SpOn 12.05.2026
06:01 Uhr

(+) »Unconditional«: Ist diese Serie aus Israel noch Unterhaltung oder schon Politik?


(+) »Unconditional«: Ist diese Serie aus Israel noch Unterhaltung oder schon Politik?

Das Kind sitzt in einem russischen Horrorknast, die Politik zeigt sich unbeeindruckt. In einer Folge der israelischen Serie »Unconditional« ringt eine Mutter um das Leben ihrer Tochter, die wegen angeblichen Drogenhandels in Moskau einsitzt. Vor TV-Kameras und Journalistenmikros fordert die Mutter unermüdlich, alle diplomatischen und geheimdienstlichen Mittel für die Befreiung ihres Kindes einzusetzen.

Im Produktionsland Israel wird diese Folge niemand anschauen können, ohne sofort an die Kampagne »Bring Them Home« zu denken, mit der nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 Druck auf die Netanjahu-Regierung gemacht wurde, damit diese die nach Gaza verschleppten Geiseln zurückholt. Bringt sie nach Hause – das ist auch der Imperativ, mit dem sich die Mutter für die Rettung ihrer Tochter in einen vertrackten Verschwörungs-Plot begibt, in dem russische Gangster ein ebenso undurchsichtiges Spiel treiben wie israelische Geheimdienste.

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Angesichts solcher Handlungen stellt sich die Frage, wie man in Israel Spannungsfernsehen herstellen kann, ohne immer wieder mit den realen Konflikten der Gegenwart zu kollidieren. Zumal, wenn diese Konflikte nahezu unlösbar eskaliert sind, so wie jetzt in Nahost. Kann man pure Unterhaltung liefern, wenn das eigene Land im Krieg ist – oder wird da nicht jede Serie automatisch zum politischen Statement?

Es gibt wohl keine andere Fernsehnation, in der das Material für Thrillerserien derart konkret aus kollektiven traumatischen Erfahrungen abgeleitet wird wie in Israel. Und genau dadurch entsteht großes Serienfernsehen, an das ein Publikum weltweit anknüpfen kann. Das ist nur scheinbar paradox. Denn während derzeit Filme und Dokumentationen sehr direkt ideologisch in Stellung gebracht werden im Nahostkonflikt , gelang es den israelischen Serienmachern in der Vergangenheit oft, ihre brisanten nationalen Stoffe in universelle Erzählungen zu gießen .

Das fing vor 15 Jahren mit »Hatufim« an; in der Serie kehren entführte israelische Soldaten nach langer Gefangenschaft in einer palästinensischen Terroreinheit heim zu ihren Frauen und Kindern, von denen sie nun als Bedrohung wahrgenommen werden. Der Paranoiaplot wurde in den USA adaptiert und avancierte unter dem Titel »Homeland« zu einem der ersten globalen Hits der neuen Serienära. Es folgten Thriller-Meisterwerke wie »Fauda« oder zuletzt »Teheran«, bei denen die Angst vor palästinensischem Terror und der Schattenkrieg zwischen Israel und Iran mit verschlungenen Liebes- und Familiendramen gekoppelt wurden.

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