Szene des Spiels: Da muss man nicht lange suchen. In der 67. Minute war es so weit: Der »vielleicht größte Star, den die 2. Liga je hatte« (Sky-Kommentator Hannes Herrman), betrat den Rasen der Schalker Arena. Edin Džeko wird im März 40, aber angesichts der überschäumenden Öffentlichkeit in den Vortagen konnte man den Eindruck haben: Hier erscheint ein junger Fußballgott. 371 Tore hat Džeko in Europas Topligen erzielt, er ist deutscher, englischer und italienischer Meister geworden. Damit ihm der Unterschied zu den Niederungen der 2. Liga nicht so auffällt, feierte er seine Premiere vor ausverkauftem Haus gegen den 1. FC Kaiserslautern. Beide Vereine haben gemeinsam 37 Bundesligajahre absolviert, sie haben Meistertitel und Pokalsiege gefeiert. Ein würdiger Rahmen.
Ergebnis des Spiels: Zweitliga-Tabellenführer Schalke 04 und der Verfolger 1. FC Kaiserslautern trennen sich 2:2 (0:0). Edin Džeko hat sofort sein Tor gemacht. Mehr kann man als Kassenpatient nicht verlangen.
Der neue Kracher im Schalke-Shop: Das Trikot mit der 10
Foto: Rolf Vennenbernd / dpaHype des Spiels: Der übertragende Sender Sky meldete sich schon weit vor dem Spiel aus der Schalke-Kabine. Reporter Dirk große Schlarmann nahm die Schienbeinschoner am Umkleideplatz des fast 40-jährigen Bosniers unter die Lupe, informierte, wer neben ihm in der Umkleide sitzt. Ehrfürchtigste Stimmung im deutschen Fußball seit dem damaligen Moment, als ZDF-Heißdüse Rolf Töpperwien nach dem Europapokal-Triumph von Werder Bremen 1992 verkündete: »Otto Rehhagel betritt in diesem Moment deutschen Boden.«
Die erste Halbzeit: Džeko konnte sich diese erste Hälfte mit völlig zufriedener Miene anschauen. Mit der Gewissheit: Okay, die brauchen mich wirklich. Und zwar dringend. Schalke mit seinen bisher 22 Saisontoren war offensiv wieder mal komplett harmlos, nur Fortuna Düsseldorf hat in der Liga noch seltener getroffen. Die Lauterer Konter hingegen wirkten weit gefährlicher. Heraus kam aber auch nichts. Logisch: 0:0.
Die zweite Halbzeit: Nach 60 Minuten die endlich ersehnte Einwechslung: Der Stürmerstar kam aufs Feld und traf zehn Sekunden später zum 1:0. Die Rede ist allerdings nicht von Edin Džeko, sondern von Lauterns Top-Angreifer Ivan Prtajin. Ein kalter Eimer Eiswasser auf die Schalker Euphorie. Sieben Minuten später war es dann auch für Džeko so weit. Aber die schöne Geschichte: Er kam, sah und siegte, konnte er zunächst nicht erzählen. Das Momentum gehörte vielmehr Ivan Prtajin, der in der 84. Minute die mitgereisten 6500 Pfälzer Fans bei einem mustergültigen Konter ausflippen ließ. Elftes Saisontor für den Kroaten. Das wollte der Bosnier dann doch nicht so stehen lassen: 87. Minute: Erste Strafraumaktion Džeko, erstes Tor. Der perfekte Dzoker. Lautern wackelte, Lautern stolperte. Kenan Karaman erzielte in der 90. Minute den Ausgleich.
Rekord des Spiels: Erstes Spiel und schon Rekordhalter. Džeko ist jetzt der älteste Torschütze in der Geschichte der 2. Liga. Abgelöst hat er damit eine andere Fußballlegende: Helmut Haller. Die alte Bestmarke stammte aus dem Jahr 1979.
Erst einmal die Schalker Bank antesten. So oft wird er dort nicht sitzen.
Foto: Bernd Thissen / dpaSpieler des Spiels: Bei all dem Dzeko-Hype vergisst man ja völlig, dass Königsblau mit Amin Younes einen leibhaftigen Confedcup-Sieger in den eigenen Reihen hat – und dazu auch noch den Teilnehmer eines Champions-League-Finals: Loris Karius ist in dieser Spielzeit allerdings weit mehr als einer, der seinen Namen aus der Vergangenheit spazieren führt. Zehn Mal blieb der Torwart in dieser Spielzeit bereits ohne Gegentor, in der ersten Halbzeit rettete er artistisch gegen zwei Lauterer. Bei den Gegentreffern war er chancenlos. Bis jetzt war Karius der Star in diesem Team. Das hat sich natürlich geändert.
Duell des Spiels: Zuletzt war Džeko bei Florenz unter Vertrag, der Stadt mit den Uffizien, mit Michelangelos David, mit dem weltberühmten Dom, mit der Basilika Sa Croce, mit der Ponte Vecchio. La grande Bellezza. Ab jetzt Gelsenkirchen: Shopping in der Hochstraße in Buer und Joggen im Nordsternpark. Džeko wird diese Umstellung nicht schwerfallen. Er war schon in Wolfsburg.
Zunächst jubelten die Lauterer
Foto: Bernd Thissen / dpaRomantik des Spiels: Als Edin Džeko mit dem VfL Wolfsburg 2009 Meister wurde, spielte der junge Manuel Neuer im Schalker Tor. Zum Team gehörten solche Perlen wie Heiko Westermann, Benedikt Höwedes, Kevin Kuranyi, Rafinha, Jermaine Jones, Ivan Rakitić, Jefferson Farfan. Schalke 04 hat sich seitdem mehr verändert als Edin Džeko.
Statistik des Spiels: 93 Mal sind diese beiden Traditionsklubs schon aufeinandergetroffen, beide leben von der Vergangenheit. 34-mal gewann Schalke, 34-mal Lautern. Eigentlich war klar, dass diese Partie Remis enden musste.
Zahl des Spiels: Džeko hat die Nummer zehn bei Königsblau erhalten. Die Nummer von Olaf Thon. So professoral daherzureden wie das königsblaue Idol muss er noch lernen. Aber bei seiner ersten Pressekonferenz in Gelsenkirchen hat der Bosnier gleich mit »Glückauf« gegrüßt. Das ist ein Anfang. Als nächstes wird das Steigerlied auswendig gelernt.
Zitat des Spiels: »Einer, der die Brust rausstreckt, den Arsch rausstreckt, so einer hat uns gefehlt.« Schalkes Trainer Miron Muslic formuliert die Erwartungshaltung an seinen neuen Star.
Erkenntnis des Spiels: Es hat sich jetzt schon gelohnt.
