Damit ihr Stoffwechsel funktioniert, benötigen Tiere regelmäßig Natrium. In manchen Regionen Afrikas können große, wild lebende Pflanzenfresser ihren Bedarf aber nur unzureichend decken. Eine im Fachjournal »Nature Ecology & Evolution« veröffentlichte Studie zeigt nun, dass natürliche Salzquellen Einfluss darauf haben können, wo Elefanten, Giraffen und Nashörner sich ansiedeln oder wie weit sie wandern, um Salz zu finden.
Für die Studie haben die Forschenden mehr als 4000 Pflanzenproben untersucht. Mittels der Analyse von hochauflösenden Karten zum Natriumgehalt der Pflanzen in Kombination mit Daten zur Populationsdichte der Tiere und den Ergebnissen von Kotanalysen konnten sie Rückschlüsse auf die Natriumaufnahme der Tiere ziehen.
»Die Verfügbarkeit von Natrium in Pflanzen variiert in Subsahara-Afrika um den Faktor 1000«, sagt Marcus Clauss, Mitautor der Studie. »In manchen Gebieten können sich wild lebende Pflanzenfresser über ihre Nahrung einfach nicht ausreichend mit Salz versorgen.« Die Studie bestätigt damit frühere Erkenntnisse, wonach das Risiko eines Natriummangels mit der Körpergröße zunimmt.
Menschengemachte Natrium-Hotspots durch Bohrlöcher und Streusalz
Dieser Umstand erklärt demnach auch bestimmte Verhaltensweisen von Wildtieren. »In Kenia beispielsweise suchen Elefanten Höhlen auf, um an natriumreiche Felsen zu gelangen, während sie im Kongo in Flussbetten nach Salz graben. Und dieses Verhalten ist nicht auf Elefanten beschränkt. Gorillas kämpfen um besonders salzige Nahrungsmittel, und Nashörner, Gnus und Zebras versammeln sich oft an Salzpfannen in der Kalahari-Wüste«, sagt Erstautor Andrew Abraham von der Northern Arizona University.
Die Studie liefert auch eine neue Erklärung für die Seltenheit von großen Pflanzenfressern in Westafrika. Die Forscher vermuten, dass Natriummangel eine zentrale Rolle für die geringe Anzahl spielt, wahrscheinlich in Kombination mit anderen Faktoren wie Überjagung oder schlechter Bodenfruchtbarkeit.
Die Forschenden weisen in ihrer Arbeit auf wichtige Aspekte für den Naturschutz hin. »In von Menschen besiedelten Gebieten entstehen künstliche Natrium-Hotspots durch Bohrlöcher oder – in nördlichen Regionen – durch Streusalz. Da sich viele Schutzgebiete jedoch in Regionen mit niedrigem Natriumgehalt befinden, könnte es in Zukunft häufiger zu Konflikten zwischen Menschen und Tieren kommen, die auf der Suche nach Salz weite Strecken zurücklegen«, sagte Clauss.
