Über Jahrzehnte waren die USA für viele Menschen hierzulande Sehnsuchtsort, Partner und Garant für Sicherheit. Doch mit dem politischen Wandel in Washington ändert sich auch der Blick der Deutschen auf die Vereinigten Staaten dramatisch. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung durch das Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung.
Auf die Frage, von welchen Ländern in den kommenden Jahren wohl die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehe, nannten demnach fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) die USA. Als die Meinungsforscher die gleiche Frage ein Jahr zuvor stellten, waren es noch 46 Prozent. 2024 sah lediglich knapp ein Viertel der Bevölkerung (24 Prozent) eine Bedrohung für den Frieden durch die USA.
Für den Sicherheitsreport 2026 waren zwischen dem 6. und 19. Januar bundesweit 1077 Menschen ab 16 Jahren befragt worden. Die Umfrage findet jährlich statt. Die Meinungsforscher fragten auch nach möglicher Unterstützung aus Washington für dessen Verbündete in Europa. Dass die USA militärische Hilfe leisten würden, wenn ein europäischer Nato-Staat angegriffen würde, glaubt demnach nur knapp ein Drittel (32 Prozent) der Menschen in Deutschland. 35 Prozent glauben das nicht. 33 Prozent sind in dieser Frage unentschieden.
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Die größte Gefahr für den Frieden in der Welt geht nach Einschätzung der Menschen in Deutschland jedoch weiterhin von Russland aus. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 zählen zwischen 75 Prozent und 82 Prozent der Teilnehmer Russland zu den Ländern, von denen »in den nächsten Jahren die größte Gefahr, die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt« ausgeht. Aktuell liegt der Wert den Angaben zufolge bei 81 Prozent. China halten demnach aktuell 46 Prozent der Menschen hierzulande für einen Staat, der den Weltfrieden gefährdet.
Die Meinungsforscher wollten zudem wissen, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass Deutschland selbst in den kommenden Jahren in einen Krieg verwickelt wird. Für sehr wahrscheinlich halten dies zwar lediglich drei Prozent der Bevölkerung. Immerhin 28 Prozent denken allerdings, dass dies »eher wahrscheinlich« ist. 24 Prozent der Befragten äußerten sich unentschieden. Dass ein solches Szenario eher unwahrscheinlich ist, glauben 40 Prozent der Menschen in Deutschland; fünf Prozent halten es sogar für sehr unwahrscheinlich.
Jeder Zehnte hat schon mal über Flucht nachgedacht
Mehr als jeder Zehnte hat den Angaben zufolge bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall das Land zu verlassen. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) antworteten demnach, für sie käme ein solcher Schritt nicht infrage. Rund jeder Vierte (24 Prozent) gab an, in einem solchen Fall über eine Flucht nachzudenken. 14 Prozent der Bevölkerung haben laut Umfrage bereits darüber nachgedacht, in einem solchen Fall Deutschland zu verlassen. 13 Prozent der Befragten äußerten sich zu dieser Frage unentschieden.
Weniger im Fokus steht die Terrorgefahr. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen auch, dass sich aktuell nicht mehr so viele Menschen durch Terroranschläge bedroht fühlen wie noch vor Jahresfrist. Waren es vor Jahresfrist noch 42 Prozent, so fühlen sich aktuell noch rund 33 Prozent durch Terroranschläge persönlich bedroht.
