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05.02.2026
16:25 Uhr
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Jared Kushners Private-Equity-Fonds wollte eigentlich den Nahostkonflikt lösen. Stattdessen investierte er in großem Stil in das Münchner Start-up Egym, das das bekannte Fitness-Abo Wellpass anbietet. Ein gutes Geschäft.

Mit Fitnessgeräten von Egym können sich Sportler ihr biologisches Alter berechnen lassen und versuchen, es mit Training zu senken. Eine effektive Motivationsstrategie. (Foto: EGYM GmbH/picture alliance/dpa/eGym GmbH)
Es sind aufregende Zeiten für das Münchner Start-up Egym. Keine drei Wochen ist es her, da verkündete das Unternehmen, es plane eine Fusion mit dem US-Fitness-Unternehmen Playlist. Stimmen alle Behörden zu, dann entsteht so ein mit rund 7,5 Milliarden Dollar bewertetes globales Fitnessunternehmen. Gesundheit ist eine Wachstumsbranche. Das Geschäft läuft seit Jahren rund, von zweistelligem Wachstum war zuletzt die Rede.
Wenn die Fusion durchgeht, dann dürften einige Investoren ziemlich zufrieden sein. Einer von ihnen ist der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner. Der von ihm gemanagte Fonds Affinity Partners hatte im Sommer 2023 eine Finanzierungsrunde bei Egym angeführt und dem Magazin Forbes zufolge rund 110 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt. Legt man die damalige und die aktuelle Bewertung zugrunde, dann dürfte Kushner den Einsatz von damals nahezu vervierfacht haben.
Angestellten in Deutschland dürfte vor allem ein Produkt von Egym ein Begriff sein: das Fitness-Abo Wellpass. Es ist ein Mitarbeiter-Vorteil, den mittlerweile rund 20 000 Unternehmen in ganz Europa anbieten: Die Arbeitgeber subventionieren das Abo, die Mitarbeiter können in Tausenden Studios trainieren. Unternehmen bekommen im ideal zufriedene und gesunde Mitarbeitende, Studios sind besser ausgelastet, Win-win also.
Aber Egym ist noch mehr. Das Unternehmen stellt smarte Fitnessgeräte her, die das Training gamifizieren, also mithilfe von Challenges und Spielen motivieren sollen. Außerdem machen die Geräte genau auf die trainierenden Personen zugeschnittene Programme möglich. Das US-Unternehmen Playlist bietet Buchungssoftware für Fitnessstudios und andere Gesundheitseinrichtungen und betreibt ebenfalls ein erfolgreiches Fitness-Abo Classpass, das sich jedoch anders als Wellpass an Privatkunden richtet. Playlists Anteil in dem neuen Konzern wird dem Handelsblatt zufolge auf fünf von 7,5 Milliarden Dollar geschätzt. Im Zusammenschluss der beiden Unternehmen wäre also Egym der Juniorpartner und soll zu einer Tochterfirma von Playlist werden. Egyms Mitgründer und Chef Philipp Roesch-Schlanderer soll in den neuen Playlist-Vorstand und CEO von Egym bleiben. Auf Linkedin schrieb er, Ziel sei es, „ein vernetztes Ökosystem zu bauen, das Menschen gesünder und glücklicher macht, indem es den Fokus von Heilung in Richtung Prävention verschiebt“.
Im Zuge der geplanten Fusion seien weitere 785 Millionen Dollar Kapital eingesammelt worden, um das Wachstum der beiden Unternehmen anzutreiben, hieß es. Auch Jared Kushners Affinity Partners investiert demnach erneut.
Kushner hatte den Fonds 2021 in Miami gegründet, kurz nach dem Ende der ersten Amtszeit seines Schwiegervaters. Kushner sammelte binnen kurzer Zeit drei Milliarden Dollar an, überwiegend von Staatsfonds aus Saudi-Arabien und den Emiraten, wo er gut vernetzt ist. Zuletzt machte Affinity als Teil eines Konsortiums von sich reden, das den Computerspielgiganten EA-Sports übernehmen wollte. Das öffentlich erklärte ursprüngliche Ziel des Fonds war jedoch: Frieden. Die Motivation für Affinity beschrieb Kushner Forbes gegenüber damals so: „Friedensverträge sind in diesem Teil der Welt deutlich schwieriger zu schließen als Business Deals. Und das kann ich hier mindestens genauso gut wie jeder andere.“ Das substanzielle Investment in Deutschland war deshalb zumindest ungewöhnlich, hatte Kushner doch angekündigt, das überwiegend arabische Geld vorwiegend in Israel investieren zu wollen. Tatsächlich beteiligte sich Affinity auch an zwei Start-ups aus Israel, dem Versicherer Phoenix Insurance und der Shlomo Group, einem Autoleasing-Anbieter. Egym war dann das erste Investment von Affinity in Europa.
Egym-Chef Philipp Roesch-Schlanderer wurde damals von Forbes zu dem Investment befragt und gab zu Protokoll: „Wir wollten einen Investor, der den US-Markt sehr gut kennt.“ Und: „Er (Kushner) ist immer für mich da.“
Möglich, dass Kushners Kenntnis des US-Markts nun auch den ein oder anderen Teil zur geplanten Fusion mit Playlist beiträgt. Noch fehlt die Zustimmung der relevanten Behörden in den USA, das dürfte in diesem Fall aber eher Formsache sein. Zwar steckt via Affinity Partners auch viel saudisches Geld in dem neuen Unternehmen, doch geht es um Fitness und nicht um Verteidigung oder kritische Infrastruktur. Interessanter wäre die kartellrechtliche Frage. Mit Playlist und Egym entstünde ein globaler Player, der den kompletten Gesundheitsbereich abdeckt. Sich jedoch vorzustellen, dass eine US-Kartellbehörde den Zusammenschluss zweier Unternehmen untersagt, an denen ein Teil der Familie Trump beteiligt ist, erfordert einiges an Fantasie.
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