SPIEGEL: Frau Becker, kann sich eine Scheidung finanziell lohnen?
Becker: Die meisten Menschen gehen die Ehe zwar aus finanziellen Gründen ein, aber die wenigsten lassen sich finanziell bedingt scheiden. Sie kündigen ja keinen Handyvertrag, sondern sie wickeln eine Beziehung zwischen Menschen ab.
SPIEGEL: Es soll sogar Partner geben, die sich irgendwann hassen.
Becker: Ich kenne Menschen, die ihren Ehepartnern nur noch KI-generierte Mails schicken. Auch für sie ist eine Scheidung in der Regel finanziell von Nachteil: Sie geben für die Eheschließung Tausende Euro aus. Und wenn sie die Beziehung auflösen, dann kostet es noch mal richtig viel Geld.
SPIEGEL: Am günstigsten wäre es, einfach verheiratet zu bleiben?
Becker: Wirtschaftlich betrachtet, ist das oft der richtige Rat. Zwei getrennte Haushalte kosten immer mehr als einer. Langjährig verheiratete Ehepaare haben oft auch ihre Altersvorsorge aufeinander bezogen aufgebaut.
SPIEGEL: Liebe vergeht, Hektar besteht.
Becker: An dem Spruch ist was dran. Wir romantisieren die Ehe zu sehr. Man kann zu Zweckehen stehen, wie man will. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass das etwa in royalen Familien durchaus üblich war.
SPIEGEL: Dazu raten Sie?
Becker: Nein, aber jeder Mensch hat seine eigene Sicht darauf, warum er eine Ehe eingeht und was er oder sie sich davon verspricht. Man sollte sich vorher damit auseinandersetzen. In einem Seminar haben wir sogar mal diskutiert, ob die Standesbeamten nicht Ehegespräche führen müssten, um den Menschen die Verpflichtungen und die Verantwortung vor Augen zu führen, die sie eingehen. Bei jedem Spielzeug sorgt der Staat für Verbraucherschutz, hält es aber nicht für nötig, den Menschen zu erklären, was das Institut der Ehe bedeutet.
SPIEGEL: Es ist ja auch im Interesse des Staates, dass die Menschen heiraten. Da werden Pflichten für einen Partner mit übernommen, die sonst der Staat erfüllen müsste.
Becker: Absolut, er spart dadurch sehr viel Geld: für Unterhaltspflichten, für Altersvorsorge, für Vermögensausgleich. Das belohnt er allerdings auch, zum Beispiel durch das Ehegattensplitting bei der Steuer.

