|
14.01.2026
17:18 Uhr
|
Söder will, dass Schüler Hymnen singen – für mehr Patriotismus. Vorsichtshalber sollte die CSU Dirndl und Lederhosen als Schuluniformen einführen und in jedes Klassenzimmer ein Bild des Ministerpräsidenten hängen.

So muss ein bayerischer Ministerpräsident ausschauen: Markus Söder in Janker und Lederhose im Trachtenumzug zum Münchner Oktoberfest. (Foto: Stephan Rumpf)
Die liberalitas bavariae ist ein von der CSU strapazierter Kampfbegriff, der immer dann herhalten muss, wenn die Bayern eine Extrawurst braten. Mal ganz abgesehen davon, dass das bayerische Selbstverständnis von der ach so toleranten Lebensart auf einem Übersetzungsfehler beruht, nimmt es die CSU selber nicht so genau mit dem „leben und leben lassen“.
Gerade wenn es um die Liebe zur Heimat geht oder den „aufgeklärten Patriotismus“, wie das die CSU in ihrem Grundsatzprogramm nennt, vermeidet sie das Risiko. Besser eine Verordnung geschaffen, bevor die Heimatliebe zu kurz kommt.
Da war gleich zum Amtsantritt von Ministerpräsident Markus Söder der Kreuzerlass. Wer es verdrängt haben sollte: In den staatlichen Gebäuden Bayerns müssen „gut sichtbar“ Kreuze hängen, „als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“. Selbst Kirchenvertreter waren irritiert, die Opposition erbost, Gerichte mussten sich jahrelang mit Klagen beschäftigen.
Nach dem Kreuzerlass jetzt also die Hymnenpflicht. An Bayerns Schulen sollen bei Zeugnisübergaben und Abschlussfeiern die National- und die Europahymne und natürlich das Bayernlied gesungen werden müssen. Denn, Begründung Söder: „Ein Volk ohne Patriotismus kann zu einem Volk ohne Seele werden.“
Das kann freilich keiner wollen, also her mit der regulierten Heimatliebe. Vielleicht sollte die CSU vorsichtshalber Dirndl und Lederhosen als Schuluniformen einführen und in jedes Klassenzimmer ein Bild des Ministerpräsidenten hängen. Wahlweise auch von Franz Josef Strauß, Hauptsache es wirkt identitätsstiftend.
Beim Erreichen der Volljährigkeit ist ein Eid auf den Freistaat abzulegen, im Dialekt natürlich, und der wiedereingeführte Wehrdienst kann bei den Gebirgsjägern abgeleistet werden.
Bei Schulabschlüssen aller Art, Meisterfeiern, Hochzeiten und der Firmung muss neben drei Hymnen künftig zudem gejodelt werden, in Alpennähe wenigstens, anderswo kann wahlweise „Mir san vom Woid dahoam“ oder das Frankenlied gesungen werden. Für Letzteres allerdings ist erst noch eine mittelfränkische Strophe zu dichten, bisher kommen darin nur Ober- und Unterfranken vor. Der Bezirk Mittelfranken hat dazu bereits aufgerufen, in der CSU gibt es auch schon Vorschläge, der Parteichef ist immerhin von dort:
Markus Söder sieht seine CSU als „Schrittmacher“. Er will das „Behörden-Pingpong“ beenden und Bayern mit Überlichtgeschwindigkeit wirtschaftlich voranbringen – und auf den Mond.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: