SpOn 21.01.2026
13:59 Uhr

Adipositas und Zuckersteuer: Leopoldina empfiehlt Besteuerung von Zucker


»In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie«: Die Leopoldina zeigt sich besorgt über Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen. Helfen könnte ein Schritt nach britischem Vorbild.

Adipositas und Zuckersteuer: Leopoldina empfiehlt Besteuerung von Zucker

Deutschland benötigt nach Ansicht der Leopoldina eine breit gefächerte Strategie gegen Adipositas in der Bevölkerung. Die Nationale Akademie der Wissenschaften in Halle empfiehlt deshalb in einer Stellungnahme  unter anderem die Besteuerung von stark zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln und Getränken in Deutschland.

Abgaben auf zuckergesüßte Getränke  hätten in anderen Ländern wie Großbritannien deren Konsum nachweislich reduziert. Auch in Deutschland sei mit positiven Effekten auf die Bevölkerungsgesundheit und weniger krankheitsbedingten Versorgungskosten zu rechnen, heißt es weiter.

Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien gegen Adipositas sei fraglich, so die Leopoldina. Trotz zahlreicher Präventionsbemühungen gehe die Erkrankungshäufigkeit nicht zurück. Im Gegenteil: »In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie.« Fast jedes sechste Kind im Alter von drei bis 17 Jahren hat demnach Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas). Bei den Erwachsenen sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, etwa ein Viertel der Erwachsenen hat starkes Übergewicht.

Leopoldina: Folgeerkrankungen kosten 113 Milliarden Euro jährlich

Starkes Übergewicht könne nicht nur Folgeerkrankungen, etwa Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nach sich ziehen, sondern verursache auch hohe gesellschaftliche Kosten, heißt es in dem Politikpapier zudem. Nach Schätzungen der Autoren liegen diese bei etwa 113 Milliarden Euro im Jahr, was zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Nötig sei eine Kombination von Prävention und Therapien, hieß es von der Leopoldina. Zentral ist den Akademie-Experten zufolge, dass die Prävention früh ansetzt – in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes. »Ungesunde Verhaltensmuster sollten regulatorisch eingedämmt werden«, heißt es in der Empfehlung weiter. Die Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte solle gesenkt werden. Werbung für ungesunde Lebensmittel müsse eingeschränkt werden, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richte, deren Konsumverhalten stark von Werbung beeinflusst werde.

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Auf der anderen Seite sollten neue Therapieansätze, etwa die Abnehmspritze, für alle Kassenpatienten leichter zugänglich sein. Derzeit übernehme die gesetzliche Krankenversicherung diese Medikamente nicht. Dabei zeigten wissenschaftliche Studien gute Langzeitergebnisse. Verhaltenstherapien, psychologische Betreuung und unter Umständen auch operative Eingriffe wie eine Magenverkleinerung sollten individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 sprechen Fachleute von Adipositas. Diese kann zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes oder Krebs führen.

Übergewicht ist weltweit ein Problem. Wie gehen Länder damit um? Einige verhängen Fast-Food-Verbote, andere setzen auf Aufklärung. Und auch eine Fettsteuer wurde schon erhoben. Lesen Sie hier  mehr dazu.

sol/dpa/KNA