SpOn 29.11.2025
14:47 Uhr

300.000 Kitaplätze fehlen: Wo in Deutschland am meisten gebraucht würden


Hunderttausende Eltern hierzulande können ihr Kind nicht in Betreuung geben, weil es nicht genug Kitaplätze gibt. Wie knapp das Angebot ist, hängt jedoch vom Wohnort ab.

300.000 Kitaplätze fehlen: Wo in Deutschland am meisten gebraucht würden

Rund 300.000 Kinder unter drei Jahren können derzeit in Deutschland nicht in einer Kita betreut werden, weil es keine Plätze für sie gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Damit haben 14,2 Prozent der unter Dreijährigen mit Betreuungsbedarf keinen Platz. Besonders im Westen bleibe die Lage laut der Erhebung »angespannt«.

Der Studie zufolge wünschen sich Eltern für insgesamt 1,1 Millionen Kinder dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz. Rund 800.000 Kinder wurden in einer Einrichtung betreut.

Wie die Daten erhoben wurden

In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts ist eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen von Eltern eingeflossen. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern.

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Die Zahlen schwanken über die Jahre. Die meisten Kinder waren laut der Erhebung 2023 in institutioneller Betreuung, nämlich 857.000 Mädchen und Jungen. Bis heute sank die Zahl um 56.000. Als Hauptgrund nennt das Institut stark gesunkene Kinderzahlen.

Im Westen fehlen deutlich mehr Plätze als im Osten

Wie groß der Mangel ist, hängt vom Wohnort ab. In Ostdeutschland haben laut Studie 7,3 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz – im Westen sind es mit 15,6 Prozent fast doppelt so viele.

  • In Nordrhein-Westfalen fehlen laut der Untersuchung zum Beispiel 85.000 Plätze. Damit gehen im bevölkerungsreichsten Bundesland 18 Prozent der Kinder, für die es Bedarf gibt, leer aus.

  • In den Ländern mit den anteilsmäßig größten Lücken, Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, fehlen Kitaplätze laut der Studie für jeweils knapp 19 Prozent der Kinder.

  • In der Hauptstadt Berlin schrumpfte die Lücke innerhalb von fünf Jahren um fast vier Prozentpunkte auf 10,6 Prozent.

Die Lückenliste von A bis Z

Für wie viel Prozent aller Kinder unter drei mit Betreuungsbedarf fehlt in den einzelnen Ländern also ein Betreuungsplatz? Das zeigt diese Liste der Betreuungslücken (alphabetisch):

  • in Baden-Württemberg sind es 13,6 Prozent,

  • in Bayern 12,8 Prozent,

  • in Berlin 10,6 Prozent,

  • in Brandenburg 6,1 Prozent,

  • in Bremen 18,9 Prozent,

  • in Hamburg 8,9 Prozent,

  • in Hessen 16,8 Prozent,

  • in Mecklenburg-Vorpommern 4 Prozent,

  • in Niedersachsen 16,3 Prozent,

  • in NRW 18 Prozent,

  • in Rheinland-Pfalz 18,7 Prozent,

  • in Saarland 18,5 Prozent,

  • in Sachsen 6,3 Prozent,

  • in Sachsen-Anhalt 4,3 Prozent,

  • in Schleswig-Holstein 13,4 Prozent

  • und in Thüringen 8,2 Prozent.

Ins Verhältnis gesetzt, hat das IW hierbei die Zahl der Eltern, die nach eigenen Angaben Betreuungsbedarf haben, mit der Zahl der betreuten Kinder.

Im Osten wird ein Kitaplatzabbau prognostiziert

Das Institut macht darauf aufmerksam, dass im Osten immer weniger Kinder unter drei Jahren leben. »Hier ist die Zahl der unter Dreijährigen seit 2019 mit einem Rückgang um fast 20 Prozent regelrecht eingebrochen«, schreibt das IW. Das habe auch zu einem starken Rückgang des Bedarfs für Kitaplätze geführt, wenn sich rechnerisch im Osten auch immer noch eine Lücke von 25.000 Plätzen ergibt.

IW-Experte Wido Geis-Thöne prognostizierte, dass in den Ostländern wohl künftig Kitaplätze abgebaut würden. Ein Rückbau der Kapazitäten scheine »unausweichlich«, so die Studie. Die Forscher mahnen, die Gebäude und Orte so zu erhalten, dass sie in Zukunft bei Bedarf wieder in Betreuungseinrichtungen umgewandelt werden können. Eignen könne sich dafür eine Nutzung als Jugendtreffs oder Vereinsheime.

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Der Bildungsökonom forderte Anstrengungen für gute Kita-Qualität. Heute seien vor allem in Ostdeutschland die Gruppen oft zu groß. Generell gilt laut Geis-Thöne: »Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg.«

Vergangenes Jahr fehlte es laut der IW-Vorgängerstudie an 306.000 Kitaplätzen für Kinder unter drei; für 13,6 Prozent der Kinder mit Bedarf gab es keinen Platz. Insgesamt schreite der Ausbau von Betreuungsplätzen in Deutschland »derzeit kaum voran«, hieß es damals. Auch diesmal forderte das IW, die Politik müsse vor allem im Westen den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur weiter vorantreiben.

mkh/dpa