Nach dem Billigversender Shein gerät eine weitere Handelsplattform wegen umstrittener Puppen, die Minderjährigen ähneln, in die Kritik. Shein hatte in Frankreich Sexpuppen mit kindlichem Aussehen angeboten, die französische Justiz ermittelt.
Nun gerät mit AliExpress eine weitere chinesische Plattform wegen ähnlicher Vorwürfe unter Druck. Laut der Nachrichtenagentur Reuters gab AliExpress bekannt, dass es einen in China ansässigen Verkäufer von kinderähnlichen Sexpuppen von seinem Marktplatz verbannt hat. Demnach führte eine Recherche von Reuters zu dem Schritt.
Die Nachrichtenagentur berichtet, ihre Reporter hätten AliExpress erstmals am 14. November auf die Angebote aufmerksam gemacht. Das Unternehmen habe daraufhin erklärt, es werde die Puppen vorsichtshalber entfernen. Diese verstießen jedoch nicht gegen Richtlinien der Plattform, da sie starr konstruiert seien und keine sexuelle Funktion hätten.
In einer anschließenden Erklärung gegenüber Reuters am 25. November habe AliExpress dann jedoch mitgeteilt, man habe beschlossen, den Verkäufer dauerhaft zu sperren.
Laut Reuters wurden vier Angebote für Puppen identifiziert, die Minderjährigen ähnelten. Sie standen demnach in Europa und den Vereinigten Staaten über AliExpress zum Verkauf. Anwälte, denen Reuters die Angebote auf AliExpress zeigte, sagten, dass diese gegen nationale und EU-Vorschriften verstoßen. »Die Größe der Puppe, ihre sehr deutlichen sexuellen Merkmale und ihre anzügliche Unterwäsche machen sie eher zu einem Sexobjekt als zu einem Spielzeug«, sagte Christine Cerrada, Anwältin und Rechtsberaterin der französischen Kinderschutzorganisation L’Enfance au Coeur.
Der Anbieter der Puppen habe seinen Sitz laut Angaben auf AliExpress in China und habe nicht auf Anfragen reagiert, berichtet Reuters.
Der Verkäufer habe wiederholt bestritten, jemals Sexspielzeug auf einer Plattform verkauft zu haben, teilte AliExpress demnach mit. Nach Vorlage von Screenshots durch Reuters habe der Verkäufer aber zugegeben, dass er auf anderen Plattformen Sonderanfertigungen angenommen habe. Das Angebot sei daraufhin dauerhaft entfernt worden.
Plattformen wie AliExpress, Shein und Temu unterliegen aufgrund ihrer Einstufung als sehr große Onlineplattformen verschärften regulatorischen Verpflichtungen gemäß dem europäischen Gesetz über digitale Dienste (DSA). Ein Sprecher der Europäischen Kommission erklärte gegenüber Reuters, man werde »die Einhaltung des DSA durch AliExpress sorgfältig überwachen«.
AliExpress teilte mit, die Plattform werde künftig verstärkt Dritte zur Überwachung seiner Plattform hinzuziehen.
Ende Oktober war bekannt geworden, dass eine Verbraucherorganisation kinderähnliche Sexpuppen auf dem Marktplatz von Shein entdeckt hatte. Der Händler erklärte anschließend, alle illegalen Produkte aus seinem Angebot entfernen zu wollen. Die französische Justiz ermittelt gegen Shein wegen der Verbreitung von Darstellungen Minderjähriger mit pornografischem Charakter. Eine gerichtliche Entscheidung über eine mögliche Sperrung Sheins in Frankreich wurde auf Anfang Dezember verschoben.
Wegen des Verkaufs kinderähnlicher Sexpuppen und illegaler Waffen hat die EU-Kommission zusätzliche Informationen vom Onlinehändler Shein angefragt. Die Kommission erklärte, sie habe bei Shein detaillierte Informationen und interne Dokumente angefragt, wie die Plattform künftig Minderjährige schützen und den Verkauf illegaler Produkte verhindern will. Zudem untersuche die Behörde die Effektivität der von Shein ergriffenen Maßnahmen. Die Anfrage wurde im Rahmen des EU-Gesetzes für digitale Dienste (DSA) gestellt.
