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29.01.2026
15:09 Uhr
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Um die Fertigung effizienter zu machen, braucht es Roboter in der Produktion. Davon profitiert nun auch das Münchner Unternehmen Robco.

Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise, das gilt aber nicht für jedes Unternehmen. Das Münchner Start-up Robco hat für sein weiteres Wachstum 100 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt. 2026 nähere sich Robco deutlich der „Schwelle eines dreistelligen Millionenumsatzes“, die er als Mindestgröße für einen möglichen Börsengang setzt, sagt Mitgründer und Vorstandschef Roman Hölzl der SZ. „Aber der Börsengang ist auch dann kein Muss.“ Robco entwickelt sowohl Hardware, also Module, aus denen Roboterarme montiert werden, als auch die Software. Die Fertigungskapazität im Werk in München liege derzeit bei mehr als 5000 Roboterarmen jährlich. Die Zahl der Mitarbeiter soll in diesem Jahr von derzeit 175 um die Hälfte steigen, kündigt Hölzl an.
Mit dem Geld aus der jüngsten Finanzrunde wolle Robco unter anderem den Standort in den USA ausbauen und seine „physische KI“ weiterentwickeln. Die Roboterarme sammeln Hölzl zufolge in ihrem Umfeld über Sensoren und Kameras Daten, verarbeiten diese und lernen so, immer besser mit ihrem Umfeld zu interagieren. „Wir verbinden die digitale Welt mit dem analogen Umfeld in den Fabriken“, so Hölzl. Robco wolle sich zum führenden Anbieter von KI-gestützter Robotik für die industrielle Fertigung in den USA und Europa entwickeln.
Die Automatisierung bietet ein großes Potenzial – für Robco, aber auch für die Firmen selbst, weil sie Produktivität und Effizienz steigern können. Damit trage die Automatisierung auch direkt zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts bei, so der Gründer: „Der Bedarf an Robotik übersteigt das Angebot bei Weitem.“ Für die Automatisierungsreife der Industrie hat Robco einen Index entwickelt. Für den jüngsten „Robco Automation Readiness“-Index wurden 250 Entscheider befragt. Entgegen dem oft bemühten Klischee einer rückständigen deutschen Industrie im Vergleich zu den USA, die häufig als Vorreiter bei neuen Technologien gelten, liege Deutschland „deutlich vorn“, heißt es in der Analyse.
Die makroökonomische Lage belastet einerseits das Geschäft, erläutert Hölzl. Die Unternehmen zögern Investitionen hinaus, weil ihnen das Geld fehlt und sie nicht wissen, ob sich die Investition auszahlt. Anfang des Jahrtausends, als Robco begann, sei das noch anders gewesen. „Geld gab es fast umsonst, und die Unternehmen probierten gerne einfach mal was aus“, sagt Hölzl. Anderseits wachse im weltweiten Wettbewerb auch der Druck, effizienter zu werden.
Seit der Gründung 2020 hat Robco insgesamt rund 160 Millionen Dollar eingesammelt. Die Aktien der jüngsten Runde stammen Hölzl zufolge komplett aus einer Kapitalerhöhung. Für sie konnte Robco neue Investoren wie Lingotto Innovation gewinnen, ein Investmentvehikel von Exor, unter deren Dach der Agnelli-Clan auch seine Beteiligungen an den Autoherstellern Ferrari und Stellantis führt. Vorstandschef von Exor ist John Elkann. Zu den Investoren von Robco zählt auch der Wagniskapitalgeber Leitmotif, über den VW Geld in Start-ups steckt. „VW, Stellantis und Ferrari haben in ihren Fabriken schon Tausende Roboter im Einsatz“, sagt Hölzl: „Die wissen, wie Automatisierung geht und welche Produktivitätsgewinne sie bringt.“
Auch Peter Thiel habe sich schon für Robco interessiert, „sogar sehr“, erzählt Hölzl. Aber man sei sich weder inhaltlich noch finanziell einig geworden. Sonderlich traurig darüber, dass aus einem Deal mit Thiel nichts wurde, wirkt er nicht. Der Tech-Milliardär gehört zu den Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Auch nach der jüngsten Finanzierungsrunde halten die Gründer um Hölzl ein Viertel des Kapitals, Hölzl selbst „mehr als zehn Prozent“. Und im Verwaltungsrat wiegt seine Stimme doppelt.
Seit ein paar Monaten hat Robco eine Repräsentanz in San Francisco und ein Werk in Austin. Die Module für die dort gefertigten Roboterarme liefert Robco aus Deutschland. Die geplanten Investitionen in den USA beziffert Hölzl auf einen „deutlich zweistelligen“ Millionenbetrag. Der US-Markt lasse sich nicht auf Dauer von Europa aus bedienen. Der Bedarf an Robotern in den USA sei hoch. Ein wenig hat die Expansion es wohl auch mit Trump und der von ihm angestrebten Reindustrialisierung und Zöllen zu tun. „Die Reindustralisierung kommt uns schon zupass“, sagt Hölzl. Einen weiteren Standort sucht Robco auch in Deutschland. Auch der Norden und die Benelux-Staaten ließen sich von München aus schwieriger bedienen. Drei Standorte seien in der engeren Auswahl.
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