SpOn 18.09.2026
13:34 Uhr

Ägypten: Neue Messungen deuten auf verborgene Kammer im Grab Tutanchamuns


Er war berühmt für seine goldene Maske: Messungen sprechen dafür, dass es in der Grabanlage des altägyptischen Pharaos Tutanchamun womöglich weitere, bisher unentdeckte Räume gibt. Liegt dort die Mumie von Nofretete?

Ägypten: Neue Messungen deuten auf verborgene Kammer im Grab Tutanchamuns

An nur wenigen Orten der Welt haben so viele Herrscher ihre letzte Ruhestätte gefunden wie im Tal der Könige. Die hügelige Wüstengegend in Ägypten, wenige Kilometer nordwestlich von Luxor, beherbergt Dutzende Gräber von Pharaonen und hochgestellten Persönlichkeiten des alten Ägyptens – das verzweigte System aus Gängen, Schächten und Kammern wurde vor Tausenden Jahren in den Stein gehauen.

Das wohl bekannteste Grab ist das des Pharaos Tutanchamun, weil es bis zu seiner Entdeckung im Jahr 1922 nahezu unberührt geblieben war und unermessliche Schätze enthielt. Die goldene Totenmaske des Pharaos, der schon in jungen Jahren starb, hat ihn weltberühmt gemacht.

Schon lange vermuten Archäologen, in seiner gut 3300 Jahre alten Grabstätte könnte es versteckte Kammern geben. Nun liefern neue Messungen weitere Hinweise dafür, berichtet ein renommiertes Forschungsteam um den Ägyptologen und ehemaligen ägyptischen Antikenminister Mamdouh Eldamaty auf der Plattform »Occasional Papers of the Amarna Royal Tombs Project« .

Anomalien im Boden

Die Forscher haben das Grab mit geophysikalischen Methoden untersucht und erstmals sogenannte gravimetrische Messungen vorgenommen, mit denen sich die Dichte des Bodens rund um die Grabstätte analysieren lässt. Die Daten sprächen dafür, dass es unter dem Grab von Tutanchamun einen noch älteren, verborgenen Komplex aus Korridoren und Räumen geben könnte. Auch die Grabstruktur würde das nahelegen – für einen Pharao sei die bislang bekannte Anlage auffällig klein.

Wenn sich der Verdacht bewahrheite, wäre das eine der »bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Neuzeit«, sagte Ägyptologe Eldamaty der Nachrichtenseite des Fachblatts »Nature«, die als Erstes über die neue Arbeit berichtete. Einige Experten glauben gar, der verborgene Komplex könnte die letzte Ruhestätte der berühmten Nofretete sein, deren bereits 1912 in Ägypten entdeckte Büste bis heute Hunderttausende Besucher ins Neue Museum nach Berlin lockt.

Nofretete-Büste im Neuen Museum in Berlin: 1912 entdeckt

Nofretete-Büste im Neuen Museum in Berlin: 1912 entdeckt

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Sie war die Gemahlin von Tutanchamuns Vater, Echnaton, und regierte nach dessen Tod womöglich selbst für einige Zeit als Pharaonin. Was mit ihr geschah, ist unter Fachleuten umstritten. Im Jahr 2022 berichteten Forscher, ihre Mumie im Tal der Könige entdeckt zu haben – doch ein Beweis dafür fehlt bis heute.

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Nach einer anderen Theorie könnte ihre Grablege kurzerhand umfunktioniert worden sein, als Tutanchamun unerwartet starb – und die Mumie der Nofretete womöglich noch immer in einer verborgenen Kammer liegen.

Suche mit Minirobotern

Fachleute warnen jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Sollte es die Räume tatsächlich geben, müssten sie nicht unbedingt eine prachtvolle königliche Grablege beinhalten, sagte der renommierte US-Ägyptologe Ray Johnson zu »Nature«. Es könnte sich auch um reine Lagerräume handeln. Und wenngleich die Mumie von Nofretete gefunden würde, könnte sie in einem schlechten Zustand sein. Auch Schätze erwartet kaum jemand, da die Beigaben von Nofretete wahrscheinlich entfernt worden wären, um sie im Grab ihres Stiefsohns wiederzuverwenden.

Ägyptologe Eldamaty und seine Kollegen wollen nun von der Oberfläche aus kleine Löcher in die Richtung bohren, wo sie eine der versteckten Kammern vermuten. Die Forscher testen bereits ferngesteuerte Miniroboter, ausgestattet mit Rundumkameras, die durch die Bohrlöcher passen und endlich aufdecken könnten, was sich hinter den Grabwänden verbirgt.

Noch fehlt die Genehmigung des Obersten Rats für Altertümer. Liegt die vor, könnten die Arbeiten laut den Forschern schon im November beginnen.

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koe