Man muss der gerade veröffentlichten, selbst für die Maßstäbe des Formats bestürzend prominenzverdünnten Besetzungsliste des diesjährigen »Sommerhaus der Stars« beinahe dankbar sein: Die personale Enttäuschung schärft den Blick für alternative Paare, die dort eine leichter nachvollziehbare Teilnahmeberechtigung hätten.
Ralf Schumacher und sein Verlobter Étienne Bousquet-Cassagne zum Beispiel, die bei Sky (wo Schumacher seit Jahren Formel-1-Rennen kommentiert) gerade in der vierteiligen Miniserie »Ralf & Étienne: Wir sagen Ja« ihre Hochzeitsvorbereitungen dokumentieren lassen. Zumindest einen der beiden würde man erkennen, ohne erst eine breit formulierte Senderbiografie studieren zu müssen. Was freilich auch daran liegt, dass man seit Schumachers Karriere als omnipräsente Werbefigur nicht mal mehr furchtlos den Kühlschrank öffnen kann, in der bangen Erwartung, der Ex-Rennfahrer würde darin zwischen einem angebrochenen Glas Kapern und einem erstaunlich langlebigen Stück Parmesan kauern und fragen, ob man wisse, wie viel das Auto noch wert sei, das man gar nicht besitzt.
Man kann »Ralf & Étienne: Wir sagen Ja« also durchaus als opulent bebilderte Bewerbungsmappe für künftige Reality-TV-Engagements betrachten, genug abfilmwürdiges Material liegt schon in Folge eins vor: »Mein Name ist Étienne und ich werde Ralf ʼeiraten«, stellt sich Bousquet-Cassagne vor, und man rückt ihn probeweise direkt mal in die Reihe verdienter Trash-TV- und Fast-Franzosen, hinter Rolfe von »Germany’s Next Topmodel« und Froonck, den Hochzeitsplaner.
Unverzichtbare Körperfragen werden angeschnitten
Das baldige Ehepaar verfügt über eine Villa in Saint-Tropez, in der ersten Folge besucht es Schumachers Sohn in Salzburg, der Trauzeuge werden soll, aber vielleicht am fraglichen Tag – Luft anhalten, Spannungsbogen! – doch stattdessen ein Autorennen fahren muss, und besprechen mit ihm noch offene Fragen zu den Hochzeitsanzügen und Eheringen. Schumacher senior wird dabei hartnäckig von einem pudeligen Hund umwuselt, süß.
Auch die für das Trash-Genre unverzichtbaren Körperfragen werden ebenfalls, tatsächlich im Wortsinn, angeschnitten: Bousquet-Cassagne, 36 Jahre alt, lässt kurz vor dem Hochzeitstermin noch ein Facelifting durchführen, dem Schumacher, 50, mit jener Mischung aus Fürsorge und Fassungslosigkeit beiwohnt, aus der Reality-TV traditionell seine stabilsten Fundamente gießt.
