Es ist herrlich warm in Deutschland – aber in vielen Regionen kommt die Sonne kaum durch und scheint milchig eingetrübt. Eine Wolke mit Millionen Staubpartikeln schiebt sich in diesen Tagen über Europa. Sie stammt aus der nördlichen Sahara, wo bodennahe Winde den Staub aufgewirbelt haben. Höhenwinde tragen ihn nun nach Europa.
Meteorologen erwarten die höchsten Konzentrationen bis zum Sonntag, wenn die Wolke von Südwesten her über Deutschland zieht. Der Staub kann in einigen Regionen auch Auswirkungen auf die Gesundheit, auf Autofahrer oder die Stromproduktion haben.
Das müssen Sie zum Saharastaub wissen.
Wie entsteht Saharastaub eigentlich?
In der Sahara kann der Wind so stark wehen, dass er riesige Mengen Sand vom Boden aufwirbelt und hoch in die Luft trägt. Dort oben bleibt der Staub – je nach Wetterlage in zwei bis sieben, manchmal sogar in bis zu zehn Kilometer Höhe. In der dünnen Luft dort kann er laut Deutschem Wetterdienst (DWD) monatelang schweben, ohne herunterzufallen.
Dreht sich dann das Wetter günstig, reist der Staub mit dem Wind: In wenigen Tagen gelangt er von Nordafrika über Marokko und Frankreich bis nach Deutschland.
Ist Saharastaub gesundheitsschädlich?
Ja und nein. »Der Staub ist nicht toxisch«, sagt Andreas Walter, Meteorologe beim DWD. Er enthalte aber kleine Partikel, die in die Lunge eindringen können. »Man muss schon ein wenig aufpassen«, sagt Walter. Jogger oder andere Freiluftsportler sollten sich etwa »nicht allzu lange – also über mehrere Stunden« draußen anstrengen. Das könne insbesondere bei vorerkrankten Menschen zu Beschwerden in den Atemwegen führen.
Schilfhalme vor gelb verfärbtem Himmel in Baden-Württemberg: Doppelbelastung für Allergiker
Foto: Thomas Warnack / dpaWie gefährlich ist der Staub für Allergiker?
Allergien können sich durch den Saharastaub verstärken, da er die Schleimhäute reize und Pollen binde, warnt der Deutsche Allergie- und Asthmabund. Er verursache Symptome wie tränende Augen, Halskratzen und Atemwegsbeschwerden, hauptsächlich bei Asthmatikern. »Allergiker, die auf Pollen reagieren, können zusätzlich auch durch Pollen beeinträchtigt sein, die sich an Feinstaubpartikel anlagern und somit zu stärkeren Reaktionen führen können«, schreibt der Verband.
Welche Folgen hat der Staub für Autofahrer?
Der Saharastaub überzieht Autos mit einer feinen Staubschicht, die laut ADAC durch Sonneneinstrahlung einbrennen kann. Wer den Staub trocken abwischt oder mit Scheibenwischern entfernt, riskiert Kratzer, da die Sandpartikel wie Schmirgelpapier wirken.
Das Auto sollte daher zunächst mit Wasser abgespült und anschließend am besten in einer Waschanlage gereinigt werden. Zudem empfiehlt der ADAC, den Innenraumfilter zu überprüfen und gegebenenfalls zu wechseln – denn Saharastaub kann ihm schnell zusetzen, besonders wenn er schon länger in Gebrauch ist.
Saharastaub auf einem Auto: Wer trocken wischt, riskiert Kratzer
Foto: Leo F. Postl / blickwinkel / picture allianceWelche Folgen hat der Staub für die Energieversorgung?
Der Staub kann auch den Energiesektor beeinträchtigen, wie Wetterexperten betonen. Weil weniger Sonnenstrahlung am Boden ankommt, wird auch weniger Solarstrom produziert. Geschieht das großflächig, sinkt der Anteil von Solarstrom im Strommix.
Ist Saharastaub etwas Besonderes?
»Die gegenwärtige Lage bezüglich des Saharastaubs ist eigentlich nichts Außergewöhnliches«, sagt DWD-Meteorologe Walter. »Wir haben Saharastaub-Ereignisse in Deutschland an im Mittel 60 Tagen im Jahr, also doch eine ganze Menge.« Im Norden gebe es laut Walter nur ungefähr die Hälfte solcher Ereignisse. »Die stärksten Konzentrationen erreicht der Staub tatsächlich in Süddeutschland.«
