SpOn 23.05.2026
19:19 Uhr

(+) China: Blogger berichtet, wie ein Überwachungstool ihn selbst erfasste


Der Blogger Marc Hofer entdeckte zuerst ein unbekanntes chinesisches Überwachungstool – und dann sein eigenes Passfoto darin. Hier berichtet er über die Fähigkeiten des Programms und darüber, wie es sich anfühlt, selbst zum Ziel zu werden.

(+) China: Blogger berichtet, wie ein Überwachungstool ihn selbst erfasste

SPIEGEL: Herr Hofer, Sie haben eine chinesische Polizeiplattform entdeckt, mit der Ausländer überwacht werden sollen. Was ist das für ein System?

Hofer: Der offizielle Titel lautet: »dynamische Kontrollplattform für ausländische Personen«. Das System stammt aus der Präfektur Zhangjiakou, die sich etwa 160 Kilometer nordwestlich von Peking befindet, dort fanden auch Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2022 statt. Es handelt sich dabei um eine Überwachungssoftware, mit der die Bewegung von Ausländern anhand behördlicher Daten, Kamerabildern und Bewegungsinformationen verfolgt werden kann. Ich konnte über einen längeren Zeitraum beobachten, dass die Software offenbar regelmäßig weiterentwickelt wird. Ich habe alle paar Tage nachgesehen, irgendwann tauchten plötzlich neue Menüpunkte und Funktionen auf, so kann man jetzt etwa die Beziehungen zwischen verschiedenen überwachten Personen abfragen und visualisieren.

SPIEGEL: Was können die Verantwortlichen ansonsten damit überwachen?

Hofer: Die Plattform führt Daten aus ganz verschiedenen Quellen zusammen: Etwa aus den in China sehr weitverbreiteten öffentlichen Überwachungskameras mit Gesichtserkennung, aber auch individuelle Reisedaten wie Hotelübernachtungen fließen ein. Das Ziel ist offenbar, möglichst genau zu erfassen, was Ausländer in Zhangjiakou tun: wo sie sich aktuell aufhalten, wohin sie gehen, mit wem sie sich treffen, wo sie wohnen, für wen sie arbeiten. Sogar Krankenhausaufenthalte, Einkäufe oder Tankvorgänge sind als Datenpunkte vorgesehen. Für die Überwacher ergibt sich ein minutiöses Bild.

SPIEGEL: Das klingt nach Orwell’scher Totalüberwachung. Wie sind Sie auf die Plattform gestoßen?

Hofer: Ich scanne für die Berichterstattung in meinem Blog NetAskari systematisch Teile des Internets, die nicht über Suchmaschinen auffindbar, aber frei über das Netz erreichbar sind. Ich suche dabei nach bestimmten Schlüsselwörtern, Verhaltensmustern von Servern oder technischen Fingerabdrücken von Webdiensten in China. Dabei bin ich irgendwann auf diese Plattform gestoßen.

Diesen Artikel weiterlesen mit SPIEGEL+

Sie haben bereits ein Digital-Abo? Zum Login

SPIEGEL plus Nur für Neukunden
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
Jederzeit kündigen
SPIEGEL plus 52 Wochen 25 % sparen
Freier Zugriff auf alle S+-Artikel auf SPIEGEL.de und in der App
Wöchentlich die digitale Ausgabe des SPIEGEL inkl. E-Paper (PDF), Digital-Archiv und S+-Newsletter
52 Wochen rabattierte Laufzeit

Sie haben bereits ein Print-Abo? Hier rabattiert Digital-Zugang bestellen

Jetzt Artikel freischalten:

Sie haben bereits ein Digital-Abo?

SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar
SPIEGEL plus
Zugang zu allen Artikeln in der App und auf SPIEGEL.de
Wöchentliche Ausgabe des SPIEGEL als E-Paper
Jederzeit kündbar

SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit ¤ ein Jahr zum Preis von zurzeit ¤. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.