Einsam rannte Leon Goretzka durch den für Ersatzspieler abgesteckten Bereich. Sein Blick huschte zu den Fußballern auf dem Platz und zur Trainerbank.
Bis zu dieser 85. Minute war er beim DFB-Pokalfinale seines FC Bayern München gegen den VfB Stuttgart (3:0) bloß Zuschauer, wie so oft. Immer dabei, aber selten entscheidend.
Dann kam von der Bank das Signal. Als Goretzka ein letztes Mal im Münchner Trikot das Feld betrat, erhoben sich im Berliner Olympiastadion Menschen und applaudierten.
Ein sehr schöner Abschluss mit Gänsehautmomenten sei dieser Abend gewesen, sagte Goretzka, nachdem er mit den Bayern den Pokal gewonnen hatte. Nach dem Abpfiff habe er sich einige Male zurückgezogen aus der Jubeltraube. »Ich wollte es einfach genießen, mir das angucken.«
2018 kam Goretzka ablösefrei aus Schalke, acht Jahre verbrachte er beim FC Bayern. 312 Pflichtspiele, Platz 33 in der Clubgeschichte, knapp vor Arjen Robben (309). 51 Tore, 53 Vorlagen, null Platzverweise. Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, siebenfacher Deutscher Meister, drei Pokalsiege, drei Supercups national, einer international. Eigentlich eine stolze Bilanz. Doch die Erwartungen an Goretzka waren sogar höher gewesen.
Es hätten noch mehr Spiele und Titel sein sollen. Vor allem war Goretzka gekommen, um den FC Bayern zu prägen wie vor ihm ein Bastian Schweinsteiger. Als man im Club irgendwann einsah, dass das nicht gelingen würde, versuchte man Goretzka und dessen üppiges Gehalt loszuwerden, doch Goretzka bestand darauf zu bleiben. Nun endet sein Vertrag, und Goretzka geht nicht als Legende, sondern leise.
Wie wird man sich beim FC Bayern an Leon Goretzka erinnern?
