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11.02.2026
16:04 Uhr
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Am Donnerstag treten Beschäftigte der Lufthansa mal wieder in den Ausstand. Offiziell wegen der Altersversorgung und den Arbeitsbedingungen. Und inoffiziell?

Stilllstand an der Fluggastbrücke: Für diesen Donnerstag rufen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Flugbegleiter Gewerkschaft UFO zum Streik auf. Dabei geht es auch um die Renten der Piloten, die derzeit laut Konzern bei 8400 Euro monatlich liegen. (Foto: Sven Hoppe/picture alliance/dpa)
Die Pressemitteilung der Lufthansa, die sie an diesem Dienstag verschickte, klingt harmlos. Darin kündigte sie an, dass die Tochtergesellschaft City Airlines nun ihre Basis in Frankfurt eröffnet und Flüge nach Malaga, Valencia, Berlin, Düsseldorf und Manchester aufgenommen hat. Im Sommer würden weitere Verbindungen folgen, so das Unternehmen.
Offiziell würde die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) immer bestreiten, dass es irgendeinen Zusammenhang zwischen der Pressemitteilung der Lufthansa und dem Statement gibt, das sie selbst wenige Stunden später verschickte. Denn wegen eines Konflikts über die Arbeitsverteilung im Konzern dürfte sie nicht streiken und käme rechtlich in Teufels Küche. So kündigte die VC zwar einen Streik für den Donnerstag an, aber koordiniert mit der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), die für den gleichen Tag aus anderen Gründen ebenfalls zu einem eintägigen Ausstand aufgerufen hat. VC schrieb aber hochoffiziell in ihrer E-Mail, dass die Lufthansa sich auch in monatelangen Verhandlungen über die betriebliche Altersversorgung nicht bewegt habe. Deshalb bleibe der Gewerkschaft keine andere Wahl, als den Druck zu erhöhen.
„Wir hätten eine Eskalation sehr gerne vermieden“, ließ sich VC-Präsident Andreas Pinheiro zitieren. „Wir waren jederzeit gesprächsbereit und haben mehrfach versucht, Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Dass es nun dennoch zu diesem Streik kommt, liegt in der Verantwortung des Arbeitgebers.“ Lufthansa wollte im Laufe des Mittwochs noch einen stark eingeschränkten Sonderflugplan für den Donnerstag veröffentlichen.
Doch jeder im Unternehmen weiß, worum es den Piloten wirklich geht – um die Konzernableger, die den gut versorgten Piloten der Kernmarke Lufthansa Airlines zunehmend interne Konkurrenz machen. Lufthansa hat in den vergangenen Jahren zwei zusätzliche Tochtergesellschaften gegründet: Discover Airlines und City Airlines. Discover wird von Frankfurt aus vor allem auf Strecken eingesetzt, die bei Privatreisenden beliebt sind und daher niedrigere Ticketpreise und Margen erreichen, die also für die teure Kern-Airline nicht mehr profitabel zu betreiben sind. City soll in Frankfurt und München Zubringer für die Langstreckenflüge an den beiden Drehkreuzen fliegen und in den nächsten Jahren wie Discover sehr stark wachsen.
Für die etablierten Piloten bei Lufthansa Airlines sind die beiden Fluglinien Discover und City eine große Bedrohung, denn schon jetzt verschiebt der Konzern immer mehr Flüge zu ihnen, während die Kernmarke schrumpft. Die Kosten sind zu hoch, ein Sanierungsprogramm läuft, aber Lufthansa fordert von den Piloten (und Flugbegleitern) eine höhere Produktivität.
Die offiziellen Forderungen der Piloten nach höheren Beiträgen für die Altersversorgung weist Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann zurück. „Es gibt dafür keinen finanziellen Spielraum“, so Niggemann. Schon jetzt würden Piloten mit rund 8400 Euro monatlicher Rente „hervorragende Konditionen“ genießen, die sich durch die starken Gehaltserhöhungen der letzten Jahre noch einmal verbessert hätten. Er warnt auch: „Die Schrumpfung (von Lufthansa Airlines, Anm. d. Red.) wird durch zusätzliche Kosten beschleunigt.“ Lufthansa würde neue Flugzeuge dort einsetzen, „wo sie profitabel sind.“
Niggemann forderte die VC und die UFO auf, wieder zu verhandeln. Die Flugbegleiter streiken offiziell wegen eines offenen Manteltarifvertrages. Doch auch sie haben andere Sorgen: Die langjährige Regionaltochter Lufthansa Cityline soll geschlossen werden, City Airlines soll an ihre Stelle rücken.
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