SpOn 16.05.2026
21:28 Uhr

(+) Verteilungsneid: »Was mein Nachbar schon hat, kann ich selbst nicht mehr ergattern«


Jüngere Menschen sehen das Leben häufiger als düsteres Nullsummenspiel, bei dem eine Seite verliert. Eine Harvard-Ökonomin hat das Phänomen erforscht, hier erklärt sie, warum es nicht nur Trump-Wähler und AfD-Fans betrifft.

(+) Verteilungsneid: »Was mein Nachbar schon hat, kann ich selbst nicht mehr ergattern«

Vor Wahlen stricken Parteien aller Couleur an Geschichten, von denen sie hoffen, sie kommen bei Wählern an: »Die Reichen zahlen alle zu wenig Steuern!«, tönt es dann häufig von ganz links. »Der Staat gibt zu viel Geld für Zuwanderer!«, schallt es hingegen von ganz rechts. Beiden Parolen gemein ist die dahinterstehende Logik des Verteilungskampfes. Dass solche Schlachtrufe immer häufiger auf fruchtbaren Boden fallen, ist kein Zufall, hat Stefanie Stantcheva herausgefunden. Die Harvard-Ökonomin ist in ihrer Forschung auf ein brisantes Phänomen gestoßen: Immer mehr Menschen denken in Kategorien eines Verteilungskampfes, Stantcheva nennt das »Nullsummen-Denken«. Betroffen davon sind Anhänger aller Parteien – und vor allen Dingen: jüngere Generationen.


SPIEGEL: Frau Stantcheva, die politische Debatte wird immer unversöhnlicher. Woran liegt das?

Stantcheva: Wenn wir uns die prägenden Narrative in vielen Medien anschauen, dann sehen wir: Alles wird als großes Gegeneinander dargestellt. Beim internationalen Handel gewinnt ein Land? Dann muss doch ein anderes verlieren. Frauen machen häufiger Karriere? Dann werden Männer sicher verdrängt. Einwanderern geht es wirtschaftlich besser? Bestimmt auf Kosten der Einheimischen.

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