Wenige Tage, nachdem Donald Trump ohne Not einen Krieg in Iran begonnen hatte, gab in Peking der chinesische Außenminister seine jährliche Pressekonferenz. Die Welt sei in Aufruhr, sagte Wang Yi. »Der internationale Einfluss unseres Landes nimmt stetig zu.«
Da blitzte es wieder auf. Das neue chinesische Überlegenheitsgefühl. Ein Geschenk von Donald Trump.
Rund neun Jahre ist es her, da kam der US-Präsident zuletzt auf Staatsbesuch nach Peking. Es war seine erste Amtszeit. Trump sprach davon, Amerika wieder großzumachen. Es hieß für ihn auch: China, den großen Rivalen, diese andere Supermacht mit wachsender militärischer Stärke, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, möglichst kleinzuhalten.
Alle rufen nach Pekings Hilfe als Vermittler
Am Donnerstag reist Trump erneut in die chinesische Hauptstadt, um Staats- und Parteichef Xi Jinping zu treffen. Derselbe Ort, dieselben Männer, dieselbe Choreografie. Aber die Hierarchie hat sich verändert. Amerika, um bei Trumps Worten zu bleiben, ist nun kleiner als zuvor, China dagegen größer, mächtiger. Der Kontrast war noch nie so krass wie jetzt.
Der US-Präsident wollte Peking einhegen, aber in Wirklichkeit hat er Chinas Aufstieg beschleunigt. Taktiktölpel trifft auf strategische Zurückhaltung. Am deutlichsten wird das im Irankrieg. Trump hat ihn zusammen mit Israel entfesselt, aber ohne Xi findet er aus ihm nicht mehr heraus.
China möge seinen Partner Teheran zu Friedensverhandlungen zwingen, heißt es aus Washington. Schon zuvor bat Trump China um Schiffe zur Sicherung der Straße von Hormus. Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, sie alle rufen nach Pekings Vermittlerhilfe .
Gut für China. Auch die Taiwanfrage könnte eines der großen Themen dieses Gipfels werden – für Xi ist es die Gelegenheit, Trumps Schwäche in ein Zugeständnis zu verwandeln, etwa dass die USA ihre Unterstützung für Taiwan einschränken. Das würde die gesamte Sicherheitsarchitektur Asiens erschüttern.
Ablenken von der Perspektivlosigkeit
Seit Jahren versucht die Kommunistische Partei, sich als verlässliche Macht darzustellen, im Gegenzug zu einem, wie sie nicht müde wird zu betonen, imperialistisch auftretenden Washington. Xi stellt China als Hüter der regelbasierten internationalen Ordnung dar, und er tut sich leicht damit. Ausgerechnet die USA, die diese Ordnung einst errichteten, sind dabei, sie selbst zu untergraben.
Die Welt ist ein gefährlicher Ort, erzählt die chinesische Staatspropaganda ihren Bürgern. Auch, um das Volk von der schwächelnden Wirtschaft im Land abzulenken, von schlechten Jobaussichten, von Perspektivlosigkeit, der hohen Staatsverschuldung. In China läuft bei Weitem nicht alles glänzend. Aber angesichts des Chaos in den USA war es nie leichter zu behaupten: Im Westen, mit all seinen Freiheitsversprechen, da geht es gerade noch mehr drunter und drüber.
Im Globalen Süden verfangen Chinas Rufe schon lange. Aber nun zerstreitet Trump sich auch mit Nato-Alliierten, stößt einst treue Verbündete in Europa so nachhaltig vor den Kopf, dass sie es sich kaum mehr leisten wollen, China zu konfrontieren.
Macron, Starmer, Carney, Merz, Sanchez – Xi Jinping muss nicht reisen, die Staats- und Regierungschefs der westlichen Welt kommen zu ihm. Weil sie sich die Frage stellen müssen: Wie verlässlich sind die USA?

