Seit 26 Jahren sitzt Michael Sockwell im Gefängnis, inhaftiert in einer Todeszelle, inzwischen ist er 63 Jahre alt. Damit ist er einer der am längsten inhaftierten Todeskandidaten Alabamas. Doch nun könnte er bald ein neues Verfahren erhalten.
Der Oberste Gerichtshof der USA gab bekannt, das im vergangenen Sommer ergangene Urteil eines Berufungsgerichts nicht zu überprüfen. Das Berufungsgericht hatte im Juni mit zwei zu eins Stimmen entschieden, die Staatsanwaltschaft habe Sockwells Rechte verletzt, weil sie potenzielle schwarze Geschworene unzulässig ausgeschlossen habe. Alabamas Generalstaatsanwaltschaft beantragte eine Überprüfung, der Oberste Gerichtshof lehnte diesen Antrag nun ab.
Sockwell war 1990 verurteilt worden, weil er 1988 den stellvertretenden Sheriff von Montgomery County, Isaiah Harris, erschossen hatte. Die Staatsanwaltschaft wertete die Tat als Auftragsmord, den Harris Frau veranlasst habe. Die Jury empfahl damals mit sieben zu fünf Stimmen eine lebenslange Haftstrafe, ein Richter verhängte jedoch die Todesstrafe. Inzwischen dürfen Richterinnen und Richter in Alabama eine Juryempfehlung in Kapitalverbrechen nicht mehr überstimmen.
Harris Frau wurde zunächst ebenfalls zum Tode verurteilt, später wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. Nach Angaben eines Bundesrichters muss die Staatsanwaltschaft nun bis Mitte März ein neues Verfahren anstrengen oder Sockwell freilassen. Eine Sprecherin der Bezirksstaatsanwaltschaft von Montgomery County sagte, die Behörde wolle den Fall erneut verhandeln, äußerte sich aber nicht weiter.
