SZ 28.01.2026
15:32 Uhr

Mobilfunk: Preise für Handytarife in Deutschland liegen im Mittelfeld


Deutschland, Land der Funklöcher – das war einmal. Inzwischen ist die Abdeckung besser als in vielen Nachbarländern. Zu den billigsten gehört Deutschland allerdings nicht.

Mobilfunk: Preise für Handytarife in Deutschland liegen im Mittelfeld
Smartphone-Invasion bei den Filmfestspielen in Venedig: In Italien sind Mobilfunktarife vegleichsweise günstig. (Foto: Cinzia Camela)

Funklöcher – na klar gibt es die noch in Deutschland. So manches Dorf lebt nicht gerade im Tal der Ahnungslosen, aber doch der Unterversorgten. Wer dort mobil telefonieren will, muss vor die Tür gehen oder gar einen Hügel erklimmen. Verglichen mit dem Stand vor etwa zehn Jahren aber hat das Land einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Auf der Karte der Abdeckung mit Mobilfunk gibt es nur noch wenige weiße Flecken, und auch die jüngste Technologie 5G ist nahezu überall verfügbar – anders als in einigen Nachbarländern.

Aber ist mobil telefonieren und vor allem surfen im internationalen Vergleich nicht viel zu teuer in Deutschland? Das hat der Branchenverband Bitkom in einer Studie untersuchen lassen. Das Ergebnis mag manche überraschen. Bei Tarifen mit vergleichsweise wenig Datenvolumen – mindestens sieben (XS) und mindestens 20 Gigabyte (S) – liegt Deutschland mit dem günstigsten Angebot von 5,24 Euro (XS) pro Monat und 6,12 Euro (S) auf Platz zwei und drei der zwölf Vergleichsländer. Verglichen wurden ausschließlich Flächenländer, außer Deutschland wurden einbezogen: Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien, Österreich, Niederlande, Schweiz, Finnland, USA, Südkorea und Japan.

Bei Tarifen, die mehr Datenvolumen enthalten, mindestens 50 oder 100 Gigabyte, rangiert Deutschland bei den günstigsten Angeboten im Mittelfeld. Während man in Spanien den günstigsten Tarif mit mindestens 50 Gigabyte Datenvolumen schon für 4,50 Euro bekommt, kostet er in Deutschland 8,74 Euro. Für 100 Gigabyte sind in Deutschland mindestens 18,66 Euro fällig, in Italien zahlen die Kunden im billigsten Tarif nur 5,99 Euro – surfen dabei aber anders als in Deutschland nicht mit voller 5G-Geschwindigkeit.

Überraschen mag viele, dass die USA, die bei der Digitalisierung weit vor Deutschland gesehen werden, beim Mobilfunk zu den teuersten Ländern gehören – zusammen mit Finnland. Auch das ja ein Land, das technologisch als Vorreiter gilt.

Nicht jeder kann allerdings den günstigsten Tarif wählen. Entweder weil der Vertrag mit einem anderen Anbieter noch läuft, oder weil der Netzbetreiber in der entsprechenden Region nur eine schlechte Netzabdeckung bietet. Es kommt eben immer darauf, wo die Sende- und Empfangseinrichtungen im Vergleich zu denen der Konkurrenten stehen.

Daher ist auch der Medianpreis eine interessante Vergleichsgröße, also der Mittelwert der ermittelten Liste an Preisen, nicht der Durchschnittspreis. Dabei sortiert sich Deutschland unter allen untersuchten Ländern im Mittelfeld ein: Platz sieben von zwölf bei den Tarifen mit weniger Datenvolumen, Platz sechs bei den Tarifen mit mehr Datenvolumen.

Erheblich günstiger telefoniert und surft man in Spanien und Italien und bei vielen Tarifen auch in Frankreich. Nicht in allen Ländern aber investieren die Netzbetreiber so viel in den Ausbau ihrer Infrastruktur wie in Deutschland, wo die vier Mobilfunk-Unternehmen pro Jahr zehn bis zwölf Milliarden Euro dafür ausgeben. Die Netzabdeckung ist daher bei den Nachbarn oft schlechter, auch 5G ist bislang nicht so flächendeckend ausgebaut wie in Deutschland.

Der Datenverkehr auf den mobilen Netzen steigt ständig. Der größte Anteil entfällt dabei auf Bewegtbilder. Besonders soziale Netzwerke wie Tiktok, die Kurzvideos zeigen, schlagen beim Datenvolumen ins Kontor. Für eine Stunde Tiktok oder Instagram gehen etwa 800 Megabyte drauf. Noch datenhungriger ist nur Videostreaming in ultrahoher (4K-) Auflösung: Da sind nach einer Stunde an die sieben Gigabyte weg. Dafür nutzen die meisten dann aber doch eher Verbindungen über Wlan.

Um den Ausbau weiter vorantreiben zu können, wünschen sich die Netzbetreiber, dass Genehmigungen schneller und digital erteilt werden, und das bundesweit einheitlich. Die Genehmigungsprozesse selbst sollten dem Bitkom zufolge beschleunigt und vereinfacht werden. Der Netzausbau müsse zudem vorrangig behandelt werden, auch was etwa die Versorgung von Sendemasten mit Stromleitungen betrifft.

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