SPIEGEL: Herr Favreau, zum Zeitpunkt unseres Interviews durften wir Ihren Film noch nicht sehen. Haben Sie Angst, ihn zu zeigen?
Favreau: Nein, im Gegenteil, ich freue mich darauf. Wenn es um »Star Wars« geht, wird immer sehr viel geheim gehalten, dabei ist dies genau die Art von Film, die man als Regisseur am liebsten gemeinsam mit dem Publikum sieht. Sosehr ich es genossen habe, an »The Mandalorian« als Serie zu arbeiten, habe ich diese Erfahrung – abgesehen von Premieren, Pressevorführungen oder Marketingvorführungen – noch nie gemacht.
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Jon Favreau, 1966 in Queens, New York, geboren, ist eine Schlüsselfigur, wenn es um den jüngsten Erfolg von Disney-, Marvel- und »Star Wars«-Filmen geht. Als Schauspieler war er in den Neunzigerjahren in schwarzhumorigen Komödien wie »Swingers« und »Very Bad Things« zu sehen, 2003 feierte er mit der Weihnachtsposse »Buddy – der Weihnachtself« einen ersten Erfolg als Regisseur. 2008 drehte er mit »Iron Man« den Film, der die Blockbuster-Serie der Marvel-Superhelden startete. Als »Happy Hogan« spielte er selbst mit und tauchte in der Rolle auch in späteren Marvel-Filmen auf. 2019 schuf er mit der Serie »The Mandalorian« Disneys ersten Streaminghit, auch seine Neuverfilmung des Disney-Klassikers »Der König der Löwen« war ein Erfolg. Als Teenager arbeitete er als Platzanweiser im Kino. Neben »Star Wars« zählt Favreau das Rollenspiel »Dungeons & Dragons« zu den größten Inspirationen für sein Storytelling. »Star Wars: The Mandalorian and Grogu« startet am 20. Mai in deutschen Kinos.
SPIEGEL: Es gibt die Befürchtung, dass Kino im Zeitalter von Streaming zunehmend an Bedeutung verliert. Ist Ihre größte Herausforderung, diese Verbindung zum Publikum wiederzufinden?
Favreau: Der Versuch ist wichtig, nicht nur für »Star Wars«. Mein ganzes Leben wurde von Filmen geprägt: Ich war zuerst Zuschauer, dann Platzanweiser im Kino, später Statist, Schauspieler, Autor, unabhängiger Filmemacher und bin jetzt endlich jemand, der diese großen Filme drehen darf. Das hat mich geprägt. Man lernt aus Filmen, sie sind ein Fenster zu anderen Kulturen, sie zeigen andere Epochen und führen in die Fantasiewelt von Geschichtenerzählern.
SPIEGEL: Heute gibt es kurze Clips auf TikTok oder YouTube.
Favreau: Solche Kurzformate sind unterhaltsam, aber ich weiß nicht, ob sie denselben intellektuellen Nährwert haben. Ich bin in einer Zeit des Fernsehens aufgewachsen und habe dort eine Menge alberner Formate gesehen. Aber daneben gab es immer auch das Kino.
