In Runde 30 war die Hatz plötzlich vorbei, George Russells Mercedes gab den Geist auf. Gejagt von seinem jungen Teamkollegen, der sich für den Briten immer mehr zu einem Ärgernis entwickelt, räuberte Russell mit seinem defekten Auto über das Gras und rollte aus. Zornig schleuderte er seinen Nackenschutz auf die Strecke und stieg aus.
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Der Wutausbruch hatte für Russell auch noch eine, wenn auch milde, Geldstrafe von 5000 Euro zur Folge. Die Rennkommissare werteten den Wurf seiner Kopfstütze als »unsichere Handlung«. Der 28-Jährige, der zwar extrem ehrgeizig, aber grundsätzlich auch auf ein höfliches Auftreten bedacht ist, bezeichnete sein Verhalten später als »peinlich«.
Menschlich nachvollziehbar war es allerdings, auch wenn das absichtliche Werfen von Gegenständen auf die Rennstrecke bei laufendem Betrieb in der Tat unprofessionell ist. Russell fährt seit 2022 für den Rennstall, hatte sich in den vergangenen Monaten immer weiter verbessert. Jetzt, da Mercedes nach der Regelumstellung das beste Auto gebaut hat, hätte es sein Jahr werden sollen.
Hätte. Denn momentan sieht es stark danach aus, als würde ihm sein gerade einmal 19 Jahre alter Teamkollege um die Ohren fahren. Kimi Antonelli, der Erbe Lewis Hamiltons bei Mercedes und der erste Teenager, der eine Formel-1-WM anführt, lässt in seiner erst zweiten Saison in der Königsklasse keinen Zweifel daran, dass er sich nicht hinter Russell einzureihen gedenkt.
»Die Blutdrucke gingen schon hoch«
Bereits im Sprintrennen von Montreal duellierten sich die beiden. Antonelli kam mehrmals von der Strecke ab und schimpfte hinterher derart am Boxenfunk, dass sich Teamchef Toto Wolff einschaltete und den Youngster zur Ruhe rief. Russell setzte sich durch. »Du kannst nicht erwarten, einen Löwen im Wagen zu haben und einen Welpen außerhalb«, beschwichtigte der Teamchef am Samstag.
Im Hauptrennen am Sonntag attackierte der Italiener weiter. Der Kampf um den Sieg wurde zum packenden Dauerduell der Mercedes-Rivalen mit mehreren Führungswechseln – und nicht ohne Risiko. In Runde sieben etwa zog Russell vor Antonelli, der beinahe voll aufs Heck des Teamkollegen gekracht wäre. Die Reifen qualmten und der Blutdruck bei den Teammitgliedern, so drückte es der stellvertretende Teamchef Bradley Lord beim Sender Sky aus, ging »schon hoch«.
Und er sollte noch eine Weile oben bleiben: Antonelli überholte, Russell konterte, Antonelli machte weiter Druck. In Runde 22 führte er das Rennen wieder an. Und verbremste sich kurz danach, attackierte aber direkt wieder und es sah so aus, als würden sich die beiden Wagen berühren. Taten sie nach Aussage von Russell aber nicht.
