Ann-Katrin Müller, SPIEGEL:
»Vor der Wahl hat Ulrich Siegmund ja ganz klar gesagt, dass er nur alleine regieren will, damit er das AfD-pur-Programm quasi umsetzen kann.«
Ulrich Siegmund, AfD:
»Es gibt keine Gespräche mit der CDU. Ich sage es ja immer wieder. Ich kann ja Deutschland nicht mit denjenigen retten, die es hier 20, 30 Jahre lang gegen die Wand gefahren haben. Wie soll das gehen? Wir müssen es alleine schaffen.«
Ann-Katrin Müller, SPIEGEL:
»Jetzt plötzlich klingt das schon ganz anders.«
Ulrich Siegmund, AfD:
»Wir werden selbstverständlich Gespräche führen und schauen, ob es entweder – und das ist eine ganz entscheidende Botschaft heute – einzelne Fraktionen oder einzelne Abgeordnete geben wird, die mit uns gemeinsam diese historische Aufgabe stemmen wollen.«
Ann-Katrin Müller, SPIEGEL:
»Ich habe mich jetzt die letzten Tage ein bisschen umgehört, und tatsächlich ist das natürlich der Bruch eines Wahlversprechens. Was ganz lustig ist, weil ja gerade bei der AfD man jetzt seit Monaten Friedrich Merz und der CDU den Bruch des Wahlversprechens rund um die Schuldenfrage irgendwie vorwirft.
Und tatsächlich ist es auch so, dass es offenbar eine richtige Taktik war, um Leute, die sich nicht entscheiden können – wollen sie jetzt BSW oder AfD wählen, wollen sie CDU oder AfD wählen –, denen zu sagen: Ihr müsst uns wählen, weil sonst wird es nichts.
Und damit hat man die Leute eben schon zur AfD getrieben ein Stück weit. Aber offenbar nicht ganz genug.
In der AfD setzt man darauf, dass die Wähler da entspannt sind, weil man der AfD eben sehr, sehr viel verzeiht. Also, da geht es eben nicht um Widersprüche, um Faktenfehler. Da geht es eben darum, dieses Gefühl zu bedienen: Wir müssen jetzt endlich an die Macht.
Und deswegen sollen einem die Wähler das dann auch verzeihen, dass man vor der Wahl ein bisschen was anderes erzählt hat als danach.
Und tatsächlich ist in der Wählerschaft das ja sehr verbreitet, dass nur noch die AfD Deutschland retten kann. Das sind da so die Worte, die da fallen. Der Hashtag »nur noch AfD«, all das ist ja Standard in der Anhängerschaft der Partei.