SZ 08.10.2026
14:07 Uhr

Nahe Münchner Flughafen: Mögliche Puma-Sichtung: Ermittlungen werden durch KI-Fakes behindert


Die Behörden sind weiter dabei, zu klären, ob es sich bei dem gesichteten Tier tatsächlich um einen Puma handelt. Rätsel gibt zudem die Frage auf, wo das Raubtier entlaufen sein könnte.

Nahe Münchner Flughafen: Mögliche Puma-Sichtung: Ermittlungen werden durch KI-Fakes behindert
Verdacht nahe Münchner Flughafen: Polizei sucht Puma
dpa

Nach der mutmaßlichen Sichtung eines Pumas im Notzingermoos im Landkreis Erding suchen die Behörden weiter mit Hochdruck nach dem Tier. „Es gibt weiterhin keinen Hinweis auf den Verbleib der gesichteten Katze“, sagte Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Pressesprecherin des Landratsamts Erding, am Donnerstagmittag.
Anwohner sollten Haustiere weiterhin an der Leine führen und bei einer möglichen Sichtung unverzüglich die Polizei informieren. Nach wie vor sei außerdem unklar, ob es sich bei dem gesichteten Tier tatsächlich um einen Puma handle. Die Auswertung der Bildaufnahmen durch Experten von Landratsamt, Tierparks und Umweltbehörden laufe.

Bei der Suche nach dem Tier werden die Ermittlungen der Polizei durch KI-generierte Aufnahmen des vermeintlichen Pumas behindert. Die Polizei in Erding habe mehrere Fotos und Videos erhalten, die eine große Katze „im urbanen Bereich zeigen“, erklärte Inspektionsleiter Sebastian Pinta. „Diese Bilder behindern unsere Ermittlungsarbeit“, so Pinta – denn die Beamten müssten zunächst aufwendig prüfen, ob es sich um echte oder gefälschte Aufnahmen handle. Auch die ursprüngliche Aufnahme von dem Tier sei überprüft und als echt identifiziert worden.

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Des Weiteren gehen die Behörden der Frage nach, woher die mutmaßliche Katze stammt. Dabei haben sich weiterhin keine Hinweise darauf ergeben, dass der Puma einem registrierten Halter entlaufen sein könnte. Man habe alle bekannten Besitzer eines Pumas im Landkreis kontaktiert, so Pinta. Diese hielten jedoch nach eigenen Angaben derzeit allesamt keinen Puma. Die Haltung von Pumas ist in Deutschland unter Auflagen erlaubt.

Die Tierschutzorganisation Peta kritisiert das scharf. Die Bundesregierung müsse „die Haltung ‚exotischer‘ Tiere wie Großkatzen, Affen und Schlangen in Privathand sowie in Zirkussen verbieten“, forderte Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta, angesichts der mutmaßlichen Puma-Sichtung in Erding. Ob der vermeintliche Puma auch aus illegaler Haltung entlaufen sein könnte, ist eine der vielen offenen Fragen rund um den Vorfall von Erding.

Ein Jäger hatte am späten Dienstagabend mit einer Wärmebildkamera Aufnahmen einer großen Katze gemacht und die Behörden informiert. Seitdem werten Experten die Bilder aus, während die Polizei mit einem Großaufgebot in der Nähe der Sichtungsstelle im Notzingermoos unterwegs ist. Die Präsenz soll laut Pinta vor allem das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung gewährleisten. Eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht.

Es waren mitunter skurrile Szenen, die sich am späten Mittwochnachmittag im Notzingermoos abspielten. Mindestens 20 Polizisten streiften mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren bewaffnet durch die Prärie, durchkämmten ein Rapsfeld. Nebenan parkten vier Mannschaftsbusse, an einer anderen Stelle weitere drei. Zwischenzeitlich kreiste ein Helikopter über Wiesen, auf denen friedlich Rinder grasen. Kurz darauf surrte eine Drohne über den Polizisten. Diese blieben immer wieder stehen, dann durchkämmten die Beamten die Wiesen weiter.

In der Nacht zu Donnerstag wurde schließlich mit einer Wärmebildkamera aus der Luft nach dem Tier gesucht – doch auch die brachte keine neuen Erkenntnisse. Eine Polizeisprecherin erklärte am Donnerstagmorgen, die Kamera habe keine neue Spur ergeben.

Am Donnerstagvormittag setzte die Polizei auf Hunde. Zwei Hundeführer mit ihren Schäferhunden waren im Einsatz – insbesondere um etwaige Beute oder Beuteteile zu finden, wie die Polizei mitteilte.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Thomas Schreder mahnte zur Ruhe. „Bitte nicht aktiv nach dem Tier suchen und stattdessen die Behörden ihre Arbeit machen lassen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Nachts würde ich das Gebiet erstmal eher meiden. Hunde sollte man auch tagsüber nicht frei laufen lassen.“ Panik sei sicher nicht angebracht, betonte Schreder. „Aber wenn es ein Puma sein sollte, ist das eben auch kein ungefährliches Tier.“

Wer seinen Hund ohne Leine in dem Gebiet bei Oberding laufen lasse, provoziere möglicherweise „das, was wir nicht wollen – einen Konflikt“. Nach Schreders Einschätzung, der die bestehenden Aufnahmen eingesehen hat, handelt es sich nicht um ein heimisches Tier. Mehrere Jäger im Landkreis könnten mit Wärmebild-Drohnen bei der Suche unterstützen, so Schreder. Bisher seien die Behörden aber nicht auf die Jäger zugekommen.

In mehreren vergangenen Fällen in Deutschland hatten sich vermeintliche Raubkatzen-Sichtungen als harmlos herausgestellt. 2023 suchten Polizei und Jäger in Kleinmachnow bei Berlin rund 30 Stunden nach einer Löwin – am Ende war es höchstwahrscheinlich ein Wildschwein. 2025 sorgte ein vermeintlicher Puma am Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt für eine große Suche; ein Experte hielt das Tier später für eine Hauskatze. Mehrfach entpuppten sich vermeintliche Raubtiere zudem als Stofftiere, etwa in Cuxhaven und Frankfurt.

Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Aber wie gefährlich sind Pumas für Menschen – und könnte es nicht auch ein anderes Tier sein?

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