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19.02.2026
13:50 Uhr
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Der europäische Flugzeugbauer würde gerne viel mehr Flugzeuge produzieren. Doch es fehlt an Triebwerken. Konzern-Chef Guillaume Faury macht nun öffentlich Druck auf Pratt & Whitney.

„Wir sind sehr unzufrieden“: Airbus-Chef Guillaume Faury am Donnerstag in Toulouse. (Foto: ED JONES/AFP)
Solche Sachen werden normalerweise hinter verschlossenen Türen ausgetragen. In der Luftfahrt trifft man sich dann auch gerne einmal am Rande der vielen Air Shows, um die Meinungsverschiedenheiten beizulegen. Doch dieses Mal läuft es anders: Airbus kritisiert den Motorenhersteller Pratt & Whitney auf offener Bühne und wirft ihm vor, nicht die vertraglich zugesicherte Zahl an Triebwerken zu liefern. „Wir sind sehr unzufrieden“, so Airbus-Chef Guillaume Faury. „Wir wollen unsere vertraglichen Rechte durchsetzen.“
Die ungewöhnliche öffentliche Auseinandersetzung zeigt, um wieviel es geht für die beiden Konzerne. Airbus versucht, die Produktion so schnell wie möglich auszuweiten, um die Nachfrage vor allem nach Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen einigermaßen zu befriedigen. Der Auftragsbestand liegt mittlerweile bei über zehn Jahren Produktion, gemessen am heutigen Niveau. Pratt & Whitney liefert die Motoren für etwa 40 Prozent der A320neo- Baureihe, die übrigen 60 Prozent werden von Triebwerken des CFM International-Konsortiums (GE Aerospace, Safran) ausgestattet.
Das Pratt-Konsortium, zu dem auch MTU Aero Engines gehört, hat derzeit ein gewaltiges Problem. Weil die Motoren der PW1100G-Baureihe lange nicht so haltbar sind wie die Vorgänger und noch dazu ein Teil der ausgelieferten Triebwerke wegen eines Qualitätsmangels repariert werden müssen, stehen derzeit Hunderte bereits ausgelieferte Airbus-Flugzeuge am Boden und warten auf Ersatzmotoren und Termine. Pratt & Whitney hat nun offenbar entschieden, einen größeren Anteil an Triebwerken direkt an die Airlines zu liefern, damit diese ihre Maschinen wieder nutzen können. Airbus hingegen bekommt deswegen nicht genügend, um die Produktion gemäß den eigentlichen Plänen (und offenbar des Vertrages mit Pratt) hochzufahren.
Und so musste Faury einräumen, dass das eintreten wird, was die meisten in der Branche sowieso schon länger prognostiziert haben: Dass der Hochlauf wohl länger dauern wird. Bei der A320neo-Reihe strebt Airbus nun bis Ende 2027 eine monatliche Produktion von 70 bis 75 Flugzeugen an, bisher waren 75 das Ziel. Bei der kleineren A220 sollen es bis 2028 13 Maschinen pro Monat werden, ursprünglich sollten es schon im laufenden Jahr 14 pro Monat werden.
2025 hatte Airbus 793 Jets ausgeliefert, knapp 30 weniger als geplant. Im laufenden Jahr will der Konzern um etwa zehn Prozent wachsen und 870 an die Kunden übergeben. Das wären sieben mehr als im bisher besten Jahr 2019. Seither waren es während der Corona-Pandemie und danach wegen der Probleme in der Lieferkette deutlich weniger. 2020 war mit 566 Flugzeugen der Tiefpunkt.
Faury bestätigte, dass er wie Lars Wagner, neuer Chef der Zivilsparte, künftig auch deutlich mehr Langstreckenflugzeuge produzieren lassen will. Die Nachfrage sei hoch. Er sprach sich auch für eine größere Version des Airbus A350 aus, die ältere Großraumjets wie die Boeing 747, 777 oder den Airbus A380 ersetzen könnte. Eine verlängerte A350 hätte voraussichtlich immer noch je nach Airline etwa 100 Sitze weniger als eine A380. Eine Entscheidung stehe aber nicht unmittelbar an. Airbus hat erst einmal ein paar kurzfristigere Themen zu lösen.
Der europäische Flugzeughersteller ist bislang schon führend bei Kurz- und Mittelstreckenjets, doch Boeing verkauft mehr Langstreckenflugzeuge. Der neue Airbus-Commercial-Chef Lars Wagner will das dringend ändern.
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