SZ 07.01.2026
16:44 Uhr

Rohstoffe: Wie Trump an Venezuelas Öl kommen will


Nach der Militäraktion in Venezuela kündigte US-Präsident Donald Trump an, die Ölindustrie des Landes wiederzubeleben. Aber sogar die US-Ölkonzerne gaben sich zurückhaltend. Nun will er die Zweifler widerlegen.

Rohstoffe: Wie Trump an Venezuelas Öl kommen will
Auf diesem Wandgemälde in Caracas sieht alles gut aus, aber in Wirklichkeit liegt Venezuelas Ölindustrie am Boden, die Anlagen sind veraltet oder verfallen. (Foto: Matias Delacroix/AP)

US-Präsident Donald Trump hat erstmals Details zu seinem Plan genannt, an Venezuelas Öl zu kommen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am Dienstagabend, die venezolanische Übergangsregierung werde 30 bis 50 Millionen Barrel Öl an die USA übergeben. Es werde auf Tanker gebracht und von dort in amerikanische Häfen verschifft. Geht es nach Trump, soll das Öl zum Marktpreis verkauft werden. Die Erlöse würden zwischen Venezuela und den USA aufgeteilt, erklärte der US-Präsident. Legt man den aktuellen Marktpreis für Schweröl zugrunde, wäre die von Trump genannte Menge zwischen 1,7 und 2,9 Milliarden Dollar wert.

Mit seiner Ankündigung macht Trump deutlich, dass er es ernst meint mit seinem Versprechen, die gewaltigen Ölvorkommen Venezuelas auszubeuten. Am Wochenende hatten Spezialeinheiten des US-Militärs den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Caracas festgenommen und nach New York gebracht, wo er auf seinen Prozess wegen Drogenhandels wartet. Trump hatte den Einsatz indirekt mit den Ölvorkommen Venezuelas begründet. Venezuela habe „unser Öl gestohlen“, behauptete er. Trump kündigte an, dass US-Unternehmen die Ölinfrastruktur des Landes wieder aufbauen und „Geld für das Land“ verdienen würden. Damit meinte er die USA, nicht Venezuela.

Unter dem lateinamerikanischen Land liegen mindestens 300 Milliarden Barrel Schweröl. Damit verfügt Venezuela über die größten nachgewiesenen Ölvorkommen der Welt. Aktuell werden davon aber nur vergleichsweise kleine Mengen gefördert. Mit Ausnahme von Chevron haben sich alle US-Ölkonzerne aus dem Land zurückgezogen. 2019 verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen die staatliche venezolanische Ölgesellschaft.

Doch nach der US-Militäraktion kamen schnell Zweifel auf, ob sich die Ölproduktion des Landes so einfach wieder ankurbeln lässt. Sogar die US-Ölkonzerne äußerten sich vorsichtig. Man beobachte die Situation, aber es sei zu früh, über potenzielle zukünftige Geschäftsaktivitäten in Venezuela zu spekulieren, erklärte etwa Conoco Philipps, der drittgrößte amerikanische Ölkonzern. Ein Grund für die Zurückhaltung der Unternehmen ist der niedrige Ölpreis. Er liegt bei knapp unter 60 Dollar und führt dazu, dass Investitionen für Unternehmen aktuell nicht sehr attraktiv sind.

Trump geht es nun offenbar darum, Stärke zu demonstrieren und seine Kritiker zu widerlegen. Die von ihm angepeilten 30 bis 50 Millionen Barrel sind nicht viel, einerseits. Die USA verbrauchen an einem einzigen Tag 20 Millionen Barrel. Andererseits förderte Venezuela im gesamten Verlauf des Jahres 2024 nur knapp 50 Millionen Barrel. Was Trump gelegen kommt: Das Öl müsste wohl auch gar nicht aus der Erde geholt werden. Es soll sich bereits größtenteils in Tankern vor der venezolanischen Küste befinden. Im Dezember hatte das US-Militär dort eine Seeblockade errichtet und unter anderem den Öltanker Skipper beschlagnahmt. Am Mittwoch stoppte das US-Militär im Nordatlantik einen unter russischer Flagge fahrenden Tanker, der der Blockade entkommen war.

Schwieriger würde es, wieder in größerem Stil Öl in Venezuela zu fördern, so wie Trump sich das vorstellt. Die Infrastruktur gilt als veraltet bis verfallen. Mit Ausnahme von Chevron haben sich alle US-Ölkonzerne aus dem Land zurückgezogen, nachdem Maduros Vorgänger Hugo Chávez die Ölfelder um das Jahr 2007 herum teilweise verstaatlicht hatte. Ausländische Unternehmen können dort seither nur noch zu wenig lukrativen Bedingungen arbeiten. Die amerikanischen Ölriesen Exxon Mobil und Conoco Philipps mussten Milliarden Dollar abschreiben und bemühten vergeblich um finanzielle Entschädigung durch die venezolanische Regierung.

Um die Ölindustrie des Landes wiederzubeleben, müssten die US-Konzerne große Summen investieren. Experten sprechen von mehr 100 Milliarden Dollar. Das wäre auch deshalb riskant, weil derzeit überhaupt nicht klar ist, wie es in Venezuela politisch weitergeht. Doch um große Investitionen zu rechtfertigen, brauchen Unternehmen vor allem eines: politische Stabilität.

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