|
12.02.2026
16:31 Uhr
|
Die deutschen Snowboardcrosser Martin Nörl und Leon Ulbricht liegen im Viertelfinale aussichtsreich im Rennen – ehe ein ärgerlicher Crash passiert.

Leon Ulbricht (links) war gut unterwegs im Snowboardcross, aber nur bis zum Viertelfinale, dann kollidierte er mit Martin Nörl. (Foto: Oliver Weiken/dpa)
Die Snowboardcrosser Martin Nörl und Leon Ulbricht hatten sich für Olympia viel vorgenommen. Hier der 32-jährige Nörl, vor vier Jahren als Gesamtweltcupführender und großer Favorit nach Peking gekommen und im Halbfinale ausgeschieden. Dort der 21-jährige Ulbricht, das Talent, zwei Weltcupsiege hat er gesammelt, in dieser Saison ist er Neunter im Gesamtweltcup. Beide reisten sicher nicht als Favoriten zu den Spielen nach Livigno. Doch von Nörl bekam man sogar das Gefühl, die neue Rolle gefalle ihm. Er kündigte an, dass er und Ulbricht alle Medaillenkandidaten ärgern könnten.
Am Ende ärgerten sie einander. Es war nur ein kleiner Moment im Viertelfinale, ein Fehler von Nörl, der innerhalb von Sekunden alle Pläne zunichtegemacht hat.
Die Cross-Wettbewerbe, egal ob auf Skiern oder auf dem Snowboard, sind auf gewisse Weise die natürlichste Art von Rennen. Sie bilden auf Hochleistungssport-Niveau das ab, was Jugendliche auf den Pisten machen. Mit ihren Freunden gleichzeitig von einer Startlinie losfahren, und der Erste, der am ausgemachten Ziel ankommt, hat gewonnen. Keine Stoppuhr, keine Sektorenzeiten, pures Racing, mit Körperkontakt.
Das IOC erwägt, Snowboard-Rennen in Zukunft aus dem Programm zu nehmen. Ikone Ester Ledecka formuliert deutliche Kritik, die Sorge der Athleten ist groß. Aber noch kämpfen sie für ihren Sport.
Das mutet auch mal grob an. Wie am Donnerstag im Schneetreiben von Livigno, wenn sich vier Snowboarder aus ihren Startblöcken schieben und im engen Kurs um eine der beiden ersten Positionen kämpfen, die zum Einzug in die nächste Runde berechtigen. Buckel-Buckel-Sprung-Buckel-Sprung-rechts-Sprung-links-Buckel-Sprung. Und so weiter. Und wenn es zu eng wird, stürzt auch mal jemand. Dann ist der Traum von einer Medaille vorbei. Besonders bitter ist das, wenn man selbst nichts dafür kann.
So erging es Martin Nörl vor vier Jahren, als er im Halbfinale schuldlos ausschied. Und so erging es am Donnerstag Leon Ulbricht, als er von Teamkollege Nörl in der letzten Linkskurve des Viertelfinales von den Beinen geholt wurde.
Schon im Achtelfinale traten Routinier und Youngster gegeneinander an, um auf den ersten beiden Plätzen ins Ziel zu kommen. Während der startstarke Ulbricht von vorn wegfuhr, überholte Nörl erst vor der letzten Kurve den Australier James Johnstone. Durch den Turniermodus war ihr Schicksal von Beginn an aneinander gekettet, sie hätten in allen Runden auf den ersten beiden Plätzen landen müssen, damit am Ende beide ins Finale einziehen.
Leon Ulbricht schreibt auf seiner Webseite, er möchte Spaß haben an der Weltspitze des Snowboardcross. Dabei „spielen große Titel eher eine nebensächliche Rolle, das kommt dann schon von selbst“. Eine gesunde Einstellung in diesem Sport, der so unberechenbar ist. Spätestens am Donnerstag musste er erfahren, wie viel Glück auch dazugehören muss für den ganz großen Erfolg im Cross-Sport.
Im Viertelfinale war er wie in der Runde zuvor stark gestartet und hatte lange geführt, erst kurz nach der Hälfte des Rennens wurde er vom Italiener Lorenzo Sommariva eingefangen, als er ihm die Innenbahn zu weit offen ließ. Von hinten hatte das Nörl beobachten können, der seinem Teamkollegen immer näher kam. In der letzten Linkskurve vor dem Ziel musste Nörl ins Risiko gehen. Sommariva war weit weggezogen, für einen Platz im Halbfinale musste er an Ulbricht vorbei. Also fuhren die beiden Deutschen und der US-Amerikaner Nick Baumgartner beinahe nebeneinander in die Kurve: Nörl trug es zu weit hinaus, er konnte sein Board nicht mehr kontrollieren. Und fuhr auf das von Ulbricht.
Nörl hatte das Gefühl, zuvor von Baumgartner berührt worden zu sein, sagte ihm aber im Ziel direkt, dass er nicht sauer auf ihn sei. Und die Fernsehbilder legen auch keinen Kontakt des Amerikaners nahe. Trotzdem wunderte sich Nörl, dass sich die Jury den Unfall nicht genauer anschaute: „Für das ganze Team ist das ärgerlich. Wir hatten gutes Material und waren wahnsinnig schnell.“ Es wäre wohl mehr drin gewesen.
Im Snowboardcross kann alles passieren, sogar, dass es am Ende denselben Olympiasieger gibt wie vor vier Jahren: Es gewann abermals Alessandro Hämmerle aus Österreich.
Aus Japan, Neuseeland und Südkorea kommen die Medaillengewinnerinnen im Big-Air-Wettbewerb. In ihrem Wirken beziehen sich alle drei auf Anna Gasser – die sieht ihre Sportart „in guten Händen“.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: