Im Spitzenfußball ist kein Platz für Sentimentales. Aber man darf sich trotzdem fragen, was dieses Gespräch Anfang der Woche mit Oliver Baumann gemacht hat. Was es noch machen wird und welchen Einfluss das alles auf eine ganze Mannschaft haben könnte.
Baumann, 35, bis vor ein paar Tagen die geplante Nummer eins der deutschen Nationalelf der Männer bei der Fußball-WM (ab 11. Juni), erhielt zu Wochenbeginn einen Anruf vom Bundestrainer. So wird es kolportiert. Julian Nagelsmann erklärte Baumann demnach, dass nicht er beim Turnier im Tor stehen werde, sondern der 40 Jahre alte, seit zwei Jahren aus dem DFB-Team zurückgetretene Manuel Neuer. Trotz aller andersartigen Bekundungen in den Monaten zuvor.
Ein herber Rückschlag für den Keeper, womöglich sogar eine menschliche Enttäuschung. Baumann soll sich trotzdem entschlossen haben, als Ersatzkraft zur WM zu fahren.
Andreas Bosch, Sportmentaltrainer aus Leipzig, der seit über zwölf Jahren mit Spitzenathleten und -athletinnen sowie Sportverbänden arbeitet, sieht in der Causa nicht nur die persönlichen Schwierigkeiten für Baumann, sondern auch einen Vorgang mit Fallstricken für das gesamte Team. »Die eigentliche Herausforderung für Julian Nagelsmann ist jetzt weniger die sportliche Entscheidung als der Umgang damit«, sagt Bosch.
