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20.01.2026
13:43 Uhr
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Naomi Osaka tritt vor ihrem ersten Spiel in Melbourne in einem extravaganten Outfit auf – einer Qualle nachempfunden, sagt sie. Es ist nicht das erste Mal, dass die Japanerin den großen Auftritt wagt.

Als Naomi Osaka aus dem Gang kam und Richtung Tennisplatz in der Rod Laver Arena schritt, konnte Mats Wilander nicht glauben, was er da sah. „Ich bin sprachlos, sprachlos!“, rief der zweimalige Sieger der Australian Open ins Mikrofon, der Schwede ist heute Kommentator bei Eurosport. „Wow, das ist mutig!“
Osaka, die ebenfalls zweimal in Melbourne triumphierte und nun zu ihrem Erstrundenmatch erschien, trug etwas, das wie eine Mischung aus Hochzeitskleid, Mary Poppins, Imker und Geisha aussah. In der Hand hielt sie einen Schirm. Und ein langer Schleier folgte ihr, fast wäre ihre Gegnerin Antonia Ruzic auf diesen gestiegen, als die Kroatin im Gang Osaka überholt hatte. „Aber warum nicht?“, fuhr Wilander fort, „sie hat bei den US Open einmal etwas Ähnliches gemacht. Damals trug sie Schmetterlingsflügel.“ Gut, es war eher eine Schleife, aber bei Osaka, 28, Branchenriesin im Tennis und Multimillionärin, kann man modisch schon mal den Überblick verlieren. An diesem Dienstagabend in Australien bot sie zweifellos ihren extravagantesten Auftritt. Fürs Match trennte sie sich dann natürlich von einigen Teilen des Kleides. So verpackt hätte man nicht ernsthaft spielen können.
„Vielleicht ist das die Zukunft des Tennissports, das Mode-Statement kommt zuerst, und dann erst zeigst du deine professionellen Fähigkeiten“, sagte Wilander, der mit dieser Theorie nicht ganz falsch lag. Denn Osaka, die 2019 und 2021 in Melbourne triumphiert hatte, startete prächtig ins Match, der erste Satz war schnell mit 6:3 verbucht. Den zweiten Satz verlor sie, aber letztlich setzte sich die Japanerin mit 6:3, 3:6, 6:4 durch. Sie hat also ihren modischen Auftritt spielerisch untermauert, wenn man so will.
Was ihr Kleid betrifft, drängte sich schließlich rasch der Verdacht einer konzertierten PR-Aktion auf, denn das Mode-Medium Vogue widmete Osaka sofort einen langen und ausführlichen Artikel mit allen Hintergründen, mit dem Titel: „Naomi Osaka erklärt die Bedeutung ihres Exoskelett-Looks bei den Australian Open 2026“. So läuft heute das Business eben.
Osaka, eine sehr introvertierte, schüchterne Person, wird dabei mit den Worten zitiert: „Wenn ich an die Spielerinnen vor mir zurückdenke, denke ich darüber nach, wie diese Momente – diese Blicke – zu unvergesslichen Erinnerungen geworden sind. So oft schreiben andere unsere Geschichten. Diesmal fühlte es sich an, als könnte ich ein Stück meiner eigenen Geschichte schreiben.“ Wie die Vogue berichtete, wählte Osaka fürs Schneidern den Couturier Robert Wun, der schon Kleider für Beyoncé und Ariana Grande angefertigt habe. Angeblich sei Osakas Vision entstanden, als sie ihrer zweijährigen Tochter Shai vorlas. „Da war ein Bild von einer Qualle, und als ich es ihr zeigte, war sie total begeistert“, sagte sie. Mit dem fertigen Entwurf sei sie sehr glücklich: „Ich spürte die Symbolik von Energie, Transformation und Aufregung.“
Beim Interview auf dem Platz sagte sie nach dem Match, angesprochen auf das Kleid oder das, was man Kleid nennt: „Ich bin so dankbar, dass ich gestalten kann, was ich mag.“ Sie wies stolz auf einen Schmetterling auf dem Schirm hin. Ihre Augen funkelten. Ihr Outfit scheint sie also wirklich glücklich zu machen.
Naomi Osaka ist ein Weltstar im Tennis – die in Regensburg lebende Amerikanerin Simone Zitzelsberger-Elliott ist ihre Mentaltherapeutin und soll die junge Japanerin auf ihrem schweren Weg durch die Szene unterstützen.
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