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15.01.2026
10:33 Uhr
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Vieles deutet darauf hin, dass der Tierpark Hellabrunn zwei Tiere aus China ausgeliehen bekommt. Was Markus Söder damit zu tun hat – und welche Perspektiven sich für die Stadt plötzlich eröffnen.

Das Lieblingsessen von Großen Pandas ist: Bambus – bis zu 60 verschiedene Arten der Pflanze stehen auf dem Speiseplan der Tiere. (Foto: Jacquelyn Martin/AP)
Pandamie in München – es grassiert eine nahezu fiebrige Aufregung. Endlich mal wieder darf man schwarz-weiß denken, denn ein Gerücht macht die Runde: In Hellabrunn sollen Pandas einziehen. Nicht rote Pandas, die gibt es schon lange und sind den Besuchern meist eher ein Blick im Vorbeigehen wert. Häufig hängen sie in ihrem zentralen Baum ab und sind derzeit wegen dessen Blattlosigkeit gut zu sehen. Nein, es geht um den Großen Panda, Ailuropoda melanoleuca oder auch Riesenpanda (bis zu 1,80 Meter groß).
Kein Geringerer als der Riesenministerpräsident Markus Söder (1,93 Meter groß) hat den Deal mit China, Monopol-Land für Pandas, in die Wege geleitet. Das berichtet der Münchner Merkur. Aus gut informierten Kreisen hat die SZ erfahren, dass dieses Gerücht sich in wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz mutmaßlich in eine Tatsache verwandeln wird, und dann muss sich die Landeshauptstadt schon fragen: Was ändert sich wohl alles mit diesem neuen, weiteren Wahrzeichen?
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München steht für Bier und stand für Surfen, steht für Fußball und Wirtschaft, für teure Mieten und verspäteten Nahverkehr. Für bedrohte Tierarten bislang eher weniger, am ehesten noch für bedrohte Giesinger Traditionsvereine. Das wird nun anders.
Natürlich brauchen große Pandas ein entsprechendes Gehege und ein passendes Bambus-Menü, auf ihrem Speiseplan stehen bis zu 60 verschiedene Arten der Pflanze, sodass mit einem Einzug der Vorzeige-Tiere nicht in allernächster Zeit zu rechnen ist. Aber dass Bayern nun wohl wirklich aus China Pandas bekommt, hat schon etwas zu bedeuten. Bayern ist wer in der Welt (und bald vielleicht auch im Weltraum), das sieht offenbar nicht nur Markus Söder so. Sonst würde China, das schon lange mit der Panda-Vergabe Politik betreibt, nicht Hellabrunn auswählen für eine weitere Bären-Bastion im Ausland. Söder kann sich außerdem bestätigt fühlen: Fotogen einen Plüschpanda abbusseln, das wurde zu recht medial belächelt, war aber offenbar zielführend.
2024 besuchte der Ministerpräsident China und war auch in Chengdu in einer Panda-Aufzuchtstation, offenbar mit folgenschweren (bis zu 120 Kilo pro Exemplar) Ergebnis. Neben der richtigen Hauptstadt Berlin, in der derzeit drei Pandas leben, soll auch die zumindest in manchen Teilen des bayerischen Landes gefühlte Hauptstadt München Große Pandas beherbergen.
Um einmal ins Ernste zu wechseln: Ob der Münchner Tierpark Große Pandas braucht, sei dahingestellt. Bislang waren aber noch alle Vorzeige- und Popstar-Tiere wie der Eisbär-Nachwuchs gut für die Besucherzahlen. Und man kann – der Zoo tut das schon lange – durchaus so argumentieren: Es braucht Tiere, die jedes Kind aus Bilderbüchern kennt, Giraffe, Elefant und Löwe, um die jungen Menschen in den Tierpark zu locken. Denn erst, wenn sie da sind, kann man ihnen etwas über bedrohte Arten und Lebensräume erzählen und was der Einzelne machen könnte, um dem entgegenzuwirken.
Da ist der Große Panda ein perfektes Beispiel, bedroht ist er ohnehin schon lange, was mittlerweile nahezu eine Aufnahmevoraussetzung für das Wohnen in Hellabrunn geworden ist. Laut der Naturschutzorganisation WWF, die das Tier in ihrem Logo trägt, gibt es weltweit weniger als 2000 Tiere. Zu all dem sagt der Tierpark selbst bislang allerdings: nichts. „Kein Kommentar“, heißt es von der Pressestelle.
Als „schon knuffig“ hat Söder die Tiere damals bei seinem Besuch bezeichnet und ist in die klassische Vermenschlichungsfalle getappt, in die auch Zoo-Reporter manchmal fallen. Bis die Tiere an der Isar ankommen, wird wohl mindestens eine kleine Weile vergehen, genug Zeit also, dass sich München auf ein neues Wappentier einstellen kann. Das Münchner Kindl wird statt seinem Eidbuch einen Bambusstab tragen, außerdem reiten die Ritter des Glockenspiels im Rathaus selbstverständlich auf schwarz-weißen Bären statt auf Schlachtrössern. Der FC Bayern spielt auswärts in Schwarz und Weiß, Maskottchen Bernie wird zum Pandabernie, BMW baut den Großen Panda und auf dem Oktoberfest wird die Ochsenbraterei umbenannt in, nein, das vielleicht dann doch nicht.
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