Der Start ins Arbeitsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. In der Serie »Mein erstes Jahr im Job« erzählen Berufseinsteiger:innen, wie sie diese Zeit erlebt haben. Dieses Mal: Clara Schüppen, 23, arbeitet als Assistant Managerin bei KPMG in Berlin und ist seit April Wirtschaftsprüferin – die jüngste in Deutschland.
Alle bisherigen Folgen von »Mein erstes Jahr im Job« finden Sie auf unserer Serienseite. Sie haben Ihren Berufseinstieg selbst gerade hinter sich und möchten davon erzählen? Dann schreiben Sie uns an SPIEGEL-Start@spiegel.de .
»Als die Wirtschaftsprüferkammer auf LinkedIn bekannt machte , dass ich mit 23 Jahren die jüngste Wirtschaftsprüferin Deutschlands bin, haben mir sehr viele Menschen gratuliert. Natürlich freue ich mich darüber, und ich bin stolz. Zudem hoffe ich, dass ich damit Neugier für unseren Berufsstand wecken konnte.
Möglich wurde das auch, weil ich in der Schule abgekürzt habe. Mit 14 ging ich nach Belfast in Nordirland auf ein Internat. Ich merkte schnell: In manchen Fächern, etwa Mathe, war der Stoff nicht so schwer für mich. Deshalb wurde ich zwei Jahre hochgestuft und machte mit 16 meine A-Levels, die Hochschulreife. Danach war klar: Als Minderjährige konnte ich nicht allein reisen, also begann ich direkt mit dem Studium.
Einstieg in die Wirtschaftsprüfung
Ich studierte International Business in Maastricht. Eigentlich wollte ich während des Bachelors nach Shanghai, das klappte wegen der Coronapandemie nicht. 2021 machte ich meinen Abschluss. Den Master wollte ich wieder im Ausland machen, aber wegen der Pandemie war das weiterhin schwierig. Deswegen fing ich erst mal an zu arbeiten. So kam ich im September 2021 nach Berlin und fing bei einer der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in der klassischen Jahresabschlussprüfung an.
Parallel dazu begann ich einen zweijährigen Master an der Leuphana Universität Lüneburg: ›Audit Xcellence‹, ein auf Wirtschaftsprüfung zugeschnittenes Programm. Vor dem Wirtschaftsprüfungsexamen braucht man einige Jahre Berufserfahrung, der berufsbegleitende Master passte also perfekt in meinen Plan.
Mit meinem Master in der Tasche wechselte ich zu KPMG. Dort prüfe ich vor allem Nachhaltigkeitsberichte. Der Bereich hat mich interessiert, weil er noch relativ neu ist. In den Berichten stehen etwa Informationen zu Emissionskennzahlen oder zu Risiken in Lieferketten. Wenn ein Konzern zum Beispiel 20 Produktionsstandorte hat, müssen wir verstehen: Wie werden dort Energiedaten gesammelt? Sind alle Standorte erfasst? Welche Emissionsfaktoren wurden genutzt, um aus Energieverbräuchen CO₂-Emissionen zu berechnen?
Wir prüfen nicht nur ›grüne Zahlen‹, sondern schauen uns auch die Aussagen dazu an. Wenn jemand schreibt: ›Wir sind das grünste Unternehmen der Welt‹, kann ich das ohne Beleg nicht bestätigen. Entscheidend ist am Ende, dass sich Kunden, Mitarbeitende und Investoren auf die Angaben im Nachhaltigkeitsbericht verlassen können. Die Infos dürfen kein Greenwashing sein.
