SZ 17.02.2026
16:48 Uhr

Männer-Staffel bei Olympia: Eine Medaille ist eine Biathlonwelt entfernt


Die schwachen Schießleistungen setzen sich in der Biathlon-Staffel der Männer fort. Das deutsche Quartett kommt nur auf Rang vier – mit großem Rückstand.

Männer-Staffel bei Olympia: Eine Medaille ist eine Biathlonwelt entfernt
Wieder ohne Trefferglück: Auch Philipp Nawrath hatte in der Staffel Probleme am Schießstand. (Foto: Francois-Xavier Marit/AFP)

Fast wäre in Vergessenheit geraten, dass Skilanglaufen und Schießen einst zur Nahrungssicherung dienten. Der Biathlonsport von heute hat seine Wurzeln in der skandinavischen Jagd- und Militärtradition des 18. Jahrhunderts. Einst ging es bei der Frage des Treffens oder Verfehlens nicht um Punkte oder Medaillen, sondern darum, satt zu werden. Wenn man so will, ist das die frohe Botschaft für die Biathlon-Nation Deutschland: Die olympischen Skijäger des Landes können noch so häufig daneben ballern – Mundraub befürchten muss deswegen niemand.

Frankreich vor Norwegen und Schweden, so lautet das Ergebnis des Staffelrennens vom Dienstag. Und so langsam fällt auf, dass sich die dekorierten Nationen im olympischen Männer-Biathlon dieser Tage ähneln, nur dass die Reihenfolge variiert. Als würde jemand einen Würfel mit nur drei Seiten werfen. Team Deutschland hat auf diesem imaginären Spielgerät jedenfalls so gut wie keinen Platz. Wenn man so will, holte das Quartett mit Justus Strelow, David Zobel, Philipp Nawrath und Philipp Horn am Dienstag die Goldmedaille der zweiten Reihe. Rang vier stand am Ende zu Buche, wenngleich für einen ernsthaften Eingriff ins Medaillenrennen eine kleine Biathlonwelt an Präzision fehlte.

Die Biathletinnen und Biathleten treten bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Antholz an. In Südtirol stehen elf Wettbewerbe auf dem Programm – ein Überblick.

Bei der WM in Lenzerheide hatten Nawrath, Danilo Riethmüller, Johannes Kühn und Horn 2025 noch Bronze gewonnen. Ohnehin galt die deutsche Biathlonstaffel stets als sogenannte Bank. Nicht ganz so dominant wie etwa der deutsche Ruderachter ist sie in der Sporthistorie vermerkt, aber doch mit reichlich Medaillen behangen. Daran hatte unlängst der Thüringer Horn erinnert. Wenn er und seine Kollegen sonst auch wenig Furchterregendes zustande brachten – vor der deutschen Staffel hätten die derzeit großen Nationen der Szene „Respekt“. Aber dennoch, auch das hatte Horn erklärt, sehe er vor dem Staffelrennen andere in der Favoritenrolle. Und das Rennen gab ihm recht.

Zum Wettkampf über viermal 7,5 Kilometer im Schneetreiben von Antholz waren wie an fast allen Tagen abermals tausende deutsche Fans in die Südtirol Arena gekommen, unter ihnen ein Mann namens Jürgen Klopp, der sich am Abend zuvor als Fan der Skijägerei bekannt hatte. Zumindest das steht fest: Klopp und die Tausend sind keine Erfolgsfans. Strelow, normalerweise ein sicherer Schnellschütze, leistete sich ungewöhnlicherweise zwei Nachlader, Zobel deren drei und Nawrath vier. Eine Strafrunde vermieden die deutschen Staffelläufer zwar, doch das Paket für Schlussläufer Horn erwies sich als deutlich zu groß, um ernsthaft die vorderen drei anzugreifen. Nachdem auch er dreimal neu laden musste, war der vierte Rang schnell zementiert. Frankreich verbuchte dagegen bereits die vierte Goldmedaille in Antholz, die neunte Biathlon-Medaille insgesamt.

Schlussläufer Horn war die Enttäuschung anzumerken. Er hatte sich mehr ausgerechnet, zumal er die Motivationsrede des Männercheftrainers Tobias Reiter als außerordentlich inspirierend empfunden habe. „Tobi hat gestern eine Ansprache gemacht, es war die beste Traineransprache, die ich bisher gehabt habe“, erklärte Horn nach dem Rennen in der ARD: „Wir sind da rausgegangen und waren der festen Überzeugung, wir rocken das Ding hier heute. Die Enttäuschung ist sehr groß.“ Nach insgesamt zwölf Nachladern kam das deutsche Quartett am Ende mit einem Rückstand von 1:48,3 Minuten auf Sieger Frankreich ins Ziel. Zu Bronze fehlten 51 Sekunden, umgerechnet vielleicht vier bis fünf Nachlader weniger.

Klopp hatte am Schießstand erkennbar Daumen gedrückt, ehe er die Schlussrunde mit der Glocke einleitete. Aber es hätte selbst ein Jagdhorn nicht mehr geholfen. Eines hat sich nicht verändert: Wenn er daneben schießt, wird selbst der schnellste Jäger traurig von der Pirsch heimkommen.

Der Frust ist groß: Erneut vergibt Franziska Preuß eine olympische Einzelmedaille beim letzten Schießen. Die Suche nach den Gründen beginnt – und es gibt erste Antworten.

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