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05.02.2026
10:19 Uhr
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Junge Unternehmen haben es in Europa oft schwer, Geld für ihre Weiterentwicklung zu bekommen. Das soll ein neuer Milliarden-Fonds ändern – mit Geld ausschließlich aus Europa.

Eine Rakete bringt man nicht in ein, zwei Jahren zur Serienreife. Hier ein Prototyp der bayerischen Firma Isar Aerospace. (Foto: Wingmen Media/AP)
Es ist das alte Problem des alten Europa: Hier wird zwar auf Spitzenniveau geforscht, hier wird erfunden und auch gegründet. Nur oft bleiben die jungen Firmen auf halbem Wege stecken – weil ihnen schlicht das Geld ausgeht. Besonders trifft das auf Start-ups zu, die sich dem Bereich Deep Tech verschrieben haben. Sie entwickeln also Technologien, die oft schon einen immensen Aufwand erfordern, um überhaupt einen Prototyp zu bauen. Raumfahrt-Start-ups etwa fallen in diese Kategorie oder auch Unternehmen, die an Quantentechnologien arbeiten.
Viele dieser Unternehmen haben dasselbe Problem: Sobald sie der ersten Finanzierungsrunde entwachsen sind, bräuchten sie mehr Geld, um ihre Technologie weiterzuentwickeln. Das aber ist in Europa viel schwerer zu bekommen als in den USA, wo es eine ganz andere Investmentkultur gibt. Viele wenden sich dann auch an US-Geldgeber – und wieder ist ein ursprünglich europäisches Unternehmen ein amerikanisches, so geschehen beim hoch gehandelten KI-Start-up Black Forest Labs.
Das will der neue Fonds Kembara mit ausschließlich europäischen Geldgebern ändern. Einer seiner Gründer, Yann de Vries, kennt das Problem aus eigener Anschauung. Er begleitete das Flugtaxi-Start-up Lilium zuerst als Investor, später stieg er selbst mit ein, weil er von der Technologie so überzeugt war. Weil sich kein Geldgeber fand, ging die Firma schließlich ein – die Patente gehören nun einem US-Konkurrenten.
Kembara hat in einer ersten Runde bereits 750 Millionen Euro eingesammelt, die Geldgeber sind unter anderem europäische Konzerne und Banken. Nicht zuletzt Privatinvestoren sollen den Fonds auf eine Milliarde Euro aufstocken. Die Start-ups, die damit gefördert werden sollen, stammen ausschließlich aus dem Technologiebereich.
Ein großer Teil des Geldes soll an deutsche Firmen gehen. „Es gibt in Deutschland hervorragende Deep-Tech-Start-ups“, sagt de Vries im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Man habe da bereits einige im Auge – Genaueres könne man aber noch nicht verraten. Die 750 Millionen stünden jedenfalls bereit. Sie sollen in Tranchen von 15 bis etwa 50 Millionen Euro ausgegeben werden.
Die Fondsverwalter haben eine Reihe von Technologiesektoren im Blick, darunter künstliche Intelligenz, Halbleiter, Quantentechnologien, Robotik und erneuerbare Energien. Da jede Investition in eine junge Firma auch eine Wette auf deren Zukunft ist, wollen die Fondsverwalter besonderes Augenmerk darauf richten, wie überzeugend das Konzept der jeweiligen Start-ups ist.
Die Investitionen seien grundsätzlich langfristig ausgelegt. Das schon deshalb, weil die Deep-Tech-Unternehmen länger brauchen, um Produkte zu entwickeln als etwa eine Softwarefirma. Für einen Fonds wie diesen sei jetzt die richtige Zeit. Ersten, um die europäische Souveränität zu wahren, zweitens, weil wichtige Technologien wie etwa KI und Quantencomputer dabei seien, sich gegenseitig zu befruchten.
Auch insgesamt hat das Niveau von Investments in europäische Firmen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent zugenommen, wie die indische Datenplattform Tracxn beobachtet hat. Insgesamt flossen 50,8 Milliarden Dollar in europäische Start-ups.
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