Der Papst wird wie ein Popstar begrüßt, als er den Festsaal der Universität La Sapienza betritt. »Viva il Papa«, rufen die Studierenden.
Und Leo XIV. bedankt sich mit einer einfühlsamen Rede. »Viele junge Menschen leiden, jeder macht schwierige Zeiten durch«, sagt der Papst Mitte Mai bei seinem Antrittsbesuch in der römischen Universität, die einer seiner Vorgänger 1307 gegründet hat. Dann spricht er über künstliche Intelligenz. Es herrsche ein verzerrtes System, das »Menschen zu Nummern macht«, sagt Leo. »Wir sind keine Algorithmen.« Die Studierenden stimmen begeistert Sprechchöre an: »Papa Leone, Papa Leone«.
Am Montag wird seine Rede zum Regierungsprogramm erwartet. Um 11.30 Uhr präsentiert der vor gut einem Jahr gewählte Pontifex im Vatikan sein erstes päpstliches Rundschreiben (»Enzyklika«). Es soll künstliche Intelligenz als zentrales Thema seiner noch jungen Amtszeit verankern.
Papst Leo XIV.
Bereits der Titel zeigt, was Leo vorhat: »Magnifica Humanitas«. Erhabene Menschheit, großartige Menschlichkeit soll das heißen. Robert Prevost, 70, kann rechnen, er weiß, wovon er spricht: Vor seiner Kirchenkarriere hat er ein Mathematikstudium absolviert. Jetzt will er den Menschen gegen die Maschine verteidigen. Künstliche Intelligenz solle »dem Allgemeinwohl dienen«, sagte er bereits im vergangenen Jahr, statt wenigen Reichtum und Macht zu bescheren.
Seine Enzyklika kommt zu einem kritischen Zeitpunkt in der Debatte über künstliche Intelligenz. Euphorie und Untergangsszenarien wechseln sich ab. Milliardenkonzerne und Staaten finden bisher keinen Weg, wie sie die heikle Technik in den Griff bekommen wollen. Kann ausgerechnet die Kirche helfen, mit ihrer 2000 Jahre alten, komplizierten Vergangenheit und ihren wissenschaftsfeindlichen Ausfällen zum Beispiel gegen Galileo Galilei, die Evolutions- oder Sexualtheorie?
Heilige Väter finden mit ihren Lehrschreiben oft nur ein frommes Publikum, etwa wenn sie über das »Sakrament der Eucharistie« sinnieren. Aber manchmal schreiben sie Geschichte.
Paolo Garonna ist Präsident der Vatikanstiftung Centesimus Annus und Wirtschaftsprofessor in Rom. Er schlägt einen historischen Bogen, um Robert Prevost als KI-Papst zu erklären.
Setzt Leo XIV. auf Kapitalismuskritik?
Da ist die Enzyklika Rerum Novarum, die Leo XIII. 1891 veröffentlichte. Der damalige Leo und sein Lehrschreiben sind große Vorbilder für Prevost. Ihretwegen wählte er seinen päpstlichen Namen. »Rerum Novarum hat die Soziallehre der katholischen Kirche begründet«, sagt Garonna.
