Ungefähr zwanzig Prozent der erwachsenen Frauen und Männer in Deutschland sind stark übergewichtig. Die Betroffenen haben oftmals gesundheitliche Probleme und fühlen sich vielfach nicht mehr wohl in ihrer Haut.
Angriffsziel Deutschland
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Um endlich Gewicht zu verlieren, lassen manche der betroffenen Menschen das Frühstück ausfallen. Bei anderen führen die Hektik am Morgen oder veränderte Arbeitszeiten dazu, dass sie in den Tag starten, ohne etwas zu essen. Doch ist das gut für sie?
Fachleute haben diesen Trend, das Skipping Breakfast, wissenschaftlich untersucht und festgestellt: Der Verzicht aufs Frühstück schadet der Gesundheit offenbar mehr, als er ihr nutzt.
Illustration: GOLDEN COSMOS / DER SPIEGEL
Wer erholsam schlafen will, muss vor Mitternacht ins Bett, Wasser darf man nur einmal aufkochen, und Backpulver vertreibt Ameisen. Zu alltäglichen Fragen kursieren zahlreiche Ratschläge. In der Serie »Nachgeforscht« überprüft der SPIEGEL, welche stimmen – und welche nicht.
Viele Stoffwechselprozesse sind morgens aktiver
Eine besonders umfassende Untersuchung legten Forschende vergangenen Dezember im Fachblatt »Frontiers in Cardiovascular Medicine« vor. Sie analysierten die Daten von mehr als zwei Millionen Menschen, die Auskunft zu ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem Gesundheitszustand gegeben hatten. Es zeigte sich: Diejenigen, die nach dem Aufstehen erst einmal gar nichts aßen, hatten ein höheres Risiko für Verkalkung der Herzkranzgefäße und Schlaganfall als Vergleichspersonen, die den Tag mit einem Frühstück begannen.
Dieser Studie lassen sich andere zur Seite stellen. Eine im vergangenen Oktober in der Fachzeitschrift »Nutrients« veröffentlichte Analyse ergab: Frühstücksmuffel haben oft erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. Und am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke haben Forschende das Phänomen an 31 Frauen untersucht, die übergewichtig oder adipös waren. Sie aßen zwei Wochen lang nur zwischen 8 und 16 Uhr und zwei Wochen lang nur zwischen 13 und 21 Uhr.
Vor und nach jeder Studienphase nahmen die Forschenden den Frauen Blut ab und untersuchten die darin enthaltenen Fette oder fettähnlichen Stoffe. Das Ergebnis: Bei jenen Frauen, die schon am Morgen die erste Mahlzeit zu sich nahmen, war die Konzentration von 103 Lipidarten gesunken. Darunter waren zwei Stoffgruppen, die bekanntermaßen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 steigern.
Wer das Frühstück auslässt, stört offenbar den natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus des Körpers. Der ist seit der Steinzeit darauf gepolt, schon früh am Tag die erste Nahrung aufzunehmen. Viele Stoffwechselprozesse sind morgens aktiver als abends.
