SpOn 25.05.2026
09:45 Uhr

(+) Miniatur-Wunderland-Gründer Gerrit und Frederik Braun: »Reichtum kann eine Provokation sein«


Mit dem Miniatur Wunderland erfanden die Brüder Frederik und Gerrit Braun eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes – und eine der erfolgreichsten. Wie sie in der kleinen Welt eine Lösung für die große finden wollen.

(+) Miniatur-Wunderland-Gründer Gerrit und Frederik Braun: »Reichtum kann eine Provokation sein«

Die Zwillingsbrüder Frederik und Gerrit Braun, 58, gründeten zu Beginn der Nullerjahre eine der heute beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Republik: das Miniatur Wunderland in der historischen Hamburger Speicherstadt. Im vergangenen Frühjahr feierten die Brauns den 25-millionsten Besucher des liebe- und fantasievoll gestalteten Modelleisenbahn-Areals, dieses Jahr wird das Wunderland 25 Jahre alt. Ihre Miniaturattraktionen, vom deutschen Musterstädtchen Knuffingen bis zum Formel-1-Grand-Prix in Monte Carlo, von den Favelas Rio de Janeiros bis zur technisch aufwendig animierten antarktischen Drake-Passage, zeigen die ehemaligen Discobetreiber inzwischen auch in TV-Dokus und einem Kinofilm. Wegen ihrer politischen Aussagen und Aktionen genießen die Brauns Sympathien in der linken Szene – und das, obwohl ihr Wunderland sie reich gemacht hat.

SPIEGEL: Herr Braun, Herr Braun, Ihr Miniaturwunderland soll ein Abbild der Realität sein. Was fehlt, um Minideutschland im Jahr 2026 so zu zeigen, wie es ist?

Frederik Braun: Vor zehn Jahren merkten wir zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmt. Die Modellautos waren veraltet, erneuerbare Energien fehlten, keine Figur hatte ein Handy in der Hand. Wir haben die deutschen Abschnitte der Anlage also modernisiert und vor drei Jahren ein großes Projekt gestartet, um die Erneuerbaren abzubilden. Satellitenschüsseln haben wir von den Dächern ab- und Solarzellen aufgebaut, außerdem Windparks errichtet. Die Mini-Elektroautos mussten wir selbst basteln, weil die Modellautohersteller sie noch nicht anboten. Eigentlich müssten wir an unserem Deutschland fortwährend arbeiten, weil sich das Vorbild so schnell modernisiert.

Gerrit Braun: Die anderen Länder, die wir bei uns nachbauen, verändern sich aber noch rasanter als Deutschland. In vielen Nachbarländern werden etwa wesentlich mehr Elektroautos verkauft als hierzulande. Auf dem Parkplatz vor unserem Flugplatz stehen rund 2000 Autos, fast alle Verbrenner, viele fast schon Youngtimer. Ältere Besucher freuen sich darüber, jüngere fragen: Was sind das für Karren? Wir müssen eine gute Balance finden. Einerseits träumerisch das Vergangene zeigen, andererseits aber auch die Gegenwart – und vielleicht sogar die Zukunft! Wir können hier Lösungen greifbar werden lassen für Dinge, die wir bislang nur als Problem wahrnehmen.

Frederik Braun: Wenn wir über Deutschland im Jahr 2026 reden, ist die gesellschaftliche Spaltung mein größtes Thema. Dieser Negativismus, unsere Unfähigkeit, unser Glück zu sehen. Gerrit sagt immer: Ich spiele kein Lotto, weil ich schon den Sechser mit Superzahl gezogen habe.

SPIEGEL: Womit?

Frederik Braun: In dieser Zeit in diese Stadt in diese Familie geboren worden zu sein.

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