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02.01.2026
08:59 Uhr
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Nach dem Feuer in einer Schweizer Bar in der Silvesternacht mit 40 Toten und 115 Verletzten ist die Rede von vielen jungen Opfern. Das Kanton Wallis spricht von einem „Flashover“ als möglicher Erklärung für die Katastrophe. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nach der Brandkatastrophe: Trauernde legen Blumen in der Nähe der Bar in dem Schweizer Ferienort Crans-Montana ab. (Foto: Maxime Schmid/AFP)
Durch einen Brand während einer Silvesterparty in einer Bar in dem Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind 40 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem seien 115 Menschen verletzt worden, die meisten davon schwer, sagte Frédéric Gisler, Kommandant der Walliser Kantonspolizei in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Identifizierung der Toten werde mehrere Tage dauern. Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Katastrophe.
In der Silvesternacht ist es in Crans-Montana (Kanton Wallis) gegen 1.30 Uhr zu einem schweren Brand in der Bar „Le Constellation“ gekommen. Diese hatte nach eigenen Angaben eine Kapazität von 300 Plätzen. Wie viele Menschen zu dem Zeitpunkt in der Bar waren, ist nicht bekannt. Die meisten der Opfer dürften Teenager oder Anfang 20-Jährige gewesen sein, heißt es vonseiten der Polizei. Die Bar war nach Angaben von Anwohnern bei ihnen besonders angesagt.
„Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen und das zu einer Explosion geführt hat“, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Es seien Untersuchungen zur Ermittlung der Brandursache eingeleitet worden. Dazu würden auch am Brandort gefundene Telefone ausgewertet. Zu Mutmaßungen, dass in Champagner-Flaschen gesteckte Kerzen oder Böller den Brand ausgelöst haben könnten, wollte Pilloud nichts sagen.
Die Regierung des Kantons sprach in einer Mitteilung von einem sogenannten „Flashover“. Auch Schweizer Medien verbreiteten die These.
Die Brandschutzsachverständige Sandra Barz erklärte im ARD-„Brennpunkt“ das Phänomen „Flashover“ als ein „kleines Brandereignis“, das die Hitze an die Umgebungstemperatur abgebe – diese sammele sich dann unter der Decke. Dieser Wärmestau werde heißer und heißer. Alle brennbaren Materialien in dem betroffenen Raum würden dann irgendwann chemisch zersetzt und bildeten bestimmte Gase.
„Und bei dem richtigen Mischungsverhältnis und bei einer immer höher werdenden Temperatur ist das eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die komplett alles gleichzeitig in Brand nimmt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird.“ Im Zuge eines „Flashovers“ erfolgt nach Darstellung von Barz ein Temperaturanstieg innerhalb von geringer Zeit, auf etwa 1000 bis 1200 Grad. Zusätzlich falle der Sauerstoffgehalt auf unter vier Prozent. Für Menschen ohne Schutzkleidung sei das nicht zu überleben.
Zahlreiche der mehr als 110 Verletzten weisen lebensbedrohliche Verbrennungen auf. In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 Erwachsene und 8 minderjährige Brandverletzte aufgenommen, „deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist“, wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte.
Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten.
In der Bar sollen viele junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren gefeiert haben. Dem Schweizer Sender SRF sagte der Leiter für Helikopter-Einsätze der Rettungsflugwacht (Rega) in Zürich, Philipp Simmen: „Es zeichnet sich ab, dass es auch eine Vielzahl an jungen Patientinnen und Patienten darunter hat.“
Unklar ist, ob auch Deutsche unter den Toten sind. Der italienische Außenminister Antonio Tajani teilte mit, dass 12 bis 15 Italiener nach der Brandkatastrophe im Krankenhaus behandelt würden. Die gleiche Anzahl gelte als vermisst, fügte er hinzu. Nach Angaben des französischen Außenministeriums werden acht französische Staatsbürger vermisst.
Da Crans-Montana Gäste aus aller Welt habe, seien „wahrscheinlich“ Ausländer unter den Opfern, sagte Polizeichef Gisler. Über die Feiertage ist der mondäne Skiort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10 000 Einwohner kommen etwa 2600 Hotelbetten und Hunderte Ferienwohnungen.
„Die Identifizierung der Körper, auch der Verletzten, kann leider noch etwas Zeit brauchen. Wir haben volles Vertrauen in die Teams, die sich um die Identifizierung kümmern“, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard, in der Pressekonferenz. „Wir haben viele Schwerverletzte, viele stark Verbrannte.“
Menschen mit schweren Verbrennungen wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Der Schweizer Tages-Anzeiger zitierte einen Arzt, demzufolge die Krankenhäuser in der Gegend mit Brandopfern überlastet sind. Die meisten Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand, erklärte Polizeichef Gisler. Die Intensivstation des Spitals Wallis sei voll. Patienten wurden deshalb in Krankenhäuser nach Zürich, Genf, Lausanne und Sion verlegt, einige Opfer auch in Krankenhäuser im Ausland.
In Zürich befindet sich laut dem Bericht eines der zwei Zentren für Brandverletzte in der Schweiz – das andere ist in Lausanne. Marcel Schlatter, der Sprecher der Uniklinik Zürich, bestätigte gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass mehrere Schwerverletzte aus Crans-Montana im Klinikum behandelt würden.
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich bestürzt: „Ein Moment der Freude wurde in Crans-Montana in der Schweiz zur Tragödie. Die Ereignisse dort erschüttern uns“, schrieb er auf X. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte der Schweiz je gegeben habe. Die Flaggen am Parlament würden für fünf Tage auf halbmast gehängt.
Am Donnerstagabend beteten in der Kirche von Crans-Montana 400 Gläubige in einer Messe mit dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey für die Opfer.
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