Ob der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) generell ein passionierter Bahnfahrer ist, weiß man nicht. Jedenfalls fuhr er am Freitag recht begeistert mit der Ahrtalbahn, wie auf Fotos zu sehen war. Grund für Schweitzers Freude: Die Strecke durch das von der Flutkatastrophe 2021 verwüstete Ahrtal ist wieder in Gänze befahrbar.
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla freuten sich über die offizielle Inbetriebnahme des letzten Abschnitts. »Die Bahn ist zurück im Ahrtal«, sagte Palla. Zur Feier des Tages gab es eine Sonderfahrt von Dernau nach Altenahr. Ab Sonntag rollen dann wieder zwei Regionalbahnlinien durch das enge Tal und verbinden Remagen mit Ahrbrück.
Alexander Schweitzer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, freut sich über die wiedereröffnete Ahrtalbahn während einer Sonderfahrt unter anderem mit Landrätin Cornelia Weigand (r.)
Foto: Marc John / Bonn.digital / IMAGODer aus der nahen Eifel stammende Schnieder sagte, er habe auch viereinhalb Jahre nach der Katastrophe noch die Bilder von im Nichts endenden Bahngleisen und komplett weggespülten Trassen vor Augen. Schweitzer betonte, nun kehre ein zentrales Stück Alltag und Zukunft in die Region zurück.
Teile der Ahrtalbahn mussten neu gebaut werden
Die Strecke war in den vergangenen Jahren Stück für Stück wiederaufgebaut worden: Knapp vier Monate nach der Flut fuhren Züge zunächst wieder auf dem Abschnitt von Remagen zum Bahnhof Ahrweiler in Bad Neuenahr-Ahrweiler, zuletzt fehlten noch 14 Kilometer zwischen Walporzheim, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, und Ahrweiler. Hier glichen die Arbeiten laut Bahn wegen der starken Zerstörung einem Neubau.
Insgesamt wurden auf der Ahrtal-Strecke den Angaben zufolge 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken, fünf Tunnel und zehn Stationen wiederhergestellt. Gleichzeitig wurde die Strecke elektrifiziert und mit moderner Stellwerkstechnik ausgestattet. Das Investitionsvolumen lag laut Bahn bei insgesamt rund 590 Millionen Euro. Ein paar kleinere Einschränkungen wird es eine Zeit lang noch geben wegen letzter Arbeiten an Oberleitungen und einer Stützwand.
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Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 waren im Ahrtal 135 Menschen ums Leben gekommen. Die Überschwemmungen zerstörten weite Teile der Infrastruktur, darunter auch die Ahrtalbahn.
2024, drei Jahre nach der Katastrophe, waren im Ahrtal immer noch große Teile der Infrastruktur zerstört, trotz eines Hilfsfonds von über 15 Milliarden Euro. Warum kommt das Geld nicht an? Die ganze Geschichte lesen Sie hier.
