbar ist.«
Zelten mit Blick auf den Chomolhari: Den Gipfel des über 7300 Meter hohen Bergs an der Grenze zu Tibet darf seit 1994 niemand mehr besteigen
Foto: Günter KastWährend die beiden sich wortlos höher kämpften durch den Schnee, Serpentine um Serpentine, genoss Kast die Einsamkeit der Landschaft und das Gefühl seines Ausgesetztseins. »Genau das suche ich, wenn ich in der Natur unterwegs bin: dass nicht alles planbar, nicht alles vorhersehbar ist.« Es klingt ein wenig, als wenn an manchen Kalendersprüchen doch etwas dran ist.
Ich jedenfalls empfehle Ihnen Kasts Reisereportage sehr.
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Mehr Organspenden
Die Zahl der Organspenden in Deutschland liegt auf dedemöchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im vergangenen Jahr spendeten insgesamt 985 Menschen ein oder mehrere Organe und retteten damit anderen Menschen das Leben. 2012 hatte ein Manipulationsskandal an mehreren deutschen Kliniken die Spendenbereitschaft auf einen Tiefstand sinken lassen, jetzt geht es wieder aufwärts.
Organspendeausweis: »Ein wichtiges und ermutigendes Signal«
Foto: Piero Nigro / aal.photo / IMAGOWeniger Bewerber, mehr Chancen
In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen fallen 2026 wegen der Rückkehr zu G9 die meisten Abiturjahrgänge aus. Das wirkt sich positiv auf beliebte Studiengänge und Wohnheimplätze aus. Zumindest in einigen Fällen dürfte sich dadurch der Numerus Clausus ändern und Bewerberinnen und Bewerbern den Einstieg ins Studium erleichtern .
Ein gutes Beispiel
Kurz vor Weihnachten haben wir über den Obdachlosen »Schwalbe« aus Stuttgart berichtet. Ein Jahr lang legte er vom Geld, das er beim Pfandsammeln erwirtschaftete, einen Teil zurück, um es dem örtlichen Sozialdienst katholischer Frauen zu geben. Seine Bitte: die 200 Euro alleinstehenden Müttern zu geben, damit diese ihren Kindern etwas zu Weihnachten schenken konnten. Die Geste rührte Menschen in ganz Deutschland, zeigt eine Mail der Vorständin des Sozialdienstes, die mich diese Woche erreicht hat: Mittlerweile sind viele Menschen dem Beispiel gefolgt und haben an den Stuttgarter Sozialdienst gespendet, um alleinerziehenden Müttern in finanzieller Not zu helfen. »Schwalbe« hatte dazu aufgerufen, nachdem sich öffentlich immer mehr Menschen meldeten, die ihm etwas Gutes tun wollten. Mehr als 7000 Euro sind schon zusammengekommen.
Gute Fahrt
Auch die »Washington Post« berichtet über Hilfe für Alleinerziehende. Schüler der Louisa County High School in Mineral, Virginia, verbrachten mehrere Monate damit, ein Auto zu reparieren, um es einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern zu schenken. Die war überwältigt. »Kinder, die mich nie getroffen haben, setzen sich so für mich ein, arbeiten hart, damit meine Kinder und ich sicher fahren können.« Bei der Übergabe lernten sich Helfer und die Beschenkte kennen. Es war ein schönes Treffen. Hinter der Aktion steht die Organisation Giving Words. Sie hat mittlerweile mehr als 60 Autos an alleinerziehende Mütter verschenkt. Etwa die Hälfte dieser Autos wurde von US-Highschool-Schülerinnen und Schülern repariert.
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Positives Klima
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) wacht über die deutschen Klimaziele, doch seine Kabinettskollegen arbeiten oft gegen ihn, schreibt meine Kollegin Susanne Götze. Das Gute ist, dass die Energiewende noch eine Chance hat. Was dafür passieren muss, hat sie aufgeschrieben.
Was gut ist – für Sie
Worauf Sie sich 2026 freuen können
Das Jahr ist gerade einmal etwas mehr als zwei Wochen alt. Und die hätten besser laufen können. Die weltpolitische Lage hat sich nicht unbedingt entspannt, und Deutschland wurde von einem Wintereinbruch heimgesucht, der gute und schlechte Seiten hatte. Wir haben für Sie herausgesucht, was 2026 noch bereithält – und uns auf die positiven Aspekte konzentriert. Worauf Sie sich neben einer Sonnenfinsternis und einer Mondmission noch freuen können, lesen Sie hier.
Schöne Aussichten: Die Sonne geht auf, hier auf dem verschneiten Großen Feldberg bei Frankfurt
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Der Staat belohnt eifriges Arbeiten im Alter jetzt doppelt: Mit Steuervorteilen, aber auch Rentenzahlungen, die Sie bekommen, selbst wenn Sie normal weiterarbeiten. Mein Kollege Florian Gontek erklärt Ihnen, wie Sie selbst durchrechnen können, was für Sie drin ist.
Vorsatz Nummer 341
Na, gehören Sie auch zu denjenigen, die sich vorgenommen haben, im neuen Jahr mehr Sport zu treiben? Falls Sie auf ein Sixpack hin trainieren, habe ich ein Update für Sie: »Dafür braucht man keine Sit-ups«, hat Sportwissenschaftler Manuel Matzka meinem Kollegen Marvin Rishi Krishan erzählt. Hier steht , was stattdessen hilft.
Aus rein funktioneller Sicht bringt ein Waschbrettbauch eigentlich nichts
Foto: DER SPIEGEL; Jean Marmeisse / plainpictureGlückwunsch nach Viechtach
Gehört Ihr Finanzamt zu den schnellsten in Deutschland? Am 31. Juli müssen viele die Einkommenssteuererklärung abgegeben haben. Wie schnell es dann weitergeht, hängt sehr stark davon ab, wo Sie wohnen. Laut meines Kollegen Matthias Kaufmann ist die Außenstelle Viechtach des Finanzamts Zwiesel in Bayern das schnellste Finanzamt Deutschland. Hier warten Bürger durchschnittlich 28,4 Tage auf eine Rückmeldung. Wenn Sie wissen wollen, wie schnell Ihr Finanzamt ist, empfehle ich Ihnen seinen Text.
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Schnee pur, Schnee mit Kondensmilch, Schnee mit Ahornsirup: TikTok ist dieser Tage voller Winter-Rezeptideen. Ausprobieren oder lieber die Finger davon lassen? Was Fachleute dazu sagen, und ob ein kleiner Bissen Schnee schädlich ist, erfahren Sie hier.
Mmmmh, lecker Schnee! Oder doch nicht?
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Es ist eine Geschichte wie aus einem Film: Ein Hamburger Paar ist auf dem Weg zur Geburtsklinik, als es das Baby auf einmal sehr eilig hat. Noch während der werdende Vater nach einer Möglichkeit zum Halten sucht, kommt das Kind zur Welt. Bei minus elf Grad im Auto. Meine Kollegen aus dem Crossmedia-Ressort haben die Eltern, Linda Türkyilmaz und Mirko Schlufter, und ihre wenige Tage alte Tochter in der Klinik besucht. Allen geht es gut. Besonders dankbar sind Türkyilmaz und Schlufter einem Mitarbeiter der Notrufzentrale. Er beruhigte sie und erklärte, wie sie die Neugeborene bei den eisigen Temperaturen im Auto warm halten konnten, bis die Rettungskräfte eintrafen.
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Herzliche Grüße
Ihre Nadine Wolter,
Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

