Bei uns liegen in der Küche Dinge, die man sonst woanders vermutet: ein Set mit Nagelschere und Pinzette, Spachtel aus dem Maurerbedarf und Pinsel in vielen Größen. Skalpelle und Spritzen haben ebenfalls ihren festen Platz.
Diese Werkzeuge brauche ich, um Torten zu dekorieren. Dazu benutze ich hauptsächlich Fondant. Die Masse sieht aus wie Knete, besteht aber aus Zucker und ist essbar. Daraus forme ich Bäume, Blätter, Figuren oder ganze Landschaften. Neulich habe ich eine rot-weiße Popcorn-Schachtel modelliert, nur einen Zentimeter lang. Ich habe sie mit winzigem Popcorn gefüllt, jedes Körnchen hatte nur rund einen Millimeter Durchmesser. Es hat viele Stunden gedauert, bis alles perfekt war.
So entsteht eine winterliche Sachertorte
Meine Torten reiche ich oft bei Wettbewerben auf Kuchenmessen ein. Dort treffen sich Profis aus der Branche, es gibt Stände mit den neuesten Werkzeugen, Workshops und Wettbewerbe in verschiedenen Kategorien und Altersgruppen. Als ich das erste Mal dort war, war ich sieben Jahre alt und habe eine Bauernhoftorte mitgebracht: Orangenkuchen, verziert mit einem kleinen Traktor, Tieren und einem Häuschen samt Beet mit Mini-Karotten. Ich dachte, die Jury bewertet den Geschmack. Vor Ort habe ich gelernt: Entscheidend sind Dekoration und Technik. Das Aussehen zählt, nicht der Geschmack.
Deshalb verwende ich heute meist einen Kuchen aus Styropor. Essen kann man ihn nicht, aber er ist aufwendig verziert. Die Dekorationen fertigt man zu Hause und dokumentiert seine Arbeit mit Notizen und teilweise mit Fotos, aber ohne Namen. Die Jury besichtigt die abgegebenen Teile und vergibt Punkte. Seit meinem achten Lebensjahr habe ich bei allen österreichischen Wettbewerben in meiner Altersklasse gewonnen, an denen ich teilgenommen habe.
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Für eine Wettbewerbstorte brauche ich etwa 100 Stunden. Am Wochenende arbeite ich oft nachts, manchmal bis vier Uhr morgens. Die schmutzigen Schüsseln und Töpfe lasse ich stehen. Meine Mutter putzt dann hinter mir her. Das klingt vielleicht seltsam, aber es hilft enorm. Müsste ich alles selbst sauber machen, würde es doppelt so lange dauern.
Sechs Wochen vor einer Messe beginne ich mit der Planung. Ich zeichne ein Bild der Torte und markiere mit Pfeilen die einzelnen Elemente. Daneben notiere ich die Techniken. Die Jury bewertet, ob ich viele verschiedene Methoden beherrsche und bei meiner Torte anwende: mit Modellierschokolade arbeiten, Fondant formen oder flambieren, also mit einem Brenner kurz erhitzen. Ich kann auch Zucker ziehen: Er wird erhitzt, bis er dickflüssig ist, und auf eine Matte gegossen. Dann zieht man ihn mit Handschuhen zu Schnüren oder Figuren.
Kürzlich habe ich eine Halloweentorte gemacht, bei der ich alle diese Techniken angewandt habe. Sie stellt einen Friedhof dar, mit Gräbern und einem großen Kürbis obenauf. An dem Kürbis habe ich acht Stunden gearbeitet. Er ist aus Fondant und wurde leicht flambiert. Dadurch bekommt er dunkle Stellen und wirkt echter. Oben wachsen Zuckerranken. Ich habe sechs oder sieben Kürbisse geformt. Erst war das Material zu heiß, dann ist er heruntergefallen. Beim nächsten Mal ist er auseinandergebrochen, danach wurde er zu dünn. Ein weiteres Mal war er zu groß, und die beiden Hälften passten nicht zusammen. Schließlich hat es geklappt.
Süß oder Saures? In diesem Fall: Definitiv süß!
Foto: PrivatDie ganze Deko aus Fondant und Zucker auf dem Styroporteil kann man theoretisch essen, sie ist aber sehr süß. Zu Hause backe ich auch richtige Kuchen. Angefangen habe ich mit Mini-Muffins. Damals war ich zwei Jahre alt und stand mit meiner Mutter in der Küche. Das fand ich toll. Ich wollte jeden Tag backen: Gugelhupf, Kekse, Vanillekipferl. Meine Mutter hat mir alles beigebracht, obwohl sie es selbst nicht konnte. Sie hat Rezepte gelesen und sie für mich auf Papier gemalt: eine Schüssel in der Mitte, daneben zwei Eier, Butter und Mehl mit Mengenangaben.
Später habe ich meine Mutter gefragt, ob wir in Wien große Plakate mit meinen Torten und ihrer Telefonnummer aufhängen könnten. Ich habe mir vorgestellt, dass Leute anrufen und Bestellungen aufgeben. Sie hat mir erklärt, dass das mit den Plakaten nicht so geht, wie ich mir das vorstelle, und mir stattdessen eine Website gebaut. Danach kamen Facebook und Instagram dazu – und echte Bestellungen für Geburtstage oder Hochzeiten. Für die verlange ich kein Geld, die Leute spenden aber etwas für die Zutaten. Jede Woche haben wir einen Plan mit Schule, Lernen und Aufträgen gemacht.
Mittlerweile habe ich knapp 100 Backformen, sechs Küchenschubladen voller Material und zwei Küchenmaschinen. Im Keller stehen große Kästen, etwa zwei Meter hoch gestapelt. Meine Mutter sagt, unsere Ausstattung sei so viel wert wie ein kleines Auto. Zutaten wie Fondant kaufen wir in Kübeln von acht Kilogramm für rund 60 Euro. Auch Wettbewerbe kosten, Anfahrt und Hotel sind teuer. Das finanziert vor allem meine Mutter. Sie ist stolz auf meine Leidenschaft. Andere Eltern bezahlen ihren Kindern Nachhilfe oder Fußball. Sie hat die Backstube ermöglicht, weil sie wusste, wie wichtig mir mein Hobby ist.
Ich mochte Schule und Stillsitzen nie besonders und arbeite lieber mit den Händen. Deshalb habe ich mich vor einem Jahr bei einer bekannten Wiener Konditorei beworben. Ich wollte sichergehen, dass ich wirklich einen Platz bekomme. Ich habe Fotos meiner Torten und meine Auszeichnungen beigelegt und angeboten, eine Woche auf Probe zu arbeiten. Das habe ich auch getan. Deshalb bin ich nach der neunten Klasse von der Schule abgegangen und mache nun seit einigen Wochen eine Lehre als Konditor.
Gerade lerne ich, mit dem Stanitzel zu arbeiten. Das ist eine spitz zusammengedrehte Tüte, die etwa flüssige Schokolade enthält. Mit ihr kann man in Schnörkelschrift auf Kuchen »Herzlichen Glückwunsch« oder so etwas schreiben. Ich liebe es, in der Backstube zu sein, und ich will noch viel mehr lernen. Um jeden Morgen rechtzeitig da zu sein, stelle ich meinen Wecker auf fünf Uhr. Anders als für die Schule fällt mir das frühe Aufstehen für die Ausbildung leicht.
Liebe Eltern,
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