SpOn 05.03.2026
10:20 Uhr

Abnehmspritze: Nach einem Jahr sind 60 Prozent der Kilos oft wieder drauf


Sie können helfen, Gewicht zu verlieren, doch wer Präparate wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro weglässt, nimmt schnell wieder zu. Nur ein Viertel des Gewichtsverlusts könnte womöglich langfristig bleiben.

Abnehmspritze: Nach einem Jahr sind 60 Prozent der Kilos oft wieder drauf

Sie dämpfen den Appetit und verlangsamen die Verdauung: Abnehmspritzen können helfen, Gewicht zu verlieren. Doch nach dem Absetzen nehmen Patientinnen und Patienten schnell wieder zu. Ein Jahr nach Therapiestopp sind durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf, berichtet ein Forschungsteam in der Fachzeitschrift »EClinicalMedicine« . Nur ein Viertel des Gewichtsverlusts könnte womöglich längerfristig anhalten.

Das Team um Brajan Budini von der University of Cambridge hatte sechs Untersuchungen zu Medikamenten mit sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten einbezogen, insgesamt wurden Daten von 3236 Menschen mit Übergewicht ausgewertet. In drei der berücksichtigten Studien wurde der Wirkstoff Semaglutid getestet, der in den Präparaten Ozempic und Wegovy enthalten ist.

Ozempic ist in Deutschland gegen Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy gegen Adipositas. In zwei Studien kam der Mounjaro-Wirkstoff Tirzepatid und in einer der Wirkstoff Liraglutid zum Einsatz.

Schluss bei 75 Prozent?

Patienten, die solche Präparate absetzen, legen demnach zunächst schnell und dann immer langsamer wieder an Gewicht zu. Geht das so weiter, könnte die Gewichtszunahme bei 75 Prozent der ursprünglichen Gewichtsabnahme aufhören – allerdings nur nach einer theoretischen Berechnung. Reale Langfristwerte gibt es bisher nicht, dafür sind die Abnehmspritzen noch nicht lange genug verfügbar.

Die Wirkstoffe der Abnehmspritzen ähneln natürlich vorkommenden Hormonen. Anders als die natürlichen Hormone, die in wenigen Minuten abgebaut sind, wirken die Medikamente tagelang.

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Laut ersten Untersuchungen könnten die Wirkstoffe womöglich auch bei der Suchttherapie helfen. In einer aktuellen Studie  mit Diabetespatienten in den USA sank das Risiko für Suchterkrankungen in Zusammenhang mit Nikotin, Cannabis, Alkohol oder Kokain bei denjenigen, die mit GLP-1-Medikamenten behandelt wurden.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Abnehmspritzen gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall. Die Beschwerden treten statistisch bei mindestens 10 von 100 Nutzerinnen und Nutzern auf. In seltenen Fällen entzündet sich die Bauchspeicheldrüse, was schmerzhaft ist und häufig im Krankenhaus behandelt werden muss. In einer Studie waren 0,2 Prozent der Wegovy-Nutzer betroffen und 0,1 Prozent jener Probanden, die ein Placebo erhalten hatten statt des Wirkstoffs aus der Abnehmspritze.

Studien zeigen, dass etwa die Hälfte derjenigen, die eine Therapie mit Abnehmspritzen beginnen, diese vorzeitig beenden – obwohl die Therapie theoretisch wohl lebenslang fortgesetzt werden müsste, um den Erfolg zu bewahren. »Die Behandlung wird häufig aufgrund von Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, finanziellen Schwierigkeiten und eingeschränktem Zugang durch Krankenversicherungen oder Verschreibungsrichtlinien abgebrochen«, schreiben Budini und Kollegen.

Längerfristig niedrigere Dosis?

In Deutschland kostet die Behandlung mit Abnehmspritzen zur reinen Gewichtsreduktion einige Hundert Euro pro Monat. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel nicht.

Das durchschnittliche Ausgangsgewicht lag in den für die aktuelle Analyse berücksichtigten Studien bei 104 bis 112 Kilogramm. Mit Semaglutid nahmen die Versuchsteilnehmer durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent ab, mit Tirzepatid 15 bis 23 Prozent, allerdings über einen erheblich längeren Zeitraum (mehr als drei Jahre).

Das Forschungsteam verweist zudem auf aktuelle, noch laufende Studien, in denen Patienten die Dosis individuell reduzierten, nachdem sie ihr Zielgewicht erreicht hatten. Die geringere Dosis könnte nach ersten Erkenntnissen reichen, um das Gewicht zu halten. »Diese Strategie kann die Langzeitverträglichkeit verbessern, jedoch ist es unter Umständen nicht möglich, die Behandlung vollständig abzubrechen«, hieß es.

Nach einer Untersuchung des Beijing University People’s Hospital in Peking nehmen Patienten umso stärker wieder zu, je höher ihr Gewichtsverlust gewesen ist – selbst wenn sie an Programmen teilnehmen, um ihren Lebensstil zu verändern, etwa das Ess- und Bewegungsverhalten. Ähnliches erleben etwa Menschen, die eine stark kalorienreduzierte Diät einhalten – auch sie nehmen nach deren Ende stärker wieder zu als Menschen, die ihre Kalorienzufuhr nur moderat einschränken.

Abnehmspritzen sind in Deutschland seit fast drei Jahren verfügbar. Lesen Sie hier den Erfahrungsbericht einer Nutzerin.

koe/dpa