SpOn 30.01.2026
19:26 Uhr

Ali Karimi und die Fifa: Wenn alle schweigen, muss einer reden


Sportler sollten sich um Sport kümmern, sagen Sportler gern – und um nichts sonst. Der frühere iranische Fußballprofi Ali Karimi hat da eine andere Meinung.

Ali Karimi und die Fifa: Wenn alle schweigen, muss einer reden

Dem Fußball steht ein politisch aufgeladenes WM-Jahr ins Haus. Die USA, neben Mexiko und Kanada Gastgeber des Turniers, tun einiges, um die Gäste zu verstören – vom Anspruch, Grönland zu besitzen, bis hin zur Tötung der US-Bürger Renée Good und Alex Pretti durch Mitarbeiter der US-Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden.

Widerspruch der Sportelite bleibt bisher aus. »Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion«, sagte DFB-Kapitän Joshua Kimmich, der vermutlich noch die WM 2022 im Hinterkopf hat, als das sportliche Scheitern in Katar mit der Diskussion über die »One Love«-Binde erklärt wurde. Fifa-Präsident Gianni Infantino wiederum ehrte Donald Trump noch im Dezember mit einem neu geschaffenen Friedenspreis.

Redner Karimi bei Demonstration im Januar in Los Angeles: Der Fußball dürfe zu den »schwersten Fällen von Massenmord an Zivilisten in der jüngeren Geschichte« nicht schweigen

Redner Karimi bei Demonstration im Januar in Los Angeles: Der Fußball dürfe zu den »schwersten Fällen von Massenmord an Zivilisten in der jüngeren Geschichte« nicht schweigen

Foto:

Ramin Barzegar / Middle East Images / IMAGO

Mitten in die Komfortzone hinein legt ein Ex-Profi der Fifa nun den Ball auf den Elfmeterpunkt: Ali Karimi, 127-maliger Nationalspieler Irans, früher für den FC Bayern München aktiv. Als prominentester Unterzeichner eines offenen Briefs fordert der 47-Jährige den Weltverband auf, Teherans zügellose Gewalt gegen Demonstranten zu ahnden.

Öffentlich verurteilen müsse die Fifa das Regime. Oder, noch besser: gleich von der WM ausschließen, bei der Iran sich Gruppe G mit Ägypten, Belgien und Neuseeland teilt. Der Fußball dürfe zu den »schwersten Fällen von Massenmord an Zivilisten in der jüngeren Geschichte« nicht schweigen.

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Sanktionen wären im Einklang mit den Werten, die der Weltverband für sich beansprucht – und politisch bequem: Iran gilt als Erzfeind von Infantino-Freund Trump. Ein Ausschluss käme trotzdem überraschend: 2010 etwa nahm Nordkorea ganz normal am Turnier in Südafrika teil. Wer nicht gerade einen Angriffskrieg startet, hat von der Fifa wenig zu befürchten.