SpOn 23.05.2026
18:43 Uhr

(+) Berlin: Das Vergewaltigungsnetzwerk, das sich »Fahrschule für Experten« nannte


Chinesische Männer betäubten und vergewaltigten in Deutschland Chinesinnen, darüber tauschten sie sich in Gruppenchats aus. Tausende Frauen diskutieren den Fall, selbst im zensierten Netz ihres Heimatlandes.

(+) Berlin: Das Vergewaltigungsnetzwerk, das sich »Fahrschule für Experten« nannte

Zwischen Chris Chen und dem Angeklagten liegen etwa zehn Meter, eine Glasscheibe und eine hellblaue OP-Maske. Zhiting S. wird Chen und die anderen Frauen kaum anschauen, während sie auf den Holzbänken des Gerichtssaals sitzen. Erst am Ende des Verhandlungstags, als sie ihm beim Herausgehen den Rücken kehren, wird er sie für einen längeren Augenblick betrachten.

Zhiting S., der Mann hinter dem Glas, trägt ein dunkles, langärmeliges T-Shirt, eine Brille und kurz rasierte Haare. Der Mediziner, Anfang dreißig, tritt an einem Mittag im Mai vor das Landgericht Berlin I. Die Liste seiner mutmaßlichen Delikte lässt sich in einem nüchternen Wochenplan der Berliner Strafgerichte lesen: »Sexueller Übergriff, Besitz kinderpornographischer Inhalte, Beihilfe zur besonders schweren Vergewaltigung und zur gefährlichen Körperverletzung.« Der Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen vor Gericht.

Das Verfahren gegen Zhiting S. gehört zu einer Reihe von Prozessen, die seit Monaten in Deutschland Schlagzeilen machen. Es geht um einen Kreis von acht Männern – bis auf einen alle Chinesen –, die sich in einer Chatgruppe über Vergewaltigungen von bewusstlosen Frauen austauschten und solche Taten organisierten. Die Männer bezeichneten die Frauen in ihrer Gruppe als »tote Schweine«, die Vergewaltigungen als »Autofahrten«. Der Name der Gruppe: »Fahrschule für Experten in Deutschland«. In Wahrheit ein Forum der Abgründe.

Beratung zu richtiger Dosierung der Betäubungsmittel

Da ist Dapeng Z., 44: Das Landgericht Frankfurt sah es als erwiesen an, dass er Frauen über Wohnungsbesichtigungen anlockte, sie betäubte und vergewaltigte, die Taten filmte und im Gruppenchat postete – das Gericht verurteilte ihn im Februar zu 14 Jahren Haft, er legte Rechtsmittel ein. Da ist Zhongyi J., 28, den das Landgericht München Mitte April zu elf Jahren und drei Monaten verurteilte: Sieben Mal betäubte und vergewaltigte er nach Auffassung der Kammer seine Freundin, ein Foto einer Tat teilte er mit den anderen im Chat. Und der Berliner Student Tong Z., Jahrgang 1999, der nach Überzeugung des Landgerichts Berlin eine Frau vergewaltigte, die er über eine Datingplattform kennengelernt hatte – er wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die drei Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Und Zhiting S.? Der Mediziner soll die anderen Mitglieder unter anderem zur richtigen Dosierung der Betäubungsmittel beraten haben – daher die Anklage wegen Beihilfe zu besonders schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Zusätzlich soll er zwischen 2019 und 2021 sexuelle Übergriffe begangen haben, als er noch in China lebte.

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